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Untreue Mini-Monde: Warum die kleinen Begleiter kommen und gehen

Ab und zu bekommt die Erde einen neuen Mond. Doch nach kurzer Zeit verschwinden unsere Begleiter wieder ins All.
Erde und Asteroid in künstlerischer Darstellung

Das Wichtigste zum Thema Mini-Monde

  • Die Erde hat einen Mond, das weiß jeder. Weniger bekannt: Ab und zu fängt sich unser Planet für einige Zeit einen weiteren Begleiter ein. Diese Lebensabschnitts-Trabanten nennen die Astronomen "Mini-Monde" (englisch: Mini Moon).

  • In der Regel handelt es sich um erdnahe Asteroide (NEAs). Das sind Brocken aus losem Gestein und schmutzigem Eis, die auf ähnlichen Bahnen wie die Erde um die Sonne kreisen.

  • Die Mini-Monde werden der Erde schnell untreu: Einige bleiben ein paar Jahre, andere verschwinden schon nach wenigen Monaten wieder.

  • Ursache ist die Schwerkraft. Sie wirkt umso stärker, je näher sich Erde und Asteroiden kommen. Dann wirbelt unser Planet die Brocken wie ein Hammerwerfer ein paar Mal um sich herum und schleudert sie wieder ins All.

  • Bisher konnten Astronomen erst etwa ein halbes Dutzend Mini-Monde entdecken. Jetzt im Herbst erwarten Astronomen wieder einen Begleiter.

Neuer alter Bekannter

Surveyor 1 startet ins All


Ein Fall für Raumfahrt-Archäologen: 2020 SO könnte die Oberstufe einer Centaur-Rakete sein, mit der die Surveyor-Mondsonden gestartet worden sind (hier der Start von Surveyor 1).
© NASA

In diesen Tagen fängt sich die Erde einen neuen Begleiter ein, haben Wissenschaftler ermittelt. Das 2020 SO genannte Objekt wird die Erde aber nur 2-mal umrunden und sich dann im Mai 2021 wieder aus dem Staub machen.

Seltsam: 2020 SO ist viel langsamer als seine Asteroiden-Kollegen, bewegt sich fast auf der gleichen Bahn wie die Erde und ist nur etwa 10 Meter groß. Der Verdacht der NASA-Wissenschaftler: Das Objekt stammt von ihnen selbst.

Nach einem Raketen-Start driften Teile meist noch jahrzehntelang - manchmal für immer - durch den Weltraum. Die NASA glaubt: 2020 SO ist die Oberstufe der Centaur-Rakete, die 1966 die Raumsonde Surveyor 2 ins All brachte. Der neue Kurzzeit-Freund der Erde ist also vermutlich nichts anderes als ... Weltraum-Müll.

Das Ende einer ungleichen Beziehung

Manche Mini-Monde haben nicht die Kraft, der Erdanziehung wieder zu entkommen. Sie enden nach einigen Umrundungen oder Jahren als Meteoriten und verglühen in der Atmosphäre. Auch von der ISS lassen sich Meteore gut beobachten.

So wird der neue Mini-Mond (vielleicht) die Erde umrunden

Der Amateur-Astronom Tony Dunn hat mit einer Software die seltsame Umlaufbahn berechnet, die 2020 SO ungefähr nehmen wird. Die 54 Jahre alte Raketenstufe umrundet die Erde dann in einer Entfernung von 50.000 und 200.000 Kilometern.

Asteroiden-Fun Facts

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    Forscher planen schon seit langem, auf einem Asterioden zu landen. Es wäre aber viel bequemer, wenn er sich nicht weit draußen im All befände, sondern auf einer Erdumlaufbahn - so wie Mini-Monde.

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    Mini-Monde sind häufig so klein, dass Astronomen sie gar nicht bemerken. Der nur wenige Meter große 2020 CD3 kreiste vermutlich 3 Jahre völlig unerkannt um die Erde, berichten Wissenschaftler vom Asteroiden-Such-Projekt "Catalina Sky Survey".

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    Problem bei der Asteroiden-Suche: Sie sind nicht nur klein, sondern auch ziemlich schnell und dunkel. Oft bemerken Wissenschaftler die Stecknadeln im All erst wenige Tage, bevor sie an uns vorbeirasen - oder danach.

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    Erdnahe Asteroiden sind nicht gerade selten: Bisher haben Wissenschaftler über 20.000 registriert. Es dürften aber in paar Millionen sein.

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    Andere Planeten fangen ebenfalls Mini-Monde ein, beispielsweise Jupiter. Gut für uns: Mit seiner gigantischen Anziehungskraft saugt der Gasriese viele möglicherweise für die Erde gefährliche Asteroide weg.

Besucher aus dem All: erdnahe Asteroiden

Umlaufbahn eines erdnahen Asteroids


Erdnahe Asteroiden kommen auf ihrem Weg um die Sonne in regelmäßigen Abständen der Erde nahe. Sehr kleine Asteroiden, sogenannte Meteore, verglühen in der Atmosphäre. Andere können von der Erde als Mini-Monde eingefangen werden. Ab einer bestimmten Größe könnten sie bei direktem Kollisionskurs zur tödlichen Bedrohung für die Menschheit werden.
© NASA

Veröffentlicht: 17.10.2020 / Autor: Peter Schneider