Winterblues

Vom Winterschlaf in die Frühjahrsmüdigkeit? Wie du schnell wach wirst

Auch Ur-Menschen sollen Winterschlaf gehalten haben. Wie erzählen dir von dieser neuen Entdeckung und erklären, wie du die Frühjahrsmüdigkeit bekämpfst.
Vom Winterschlaf in die Frühjahrsmüdigkeit? Wie du schnell wach wirst0

Das Wichtigste zum Thema Winterschlaf

  • Neandertaler-Knochen legen nahe, dass auch unsere Vorfahren einst Winterschlaf gehalten haben. Die neuen Funde stammen aus einer Höhle in Nordspanien und sind mindestens 400.000 Jahre alt.

  • Auch diese Ur-Menschen litten unter der Kälte und fanden im Winter nicht genügend Nahrung. Aus den gleichen Gründen legen viele unserer heimischen Tiere sich im Winter ebenfalls schlafen.

  • Die Tiere fahren die Körpertemperatur und ihren Stoffwechsel herunter, verbrauchen so weniger Energie und zehren von ihren Fettreserven. Ihr Herz schlägt deutlich langsamer.

  • Auch wir leiden noch häufig unter einem Winter-Blues, fühlen uns gerädert. Und im Frühjahr ist bei Wetterfühligen 2 bis 4 Wochen Frühjahrsmüdigkeit angesagt. Warum? Und welche Tricks helfen dagegen? Das erfährst du unten.

Quelle: L´Anthropologie, Juan Luis Arsuaga/Antonis Bartsiokas

Menschen im Winterschlaf

Nahe der nordspanischen Stadt Burgos entdeckten die Forscher Juan Luis Arsuaga und Antonis Bartsiokas rund 400.000 bis 450.000 Jahre alte Neandertaler-Knochen.

Daran erkannten sie eine Unterbrechung des Wachstums, wie es auch im Winterschlaf vorkommt, wenn der Körper alljährlich seine Funktionen herunterfährt. Als Vergleichsobjekte dienten Knochen von Tieren, die Winterruhe hielten. Auch Krankheiten, die an den Knochen und Zähnen festgestellt wurden, sollen darauf hinweisen.

Zuvor hatten Forscher der Uni Marburg festgestellt, dass auch der menschliche Körper mittels "Schaltergenen" den Stoffwechsel umstellen und sich in den Winterschlaf versetzen kann. US-Forscher bestätigten solche Gene.

Und bereits seit 2010 ist bekannt, dass Halbaffen auf Madagaskar Winterschlaf halten. Sie zählen zu unseren näheren Verwandten.

Alles Indizien dafür, dass auch Ur-Menschen einmal Winterschläfer waren - aus dem gleichen Grund wie die Tiere: Im Wach-Zustand hätten sie einen viel zu hohen Energiebedarf gehabt, um ihn mit der wenigen Nahrung im Winter zu stillen. Außerdem mussten sie der Kälte trotzen.

Auch wenn wir heute keinen Winterschlaf mehr halten, verfallen viele von uns in den Winter-Blues - oder die Frühjahrsmüdigkeit schlaucht. Die folgende Grafik und der nächste Text erklären dir wieso.

Quelle: L´Anthropologie, Juan Luis Arsuaga/Antonis Bartsiokas. Universität Marburg

Winter-Blues und Frühjahrsmüdigkeit: Das geschieht in unserem Körper

Deshalb leiden wir unter Winter-Blues und Frühjahrsmüdigkeit

Schuld am Winter-Blues ist die zunehmende Dunkelheit. Die Tage sind kürzer - und so werden die Augen weniger mit Licht versorgt. Das Gehirn kurbelt nicht die Produktion des "Glückshormons" Serotonin an, das auch als Stimmungsaufheller wirkt. Es schüttet vermehrt das "Schlafhormon" Melatonin aus. Wir fühlen uns müde, sind antriebs- und konzentrationslos.

Die Grenzen zwischen einem Stimmungs-Tief und einer "saisonal abhängigen Depression" sind fließend. Ist die aber schwerwiegend und anhaltend, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen und checken, ob nicht andere Gründe für die Niedergeschlagenheit oder eine "echte" Depression vorliegen.

Und wenn dann die Tage wärmer und heller werden, sorgt vermutlich ein Hormon-Chaos bei einigen für Frühjahrsmüdigkeit. Nach dem Winter ist die Melatonin-Konzentration im Blut immer noch sehr hoch. Die Serotonin-Produktion wird wieder angekurbelt. Der Körper ist aber noch nicht darauf eingestellt und muss sich erst an Licht und Wärme gewöhnen.

Hinzu kommt das wechselhafte Wetter im März und April: mal kälter, regnerisch und grau, mal sonnig und warm. Das bringt den Organismus durcheinander und macht müde.

Außerdem weitet Wärme die Blutgefäße, der Blutdruck fällt, Menschen fühlen sich schlapp. Betroffen sind besonders Wetterfühlige und Ältere - und Frauen mehr als Männer.

Hält die Müdigkeit dauerhaft an? Dann sollte auch hier ein Arzt prüfen, ob das nicht andere Gründe hat.

Quelle: Bundeszentrum für Ernährung, Oberbergkliniken, Techniker Krankenkasse, HKK, NABU

6 Tipps zum Kampf gegen Frühjahrsmüdigkeit

  • 🌬

    Frische Luft: Es geht nicht nur darum, sich den Wind ins Gesicht wehen zu lassen, sondern auch sich an Licht und wärmere Temperaturen zu gewöhnen. Je schneller der Körper sich einpegelt, desto schneller verschwindet die Schlappheit.

  • 🌡

    Saunagänge, Wechselbäder oder Kneipp-Anwendungen bringen den Kreislauf auf Touren und trainieren die Blutgefäße.

  • 🏃‍♂️

    Sport im Freien mobilisiert den gesamten Körper. Bring dich am besten gleich nach dem Aufstehen in Schwung. Wem das zu viel ist: Auch Spaziergänge tun schon gut.

  • 🍎

    Ernährung: Kleine Mahlzeiten verhindern lähmendes Völlegefühl. Viel Obst und Gemüse regen den Stoffwechsel an. Vitamin-D-reiche Kost, wie Lachs, Hering, Champignons, Pfifferlinge, Gouda oder Ei, hilft gegen die Müdigkeit.

  • 🌞

    Keine Sonnenbrille! Unsere Grafik oben zeigt: Sonne tanken hilft, das Glückshormon Serotonin zu produzieren und das Schlafhormon Melatonin zu bremsen. Also mehr Licht auf die Netzhaut fallen lassen.

  • 🚰

    Wasser trinken: Genügend trinken ist immer wichtig. Doch gerade im Frühjahr helfen 1,5 bis 2 Liter, gut über den Tag verteilt, im Kampf gegen Konzentrations-Störungen. Wasser kurbelt den Stoffwechsel an und setzt den Kreislauf in Gang.

Techniker Krankenkasse, Bundeszentrum für Ernährung, NABU, Universitätsspital Zürich

Schlaf, Ruhe oder Starre - Tierische Langschläfer

Quelle: NABU, WWF, BUND, Deutsche Wildtierstiftung, Schweizerischer Nationalpark

Veröffentlicht: 03.03.2021 / Autor: Sven Hasselberg