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Legal oder illegal? Bei Anti-Blitzer-Apps ist die Lage jetzt eindeutig

Hast du eine Anti-Blitzer-App auf dem Smartphone? Lange herrschte Unsicherheit, ob die Nutzung rechtens ist. Die neue Straßenverkehrsordnung (StVO) bringt Klarheit.

Das Wichtigste zum Thema Blitzer-Apps

  • Blitzer-Apps warnen Autofahrer durch akustische und/oder optische Signale vor Radarfallen, kurz bevor sie diese passieren.

  • Mittels GPS-Daten weiß die App genau, wo du bist. Die Position gleicht das Programm dann mit einer Karte aller festen Blitzer ab. Zur Warnung vor mobilen Blitzern ist die App allerdings auf Nutzermeldungen angewiesen.

  • Die Nutzung von Blitzer-Apps auf dem Smartphone ist laut der neuen abgeänderten StVO jetzt ausdrücklich verboten.

  • Blitzerwarner in Navis sind ebenfalls illegal – auch ab Werk vorinstallierte. Wenn du die Funktion dauerhaft ausstellst, kannst du das Gerät aber ohne Bedenken weiter nutzen.

  • Schon lange verboten sind separate Radarwarn-Geräte und Radarstörgeräte. Diese stören den Blitzer, der dadurch deine Geschwindigkeit nicht messen kann.

  • Die Strafe: 75 Euro und ein Punkt in Flensburg. Externe Radarwarner und Störgeräte darf die Polizei sogar beschlagnahmen. Smartphones und Navis nicht, da sie vorrangig anderen Zwecken dienen.

Neue StVO: Gesetzeslücke geschlossen

In der neuen StVO, die am 14. Februar 2020 durch den Bundesrat bewilligt wurde, steht im Paragraf 23 jetzt explizit, dass der Fahrer Blitzer-Apps auf Smartphones oder in Navigationssystemen, während der Fahrt nicht verwenden darf.

"Dies galt schon zuvor, wird jetzt aber nochmal deutlich klargestellt", schreibt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Viele Autofahrer interpretierten die bisherige Formulierung als Grauzone, da nur von technischen Geräten, die dafür bestimmt sind Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören, die Rede war.

Google Maps wird zwar in der StVO nicht erwähnt, die enthaltenen Blitzerwarnungen fallen wohl aber auch ins Schema. Illegal wird es nämlich dann, wenn die Warnung standortbezogen kurz vor dem Blitzer ausgesendet wird.

Endgültig dürften das zukünftige Gerichtsbeschlüsse klären.

So kommst du trotzdem ohne Blitzerfoto durch den Verkehr

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    Die Installation der Blitzer-Apps per se ist nicht verboten. Vor Fahrtantritt kannst du also einen Blick in die App werfen und deine Route auf Radarfallen checken.

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    Ein anderes Schlupfloch: Nicht du als Fahrer nutzt die App, sondern dein Beifahrer - das wird in der neuen StVO nicht direkt untersagt.

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    Ganz save bist du, wenn du dich per Radio über die Blitzerlage in der Gegend informierst, da dies allgemeingültige Warnungen sind, die nicht standortbezogen sind. Für mobile Blitzer ist das Radio sowieso die beste Infoquelle.

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    Und dann gibt es natürlich eine ganz einfache Möglichkeit nicht geblitzt zu werden: Einfach an die Verkehrsregeln halten.

Im Ausland droht Bußgeld oder sogar Haftstrafen

  • Österreich, Schweiz, Niederlande, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Litauen, Lettland, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn: Radarwarner und Blitzer-Apps sind verboten.
  • Spanien, Frankreich, Luxemburg, Belgien: Radarwarner sind verboten, Blitzer-Apps sind erlaubt.
  • Rumänien: Radarwarner und Blitzer-Apps sind erlaubt. Radarstörgeräte sind verboten.

Immer vorher Informieren: In der Schweiz, in Schweden, Belgien und Luxemburg beispielsweise droht nicht nur ein Bußgeld, sondern sogar Haftstrafen. In Tschechien kann es dafür richtig teuer werden: 7.300 Euro.

Blitzer-Fakten: Wusstest du, dass ...

  • 4.600 fest installierte Radargeräte gibt es in Deutschland.

  • 💰

    Ein Beispiel: Hamburg hat 43 stationäre Blitzer. Der profitabelste steht in Altona-Nord und brachte im ersten Halbjahr 2019 700.000 Euro ein - alle zusammen 5,5 Millionen Euro.

  • 😁

    Hier solltest du aufpassen - oder zumindest lächeln: Die Radarfalle nahe Walddorfhäslach (Baden-Württemberg) an der B27 blitzt bis zu 3.000 Autos am Tag. Er gilt auch als der erfolgreichste Blitzer in Deutschland.

Bußgeld, Punkte, Fahrverbot: Das erwartet dich bei X km/h

Veröffentlicht: 24.02.2020 / Autor: Larissa Melville