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Der finale Sprung! Bilder zeigen die Geburt eines Blitzes

Die Stromstärke von Blitzen ist bis zu 1.250 Mal höher als die einer Steckdose. Was sie sonst noch besonders macht, siehst du im Clip. Außerdem: Forscher entschlüsselten den Moment, in dem ein Blitz entsteht.
Der finale Sprung! Bilder zeigen die Geburt eines Blitzes0

Das Wichtigste zum Thema Wolkenblitze

  • Rubin Jiang aus Peking gelang es mit einer Hochgeschwindigkeitskamera (Bilder siehe unten), die Geburt eines Blitzes visuell einzufangen. Dank der Bilder konnten Wissenschaftler erstmals dokumentieren, wie sich Ladungskanäle zu einem Blitzkanal verbinden.

  • Alles senkrecht? Von wegen. Es gibt auch waagerechte Blitze. Die heißen Wolkenblitze und bauen gegensätzliche Ladungen in Gewitterwolken ab. Meist zucken sie innerhalb einer Wolke, seltener auch zwischen zwei Wolken.

  • Um die Schwere eines Gewitters zu ermitteln, analysieren Wetterexperten am Forschungsinstitut in Garching/Bayern die Anzahl der Wolkenblitze. Ist diese um das 10- bis 20-fache erhöht, droht ein starkes Unwetter.

  • In Deutschland zucken im Juni und Juli die meisten Blitze am Himmel. Das zeigt die Statistik von BLIDS, einem Dienst von Siemens. Die Mess-Stationen orten Blitze bis auf 200 Meter genau.

  • Herkömmliche Blitzableiter senken zwar das Risiko, dennoch verursachen Blitze weltweit jährlich Schäden im Milliarden-Bereich. Ein Münchner Unternehmen feilt an Blitzfängern. Sie sollen Blitze ableiten, bevor sie einschlagen.

Der finale Sprung: Die Verbindung zwischen Himmel und Erde

Bei der Geburt eines Blitzes treffen Ladungskanäle zusammen: vom Erdboden und aus der Gewitterwolke. Verbinden sie sich, entsteht eine starke Spannung. Es leuchtet kurz auf - und blitzt dann heftig. Dieser Moment der Verbindung zwischen Himmel und Erde heißt unter Wissenschaftlern "finaler Sprung". Warum das Wissen darüber so interessant ist? Es könnte künftig dazu beitragen, Blitzeinschläge vorauszusagen.

Der Atmosphären-Physiker Rubin Jiang wollte den finalen Sprung in Bildern einfangen. Die entscheidenden Aufnahmen gelangen ihm bei einem Gewitter in Peking. Der Forscher stand dabei auf einem 325 Meter hohen Wetterturm. Seine Hochgeschwindigkeitskamera nahm alle 2,6 Mikrosekunden ein Bild auf. Blitzschnell! Eine Mikrosekunde ist eine Millionstelsekunde. Im Video ist der Moment des finalen Sprungs gelb markiert.

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Der finale Sprung dauert nur Mikrosekunden. Deshalb konnten Forscher bisher nicht analysieren, ob sich mehrere Blitzkanäle zusammenschließen - oder einzelne positiv und negativ geladene Kanäle sich treffen.

Das änderte sich mit den Hochgeschwindigkeitsaufnahmen. Eine neue Studie im Fachjournal "Geophysiological Research Letters" lässt nun vermuten: Es treffen sich nur zwei Blitzkanäle. Das könne sich der Laie so vorstellen wie das Treffen der Finger in Michelangelos berühmtem Fresko "Die Erschaffung Adams". Die Finger wären in dem Fall die Blitzkanäle.

Michelangelo Erschaffung Adams


Die Finger nähern sich von oben und unten an.

Voll Laser: Forscher tüfteln an einem Blitz-Fänger

© Getty Images

 

Blitze mit einem Laser-Schwert fangen? Klingt wie aus "Star Wars". Aber das Münchner Unternehmen "Trumpf Scientific Lasers" entwickelt gerade ein Gerät, das pro Sekunde 1.000 Infrarot-Strahlen mit bis zu 600 Gigawatt aussendet. Der dadurch entstehende rund 100 Meter lange Plasma-Kanal soll Blitze aus Gewitterwolken holen und am Boden entladen.

Das könnte vor allem Flughäfen, Stromleitungen, Kraftwerke und Open-Air-Veranstaltungen gegen Blitzschläge schützen. Im Labor hat sich der Super-Laser schon bewiesen. Jetzt soll er auf dem Gipfel des 2.500 Meter hohen Berg Säntis am Bodensee getestet werden - denn dort gibt es besonders häufig Gewitter.

Blitzgescheit: Zahlen-Wissen zum Angeben

  • 321 Kilometer maß ein waagerechter Blitz im August 2007 über Oklahoma/USA laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO).
  • 7,74 Sekunden hielt ein Blitz im Jahr 2012 über Südfrankreich an.
  • 7 Blitze trafen den US-Park-Ranger Roy C. Sullivan. Unglaublich, der Mann überlebte alle!
  • 68 Kühe killte ein Blitz in Australien auf einen Schlag. Die Tiere hatten sich unter einem Baum versammelt.
  • Auf 30.000 Grad Celsius erhitzt sich die Luft im Blitz innerhalb von Millisekunden. Bei solchen Temperaturen schmilzt selbst Stahl.

Don'ts: Diese Dinge solltest du bei Gewitter nicht tun

  • 🌳

    Blitze schlagen vor allem in hohe Gegenstände ein. Entferne dich von Bäumen und Holzmasten. Halte mindestens 10 Meter Abstand. Schlägt ein Blitz ein, breitet sich dessen Ladung in alle Richtungen aus.

  • 🏋️‍♂️

    Nicht breitbeinig stehen. Zwischen den Füßen kann hohe Spannung entstehen. Je größer die Fläche ist, mit der du den Boden berührst, desto mehr Blitzstrom jagt beim Einschlag durch deinen Körper.

  • 🚴‍♀️

    Metallene Gegenstände am Körper erhöhen die Lebensgefahr bei Gewitter. Handy, Fahrräder und Co. leiten Spannung auf dich über.

  • 🏊‍♀️

    Schwimmer, Angler, Paddler und Surfer - schnell raus aus dem Wasser. Es verfügt über eine hohe Leitfähigkeit und lässt den Strom auch weit von der Einschlagstelle noch fließen.

  • ⛰️

    Beim Wandern in den Bergen bieten Höhlen und Felsvorsprünge im Notfall Schutz. Aber Vorsicht: Nicht die Wände berühren. Felsen leiten Blitzströme über weite Entfernungen.

Dos: So kommst du sicher durchs Gewitter

  • 📱

    Blitz-Info-Dienste im Internet und als Smartphone-App warnen dich rechtzeitig vor dem Unwetter.

  • 👣

    Auf offenen Flächen wie Wiesen hocke dich in eine trockene Mulde und stelle die Füße eng zusammen.

  • 🚗

    Das Auto ist dein Schutzengel! Geschlossene Fahrzeuge sind mit ihrer Metallhülle ein "Faradayscher Käfig". Die elektrischen Ladungen eines Blitzes dringen nicht in den Innenraum. Wichtig: Alle Fenster schließen.

Veröffentlicht: 13.02.2021 / Autor: Alena Brandt