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Space Mining: Macht Bergbau im All uns steinreich?

Platin, riesige Mengen Nickel und Kobalt, Energie: Im Weltraum schlummern unermessliche Schätze. Aber lassen die sich überhaupt heben?
So stellte sich die US-Firma Deep Space Industries Asteroid-Bergbau vor.

Das Wichtigste zum Thema Weltraum-Bergbau

  • Auf Himmelskörpern wie Monden, Planeten und Asteroiden finden sich große Mengen wertvolle Metalle und andere Rohstoffe wie Wasser und Sonnenenergie.

  • Vielversprechendste Ziele sind erdnahe Asteroiden. Einige davon bestehen fast vollständig aus Metallen wie Nickel, Kobalt, Eisen - und Platin!

  • Viele der reichsten Menschen der Welt haben ihre Milliarden mit Software gemacht. Die ersten Billionäre könnten die Pioniere des Weltraum-Bergbaus sein, sagen Experten.

  • Knackpunkt: Es ist nicht leicht, die Schätze des Sonnensystems zu heben. Die Technik dafür muss noch entwickelt werden. Und das könnte noch mehr als 50 Jahre dauern.

  • Aber schon jetzt arbeiten NASA und ESA an Missionen, um eines Tages aus Wasser-Eis Treibstoff und aus Mondstaub Häuser zu produzieren.

Rasende Schatztruhen

Wissenschaftler wie der Planetologe John S. Lewis schätzen, dass Asteroiden 37 Billionen Tonnen abbaufähiges Eisen enthalten, mit einem irdischen Marktwert von über 10 Billionen US-Dollar. Dazu kommen 2,5 Millionen Tonnen Nickel, 200.000 Tonnen Kobalt und 1.800 Tonnen Platinmetalle, jeweils etwa 70 Billionen Dollar wert. Schon kleine Asteroiden kommen auf theoretische Werte von etwa 20 Milliarden US-Dollar.

So viele Asteroide umschwirren die Erde

NASA-Animation erdnaher Asteroiden


Bekannte Asterioden, die der Erde verhältnismäßig nahe kommen nennen Wissenschaftler NEAs (Near Earth Asteroids). 
© NASA Jet Propulsion Laboratory

Teurer als Gold: Platin

Eisen-Nickel-Meteorit 16 Psyche


Eisen-Nickel-Asteroiden wie der Asteroid "16 Psyche" dürften auch große Mengen Platin enthalten.
© NASA/JPL-Caltech /Maxar/ASU/P. Rubin

Beim  Weltraum-Bergbau ist oft von Platin die Rede. Tatsächlich kommen sogenannte Platin-Gruppen-Metalle (PGE) in Eisen-Nickel-Asteroiden vor. Es sind zwar nur etwa 10 Gramm pro Tonne Asteroid. Aber das ist immerhin etwa 10-mal mehr als in irdischen Erzen und der Kilo-Preis von etwa 25.000 Euro macht das wieder wett.

Die geringen Mengen sind sogar ein Vorteil: Während sich kaum Tausende Tonnen Eisen und Nickel durch die Erdatmosphäre schleusen lassen, sind ein paar Tonnen Platin sicher kein großes Problem.

Metall-Metorit auf dem Mars


Wissenschaftler kennen die chemischen Bestandteile von Asteroiden ziemlich gut. Denn sie fallen häufig in Form von Meteoriten auf die Erde - oder wie hier im Bild - auf den Mars.
© NASA

Allerdings ist es schwer, an das Platin heranzukommen. Es fällt normalerweise nur als Nebenprodukt an. Bevor also nicht die anderen Metalle abgebaut werden, gibt es auch kein Platin. Ein anderes Problem: der Preis-Absturz, wenn Unmengen Weltraum-Platin den Markt überschwemmen sollten.

So wird (vielleicht) Space Mining aussehen

Wasser - der wahre Luxus-Rohstoff im All

  • Ein Liter Wasser würde auf dem Mond 60.000 Euro wert sein. So viel kostet es, ihn dorthin zu transportieren.

  • Nach den Mondlandungen galt der Erdtrabant als staubtrocken. Raumsonden haben aber in den 1990er Jahren Hinweise auf Wasser gefunden: An den Mondpolen vermuten Wissenschaftler Hunderttausende Tonnen Eis.

  • Deshalb will die NASA ab Mitte der 2020er den Mond-Rover VIPER dort nach Eis bohren lassen. Ziel: Astronauten sollen eines Tages selbst Wasser vom Mond abbauen anstatt es teuer mitzubringen.

  • Das Wasser sollen die Astronauten nicht nur trinken. Aus seinen Bestandteilen Wasserstoff und Sauerstoff lässt sich Atemluft produzieren - und erstklassiger Raketen-Treibstoff.

  • Auch auf dem Mars und Asteroiden gibt es Wasser, sind sich Wissenschaftler sicher. Erst dadurch werden lange Aufenthalte im Weltraum möglich.

VIPER: Die Suche der NASA nach dem kalten Schatz

Fun Facts zum Space Mining

  • ☄️

    Wer selbst schürfen möchte: Hier kannst du nachschauen, wann ein geeigneter Asteroid vorbeifliegt.

  • 💰

    Eine der führenden Space Mining- Nationen ist Luxemburg. Zumindest hat der Zwerg-Staat nicht nur ein Weltraum-Bergbau-Gesetz erlassen, sondern investiert auch 200 Millionen Euro in Space Mining-Technologien.

  • 🏳️

    Weltraumbergbau ist kein einfaches Business. Die 2 bekanntesten Space Mining-Firmen sind bereits Geschichte. Das erst 2013 gegründete Deep Space Industries wurde 2019 aufgekauft. Das anfangs sogar von Google-Gründer Larry Page und Regisseur James Cameron ("Avatar") unterstützte Planetary Resources 2018.

  • 🇺🇸

    Laut internationalem Weltraumvertrag darf kein Staat im Weltraum etwas in Besitz nehmen. Die US-Flagge auf dem Mond war also eher ein "Neil war hier"-Symbol als eine Inbesitznahme.

  • ⚖️

    Widerspruch: Weil niemand im All etwas besitzen darf, kann auch nichts ausgebeutet werden - theoretisch. Mit dem Space Act von 2015 hat die US-Regierung ein Gesetz erlassen, dass US-Firmen genau das erlaubt.

Asteroiden-Landung

Bisher ist es nur wenigen Top-Raumfahrt-Nationen gelungen, ein Raumfahrzeug auf einem Asteroiden (oder Kometen) zu landen, darunter Japan mit den Hayabusa-Raumsonden. Weltraumbergbau dürfte noch um einiges schwieriger sein.

Unerschöpflich oder unerreichbar? Die Monster-Energiequelle auf dem Mond

Fusionskraftwerk Sonne


Bei der Fusion von Helium-3 entstehen riesige Mengen Energie. Mit dem gleichen Prinzip verbrennt Wasserstoff in der Sonne. In einem Fusionskraftwerk ließe sich die Energie nutzbar machen. Es wird zwar daran intensiv geforscht, aber es dauert voraussichtlich noch Jahrzehnte, bis es technisch machbar ist.
© NASA

Der Mond hält noch eine Überraschung bereit. Sein Boden enthält 1.000-mal mehr Helium-3 (He-3) als die Erdkruste. Der Clou: Das Edelgas lässt sich als Brennstoff in Fusions-Reaktoren einsetzen. Nur 200 Kilo davon könnten 10 Prozent des für 2040 prognostizierten Energiebedarfs der gesamten Erde decken, so eine Studie. Selbst die russische und chinesische Regierung interessieren sich dafür.

Der Haken dabei: 100 Kilo Mondstaub enthält gerade einmal 1 Gramm He-3. Bedeutet: Um 200 Tonnen Helium-3 zu fördern, müssten Tausende Tonnen schwere Maschinen jährlich 20 Millionen Tonnen lunaren Boden durchwühlen. Das sind 630 Tonnen pro Sekunde!

Alternative: Die Atmosphäre des Uranus enthält ebenfalls H-3. Aber: Uranus ist zwischen 2,5 und 3,2 Milliarden Kilometer entfernt, was es nicht einfacher macht. Außerdem: Bisher gibt es noch gar keine Fusionskraftwerke. Näheres dazu findest du hier.

Veröffentlicht: 04.10.2020 / Autor: Peter Schneider