Fukushima radioaktives Wasser

10 Jahre nach dem Reaktor-Unfall in Fukushima: Wohin mit dem radioaktiven Wasser?

Ein Tsunami löste 2011 einen Super-GAU im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi aus. Seither brauchen die zerstörten Reaktoren Kühlung. Japan will das kontaminierte Wasser wohl bald ins Meer ableiten. Im Clip: Jetzt kann man wieder ins ehemalige Katastrophengebiet reisen.
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Das Wichtigste zum Thema Radioaktives Fukushima-Wasser

  • Erdbeben, Tsunami, Explosionen: Das Unglück im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi war die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986. Zum Schutz vor radioaktiver Strahlung mussten über 100.000 Menschen ihr Zuhause verlassen.

  • Um die Schäden der Reaktor-Katastrophe zu beseitigen, brauchen der Betreiber Tepco und die japanische Regierung wohl noch Jahrzehnte.

  • Seit 2017 gilt die Strahlenbelastung in vielen Städten und Dörfern wieder als unbedenklich. Zahlreiche Menschen konnten in ihre Wohnorte zurückkehren. Insgesamt herrscht Aufbruchstimmung.

  • Die Reaktoren müssen jedoch noch immer gekühlt werden, wodurch kontaminiertes Wasser zurückbleibt. Weil zur Zwischenlagerung bald kein Platz mehr ist, könnte das gereinigte Kühlwasser daher ins Meer abgelassen werden.

  • Zwar würde das Wasser im Pazifischen Ozean nur einen Bruchteil ausmachen. Immerhin nimmt der rund die Hälfte der gesamten Wasseroberfläche auf dem Globus ein. Trotzdem protestieren Fischer, Landwirte und Umweltschützer aus Angst vor negativen Folgen.

10 Jahre danach: Fukushima heute

Was ist im Atomkraftwerk Fukushima passiert?

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    Am 11. März 2011 verursachten ein extrem starkes Erdbeben (Stärke 9,0 auf der Richterskala) und ein folgender Tsunami enorme Schäden im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan.

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    Durch das Beben und den Tsunami fielen die Stromversorgung sowie die Notstrom- und auch die Nebenkühlwasser-Versorgung aus. Dadurch fehlte die notwendige Energie, um die Brennelemente in den Reaktoren zu kühlen.

  • Insbesondere in den ersten Tagen nach der Katastrophe gelangten große Mengen radioaktiver Stoffe in die Atmosphäre. Zusätzlich führten mehrere Wasserstoff-Explosionen zu weiteren Zerstörungen.

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    Der Fukushima-Unfall erreichte die höchste Stufe in der internationalen Melde-Skala INES (International Nuclear and Radiological Event Scale) als "Katastrophaler Unfall".

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    Zum Schutz der Bevölkerung vor Strahlenbelastung mussten über 100.000 Menschen im Radius von rund 40 Kilometern um das Kernkraftwerk evakuiert werden.

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    2019 begann der Betreiber, mit ferngesteuerten Geräten Brennstäbe aus einem der zerstörten Reaktoren zu bergen. Insgesamt wird die Bergung des Brennstoffs aus den Anlagen schätzungsweise erst in den 2030er-Jahren abgeschlossen sein.

Der Plan: radioaktiv belastetes Wasser ins Meer ableiten

Im Jahr 2011 hat ein Tsunami infolge eines Erdbebens das japanische Atomkraftwerk (AKW) Fukushima Daiichi in Trümmer gelegt. Um eine Kernschmelze zu verhindern, müssen die havarierten Reaktoren seitdem mit Wasser gekühlt werden.

Bislang pumpt der Betreiber Tepco (Tokio Electric Power Company) das kontaminierte Wasser aus den Reaktoranlagen ab und verwahrt es vorübergehend in Tanks. Zuvor säubert eine Reinigungsanlage das Wasser von allen radioaktiven Elementen außer Tritium, das sich mit den vorhandenen Technologien nicht herausfiltern lässt.

Mitte Oktober 2020 lagerten über 1 Milliarde Liter radioaktiv belastetes Wasser in mehr als 1.000 Tanks auf dem AKW-Gelände. Das entspricht der Wassermenge von mehr als 400 olympischen Schwimmbecken. Außerdem kommen jeden Tag weitere Tonnen Wasser hinzu, die zwischengelagert werden müssen.

Fukushima Wassertanks


In den über 1.000 Tanks lagert kontaminiertes Kühlwasser, aber auch Grund- und Regenwasser, das täglich in die Anlage sickert.
© AP Images

 

🙈 Ab 2022 wird der Platz eng

Wo das zwischengelagerte Wasser letztlich landen soll, ist in Japan seit Jahren ein viel diskutiertes Thema. Weil es spätestens 2022 keine Abstellflächen mehr geben wird, drängt Betreiber Tepco auf eine politische Entscheidung. Inzwischen bahnt sich ein Entschluss an.

Wie japanische Medien berichten, soll das umfangreich gereinigte Wasser ins Meer abgeleitet werden. Der Vorschlag hat sich offenbar gegen die Idee durchgesetzt, das Wasser zu verdampfen. Vermutlich auch, weil das Verdunsten wesentlich teurer wäre.

Bilder der Reaktor-Katastrophe Fukushima

Wie gefährlich ist das radioaktive Wasser fürs Meer?

Die Gefahr des kontaminierten Wassers ist selbst unter Experten umstritten. Offenbar setzen Tepco und die japanische Regierung auf den Ozean als "Verdünner". Japan wäre auch nicht das einzige Land, das mit Tritium kontaminiertes Wasser ins Meer ableitet.

 

Tritium als sogenannter weicher Beta-Strahler

Das im Wasser verbliebene Tritium ist eine Variante von Wasserstoff. Es hat eine Halbwertszeit von rund 12 Jahren. Das bedeutet, seine radioaktive Strahlung halbiert sich alle 12 Jahre. Damit gilt Tritium als vergleichsweise harmlos.

Wegen vieler vergangener Skandale misstrauen vor allem Umweltschützer Tepco dennoch. Sie fürchten, dass sich die radioaktive Strahlung womöglich an bestimmten Orten konzentriert ansammelt. Das könnte langfristig negative Folgen für die Lebensräume im Meer haben.

Demonstration Fukushima Seoul


Demonstranten protestieren am 26. Oktober 2020 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul gegen die mögliche Freisetzung von radioaktivem Wasser ins Meer. Südkorea liegt westlich in der Nähe von Japan.
© imago images/Kyodo News

 

🐟 Fischerei und Landwirte fürchten Image-Schaden

Auch die örtlichen Verkäufer von Meeresprodukten halten wenig von der Idee, das kontaminierte Wasser ins Küstengewässer abzuleiten. Sie sehen ein großes Vermarktungsproblem auf sich zukommen.

Verbraucher könnten aus Vorsicht noch mehr auf Meeresfrüchte aus der Region verzichten. Dabei hatte die Fischerei gerade erst wieder ihre Fang-Quoten langsam erhöht. Noch sind in der Nähe des Kernkraftwerks erst wenige Fischgründe wieder freigegeben, manche sogar nur für Tests.

Die japanische Regierung plant offenbar aufklärende Kampagnen gegen die möglichen Vorbehalte. Außerdem werden alle Fische auf Radioaktivität getestet, bevor sie zum Verkauf stehen.

Veröffentlicht: 11.03.2021 / Autor: Alexander Duebbert