Forschern gelingt Durchbruch auf dem Weg zur Organzucht
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Forschern gelingt Durchbruch auf dem Weg zur Organzucht

vor 4 Monaten

Spenderorgane sind rar. Immer mehr werden benötigt, es gibt zu wenige Spender. Also versuchen Wissenschaftler seit Jahren, sie künstlich herzustellen. Bisher ohne Erfolg. Jetzt haben Australier einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.

Jahr für Jahr sterben tausende Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, aber keins bekommen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Forscher haben es noch nicht geschafft, Organe im Labor herzustellen. Zwar kommen sie dem immer näher – wie durch das Spinatherz oder die Apfelohren – aber es fehlt immer noch was. Denn menschliches Gewebe nachzubauen ist nicht einfach.

Besonders schwierig ist es, das natürliche Muskelwachstum nachzubilden. So viel lebendes Gewebe wird ständig von den Zellen produziert und bisher wusste man nicht, wie. An dieser Stelle ist Wissenschaftlern der Monash University in Australien jetzt der Durchbruch gelungen. Sie konnten ein Protein (Meox1) in den Stammzellen ausfindig machen, das genau für dieses Muskelwachstum verantwortlich ist. Denn weiß man erst mal, aus was es besteht, kann man es einfacher nachbauen.

Dafür haben die Forscher Zebrabärblinge benutzt, eine kleine Fischart aus der Familie der Karpfen, die gerne als Zierfische in Aquarien gehalten werden. Okay, aber warum ein Fisch, wenn es um menschliche Organe geht? Tatsächlich wird der – umgangssprachlich auch Zebrafisch genannte – Fisch oft als Modell für Menschen hergenommen, da wir biologische Ähnlichkeiten haben (außerdem ist es eine sehr weit verbreitete Spezies, die schnell heranwächst und viel mehr Nachkommen bietet als Mäuse oder Ratten). 70 Prozent unserer Gene finden sich in Zebrafischen wieder. Sie haben zwei Augen, einen Mund, ein Gehirn, Muskeln, Blut, Knochen, Zähne, Nieren, ein Herz usw.

Organ

Zebrabärbling
Er wird häufig als Modell für den Menschen genutzt.
© via Flickr/NICHD/CC BY 2.0

Und diesem kleinen Fisch hat man es zu verdanken, dass die Forscher jetzt besser verstehen, wie diese bestimmten Stammzellen, die für das Muskelwachstum verantwortlich sind, mit dem Protein zusammen arbeiten. Beziehungsweise wissen die Forscher erst mal, dass es diese spezifischen Zellen überhaupt gibt.

Mit denen könne man jetzt arbeiten. Sie manipulieren. Sie kontrollieren. Sie reaktivieren, um Gewebe neu zu bilden.

Die Stammzellen arbeiten dabei anders als gewöhnlich. Sie trennen sich nicht, um dann von Neuem zu wachsen. Es scheint eher, als würden sie sich klonen. Relativ wenige, ganz spezifische Stammzellen sorgen also für das gesamte Gewebewachstum. Meox1 hilft dabei, die richtigen Zellen dafür auszuwählen.

Dieses Verständnis bringt die Wissenschaftler einen großen Schritt weiter. Bis wir aber Leber und Herzen aus dem Effeff einfach so im Labor heranzüchten können, dauert es trotzdem noch ein bisschen.

Wir haben erst diese Woche die Wissenschaftler getroffen, die aus einfachen Spinatblättern menschliches Herzgewebe gezüchtet haben. Und ja, das Herz schlägt sogar. Seht es euch an:

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