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Späher aus dem All: Satelliten haben alles im Blick - auch dich?

Fast tausend Satelliten haben ihre Augen auf die Erde gerichtet. Ihnen entgeht fast keine Bewegung. Was sie aber (noch) nicht können: Gesichter erkennen. Im Clip: Dieser Mann steuert die europäischen Satelliten - von Darmstadt aus.

Das Wichtigste zum Thema Satelliten

  • Fotografie ist nur eine von vielen Methoden, die Erde abzubilden. Satelliten verwenden manchmal auch Radarstrahlen, die mühelos durch Wolken dringen können.

  • Rush-Hour im Weltall: 2010 schwebten noch weniger als 900 Satelliten im Weltraum. Heute sind es deutlich über 2.200. Fast 1.000 davon sammeln Informationen auf der Erdoberfläche.

  • Grund für den Boom im All: Früher haben nur Staaten Raumfahrt betrieben. Heute starten auch Unternehmen Satelliten und verdienen Geld mit ihren Daten.

  • In den Anfangszeiten dauerte es viele Tage, bis ein Satellit denselben Ort auf der Erdoberfläche wieder überflog. Heute gibt es so viele davon, dass sie die Erde quasi in Echtzeit abbilden.

  • Erdbeobachtungs-Satelliten fliegen häufig nur in 300 bis 600 Kilometern Höhe. Das ist Luftlinie nicht mehr als die Entfernung von München nach Frankfurt und Hamburg.

  • Knackpunkt der modernen Satelliten-Bilder: Nicht ihre Qualität ist entscheidend, sondern ihre Auswertung mit intelligenter Software.

Was Satelliten auf der Erde alles erkennen - und wie es genutzt wird

Können mir Satelliten auch beim Sonnenbaden zusehen?

Bilder eines Spionage-Satelliten


US-Geheimdienstagenten waren entsetzt, als Präsident Trump dieses Bild von einem zerstörten Areal twitterte. Gemacht hatte es ein Spionage-Satellit - und Nerds fanden schnell heraus, um welchen es sich handelte.
© Twitter

 

Jemanden aus dem All auszuspionieren? Für die streng geheimen US-amerikanischen KH-11-Satelliten ein Klacks. Ihre  2,40 Meter großen Spiegel erkennen Gegenstände von nur 10 Zentimeter Größe - also auch einen Bikini. Allerdings als Punkt und auch nur, wenn die Atmosphäre nicht allzu sehr flimmert.

Hier liegt die Grenze: Aus 300 Kilometer Abstand und einem riesigen 4-Meter-Spiegel lässt sich auch bei klarstem Wetter nichts unterscheiden, was kleiner als 8,6 Zentimeter ist. Good News für Datenschützer: Satelliten erkennen, wo sich ein Mensch aufhält – aber nicht welcher.

Satelliten - die wichtigsten Helfer der Klimaforschung

Was du garantiert noch nicht über Satelliten wusstest

  • Schiffe senden Positions-Signale aus, die von Satelliten aufgefangen werden. Reedereien können so nachverfolgen, wo sich ihre Schiffe gerade befinden. Umgekehrt lässt sich auf diese Weise auch illegale Fischerei feststellen.

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    2015 haben Reporterinnen der Nachrichtenagentur AP Satellitenbilder benutzt, um Sklavenschiffe im Indischen Ozean zu finden. Etwa 2.000 versklavte Fischer wurden daraufhin befreit.

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    Der Welt erzählte die chinesische Regierung, tausende Menschen der uigurischen Minderheit würden sich in Lagern freiwillig weiterbilden. Bis Menschenrechtler auf Satellitenbildern Wachtürme und Stacheldraht entdeckten.

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    Razzia per Satellit: Vermutlich wähnte sich ein Marihuana-Fan im US-Bundesstaat Oregon sicher, weil seine Plantage von außen nicht sichtbar war. Das galt aber nicht von oben. Nach einem Tipp bemühte die Polizei Google-Earth - und fand 94 Pflanzen.

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    Früher waren Bilder aus dem Weltraum nur für die Geheimdienste. Heute kann sie jeder im Internet kaufen - oder bei ESA und NASA sogar kostenlos runterladen.

Wie gut kennst du dich im Weltraum aus? Teste dich im Quiz!

Veröffentlicht: 11.09.2020 / Autor: Peter Schneider