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Menschenaffen: Sollten auch sie Grundrechte haben?

Im Schweizer Kanton Basel-Stadt können die Menschen bald entscheiden, ob neben dem Mensch auch andere Primaten Grundrechte haben sollen. Was sind die Argumente? Im Clip: Orang-Utan-Dame Sandra kommt frei.

Das Wichtigste zum Thema Grundrechte für Menschenaffen

  • Weltweit kämpfen Organisationen und Initiativen für die Grundrechte von Menschenaffen - also das Recht auf Leben sowie auf körperliche und geistige Unversehrtheit.

  • Noch im Jahr 2018 hat das Basler Parlament eine Initiative von Sentience Politics dafür abgelehnt. Die Begründung: eine solche Verfassungsänderung sei auf kantonaler Ebene nicht zulässig.

  • Das Schweizer Bundesgericht sieht das anders und hat die Abstimmung nun für zulässig erklärt, sodass die Bevölkerung in Basel darüber entscheiden kann, ob neben dem Mensch auch andere Primaten Grundrechte haben sollen.

  • Die Begründung der Initiative: Auch Affen seien hochintelligent. Insgesamt gibt es fast 300 Primaten-Arten, die dem Menschen in vielerlei Hinsicht ähneln. Deshalb stünden ihnen auch verfassungsmäßig garantierte Grundrechte zu.

  • Wie ähnlich sind uns Menschenaffen? Was sind die Argumente der Debatte? Das erfährst du auf dieser Seite!

Menschenaffen: Schon der Name verrät die Ähnlichkeit

  • 🧠

    Sie haben größere Gehirne als andere Säugetiere.

  • 💉

    Sie empfinden körperliche und psychische Schmerzen - was sie laut "Sentience" für Tierversuche besonders interessant mache.

  • 🤝

    Sie haben komplexe Sozialstrukturen, leben in einer Gemeinschaft, empfinden Empathie, kümmern sich, schmusen gern und versöhnen sich nach einem Streit. Mit Menschen können sie in Zeichensprache kommunizieren.

  • 🤣

    Sie haben Gefühle - und äußern sie auch. Forscher vermuten, dass hinter dem "Affenbrüllen" eine Art Grummeln steckt. Und auch das freche Lachen der Affen bilden wir uns nicht ein.

  • 😥

    Sie empfinden Trauer: Stirbt ein Mitglied der Affenfamilie, streicheln die anderen den Verstorbenen und halten teils Totenwache - auch um sicherzugehen, dass der Artgenosse wirklich nicht mehr lebt. Das bedeutet auch: Affen kennen den Unterschied von Leben und Tod.

  • 💭

    Sie haben ein Verständnis für Zeit, können sich sowohl an vergangene Ereignisse erinnern als auch für die Zukunft planen.

Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans: Die Menschenaffen

Was denkst du: Sollten Tiere auch Grundrechte haben?

Grundrechte für Menschenaffen: Darüber entscheidet die Bevölkerung in Basel

Sollen die Grundrechte für Primaten in die Verfassung des Kantons Basel-Stadt aufgenommen werden? Darüber können auf Initiative von Sentience Politics nun bald die Menschen in Basel im Rahmen einer Volksabstimmung entscheiden. Wann genau, ist noch nicht bekannt.

Konkret soll die Verfassung um einen Absatz ergänzt werden - in Paragraph 11 unter der Überschrift "Grundrechtsgarantien". Dort soll dann auch "das Recht von nichtmenschlichen Primaten auf Leben und auf körperliche und geistige Unversehrtheit" verankert sein.

Die Änderung würde dann nur im Bereich des Kantons Basel-Stadt gelten, und auch dort nur für kantonale oder kommunale Institutionen.

Die Zoohaltung von Affen soll künftig noch möglich sein, ebenso die Nutzung zu Forschungszwecken. Aber: Die Grundrechte der Tiere dürfen dabei nicht verletzt werden, sie dürften also nicht körperlich oder geistig Schaden nehmen.

Basel soll der Initiative zufolge nur der Startschuss für ein weltumspannendes Projekt zum modernen Tierschutz sein. Auch in Deutschland gibt es eine Diskussion über die Grundrechte von Tieren.

Grundrechte für Tiere: Auch in Deutschland läuft die Debatte

Die Tierrechtsorganisation PETA klagt vor dem Bundesverfassungsgericht im Namen von Millionen Ferkeln. Der Grund: Jedes Jahr werden in Deutschland rund 20 Millionen männliche Ferkel kurz nach der Geburt kastriert - viele davon ohne Betäubung. Die Kastration soll den für manche Menschen unangenehmen "Ebergeruch" bei der Fleisch-Zubereitung vermeiden.

Eine Kastration ohne Betäubung ist nach Paragraf 5 des Tierschutzgesetzes verboten. Aber: Für männliche Ferkel unter 8 Tagen galt bis 2013 eine Ausnahme. Die hat der Bundestag zwar aufgehoben, aber die gewährte Umstellungsfrist wurde immer wieder verlängert - zuletzt bis Ende 2020.

Mit der Klage will PETA erreichen, dass auch Tiere - nicht nur menschenähnliche Primaten - als Träger von Grundrechten anerkannt werden.

Befürworter sehen in Grundrechten für Tiere einen Weg, Tierleid zu verhindern. Gegner halten die Forderung für übertrieben. Alle Argumente dafür und dagegen findest du hier oder im Clip (unten).

Dafür oder dagegen? Tierrechte

Dafür oder dagegen? Tierrechte

Dafür oder dagegen? Tierrechte

Die Tierrechtsorganisation PETA ist überzeugt davon, dass auch Tiere Grundrechte bekommen sollten. Aktuell klagt sie im Namen von Millionen Ferkeln, die noch immer ohne Betäubung kastriert werden, vorm Bundesverfassungsgericht. Aber brauchen Tiere wirklich Grundrechte?

Deine Meinung ist gefragt: Sollen auch Tiere Grundrechte haben?

Veröffentlicht: 04.10.2020 / Autor: Viviane Osswald