Themenseiten-Hintergrund

Ausflug ins All? Aber bitte nur mit Raumanzug!

Ohne Raumanzug einen Weltraum-Spaziergang machen? Warum wir das keine 2 Minuten überleben würden - und was Kälte, Vakuum und Strahlung damit zu tun haben.
Ohne schützenden Raumanzug würde eine Mensch nur wenige Sekunden im All überstehen.

Das Wichtigste zum Thema Überleben im All

  • In Sci-Fi-Filmen sterben unzählige Menschen im Weltraum: Sie platzen, schockgefrieren und verbrutzeln in tödlicher Strahlung. Doch wie sieht's im wahren Leben aus?

  • Entscheidend ist der Sauerstoff: Ein Astronaut hat eine gute Chance, den Weltraum zu überleben, wenn ihm jemand nur schnell genug zurück in eine Druckkabine hilft.

  • NASA-Ingenieur Jim LeBlanc hatte in den 1960ern ein unfreiwilliges Quasi-Weltraum-Erlebnis. Beim Test in einer Vakuumkammer löste sich sein Luftschlauch. LeBlanc fiel in wenigen Sekunden in Ohnmacht. Sein Glück: Die Kollegen konnten die Kammer wieder blitzschnell belüften.

  • Dem Weltall war bisher noch nie ein Mensch ohne Anzug ausgesetzt. Allerdings öffnete sich 1971 bei der Rückkehr der sowjetischen Sojus-11-Kapsel ein fehlerhaftes Ventil - und die Atemluft entwich. Nach 2 Minuten waren die 3 Astronauten tot.

  • Da im Vakuum alle Körperflüssigkeiten inklusive Sauerstoff in den Weltraum verdampfen, stoppen alle mikrobakteriellen Aktivitäten. Eine Leiche würde sich dort nicht zersetzen. Stattdessen würde sie als Mumie durchs All driften, bis die Weltraumstrahlung ihre Materie zertrümmert hat.

Warum ein Raumanzug überlebenswichtig ist

Raumanzüge für das neue NASA-Raumschiff Orion


Nach einigen tödlichen Unfällen dürfen Astronauten ohne Druckanzüge nicht mehr ins All starten. Hier ein Test des neuen Raumanzugs für das neue NASA-Raumschiff Orion.
© NASA

 

Sollte ein Mensch tatsächlich eines Tages das Pech haben, lebend, aber ohne Anzug im Weltraum zu landen, droht ihm als erstes der Erstickungstod. Zunächst zieht das Vakuum schlagartig alle Luft aus den Lungen und zerreißt ihr empfindliche Gewebe - besonders, wenn er versucht, die Luft anzuhalten. Der Atemprozess dreht sich um: Anstatt Sauerstoff ins Blut zu transportieren, geben ihn die Lungenbläschen wieder ab.

Schon 15 Sekunden später erreicht nur noch Blut ohne den notwendigen Sauerstoff das Gehirn - und der Unglückliche verliert das Bewusstsein. Nach 2 Minuten ist der Sauerstoffgehalt so weit abgesunken, dass seine Hirnzellen absterben - das Ende.

So wirkt das Weltall auf den Körper

Opfer der Forschung: Vakuum-Experimente an Tieren

  • In den 1960 Jahren setzten US-Militärs Hunde dem Fast-Vakuum aus. Dauerte das nicht länger als 90 Sekunden, überlebten die Tiere.

  • Die Hunde verloren das Bewusstsein, litten unter Krampfanfällen, und auf ihren Zungen bildete sich Eis. Außerdem erinnerten ihre Körper an "aufgeblasene Beutel aus Ziegenfell", wie ein Forscher schrieb.

  • Bekamen die Tiere wieder Luft, schrumpften sie auf Normalgröße und fingen wieder an zu atmen. Nach 15 Minuten bei normalem Luftdruck konnten sie wieder laufen.

  • Schimpansen überlebten die gleichen grausamen Experimente sogar bis zu 3 1/2 Minuten. Die meisten Primaten trugen laut NASA-Dokumenten offenbar keine langfristigen Schäden davon.

Alarm auf der ISS

Erstickungsgefahr: Als 2018 der Luftdruck auf der ISS absackte, war die Besatzung alarmiert: Schließlich fand sie die Ursache: Das angedockte Sojus-Raumschiff hatte ein Loch.

5 Weltall-Facts zum Staunen

  • 🤢

    Ins Vakuum geschleudert zu werden, könnte auch peinlich sein. Der plötzliche Druckabfall führt dazu, dass sich Magen, Blase und Darm explosionsartig entleeren.

  • ❄️

    Wer ohne Heizung auf dem Mars einen Spaziergang macht, tut dies besser am Äquator und tagsüber. Dann wird es 20 Grad Celsius warm. Nachts fällt das Thermometer auch dort auf fröstelige minus 85 Grad.

  • 🛰️

    Wegen der Kälte des Alls müssen auch große Telekommunikations-Satelliten ununterbrochen geheizt werden. Fällt die Energieversorgung aus, frieren sie ein und sind verloren.

  • ✂️

    Vakuum-Risiko-Kandidaten: Profi-Astronauten fliegen in Druckanzügen ins All. Die Passagiere des Touristen-Raumflugzeugs SpaceShipTwo werden nur eine Art Raumanzug-Imitat tragen. Immerhin: Die top-stylische Limited Edition kommt von einem Sportausrüster.

  • 👸

    Wer aus dem Raumschiff geschleudert wird, macht es am besten wie Prinzessin Lea. Die Star Wars-Legende ("Hilf mir, Obi-Wan Kenobi, du bist meine einzige Hoffnung!") nutzte einfach ihre "Macht", um sich wieder an Bord zu ziehen. Problem: Nur Yedi-Ritter wissen, wie das geht.

Wie sähe ein Leben auf dem Mond aus?

Leben auf dem Mond

Wie sähe ein Leben auf dem Mond aus?

Leben wie der Mann im Mond? Wir treffen Michaela Musilova. Sie ist Weltraumforscherin und untersucht, wie ein Leben auf dem Mond möglich wäre.

Gefrierbrand im All

Tödliche Strahlendosis im All: Ohne Magnetfeld und Atmosphäre ist der Mensch schutzlos.

Der Weltraum als Lebensraum? Diese drei Facts sprechen dagegen ...

  • Kälte: Immerhin, schockgefroren wird man im Weltraum nicht: Da das All kaum Masse enthält, verliert ein Mensch seine Körperwärme darin viel langsamer, als wenn er beispielsweise im Winter ins Eis einbricht. Seine Wärme strahlt er dabei ab wie eine Infrarot-Lampe. Das Weltall ist aber dann doch minus 270 Grad kalt.

  • Vakuum: Ohne den irdischen Luftdruck beginnen die Flüssigkeiten im Körper zu kochen! Wie bei der Taucherkrankheit bilden sich Bläschen in Adern und Gewebe, so dass das Blut nicht mehr fließen kann. Zwar "explodiert" der Körper nicht, weil die Haut dem Druck standhält, aber er schwillt enorm an.

  • Strahlung: Ohne irdisches Magnetfeld und die Atmosphäre grillt die Weltraumstrahlung alles und jeden. 700mal bekommt ein Mensch im All mehr davon ab als auf der Erde. Einen Sonnenbrand gibt es also schon in 5 Sekunden.

Veröffentlicht: 02.09.2020 / Autor: Peter Schneider