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Plastikfressende Bakterien als Lösung für Meerverschmutzung?

Plastikfressende Bakterien: Retten sie uns vor der Kunststoff-Katastrophe?

Ungarische Wissenschaftlerinnen arbeiten an einem Bakterien-Cocktail, der Plastik zu einer Art Kompost zersetzt. Befreien plastikfressende Bakterien die Weltmeere von der Flut an Kunststoffabfall? Außerdem: Tipps, wie du selbst Plastikmüll vermeidest.
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Das Wichtigste zum Thema Plastikfressende Bakterien

  • Die Menge an Kunststoffabfall nimmt unter anderem wegen mehr und mehr Plastikverpackungen seit Jahren immer weiter zu.

  • Verwertung ist nicht gleich Recycling: Von diesem Plastikmüll wird selbst in Deutschland mit einer fast 100-prozentigen Verwertungsquote von Kunststoffabfall nur ein Bruchteil tatsächlich recycelt.

  • Plastikfressende Bakterien könnten dabei helfen, die Recyclingquote zu erhöhen. Eine Plastikflasche etwa, deren Zersetzung in der Natur rund 450 Jahre dauert, zersetzen die Bakterien in knapp 8 Wochen.

Die plastikfressenden Bakterien von Poliloop

Liz Madaras und Krisztina Lévay leiten das Start-up "Poliloop". In ihrem jungen Unternehmen haben die beiden Wissenschaftlerinnen einen verheißungsvollen Bakterien-Cocktail entwickelt.

Klingt eklig? Tatsächlich könnte der "Drink" eine wichtige Rolle für das Recycling von Plastik spielen. Denn die in dem Cocktail enthaltenen Bakterien essen Plastik und verarbeiten dieses zu einer Art Kompost.

Liz Madaras und Krisztina Lévay


Liz Madaras (links) und Krisztina Lévay (rechts) haben "Poliloop" gegründet.
© Galileo

 

💩 In 8 Wochen zum Plastik-Schlamm

Vereinfacht gesagt verzehren und verdauen die Bakterien von Poliloop Plastik, wie wir ein Sandwich essen. Übrigbleibt eine schlammige Masse, die an Kompost aus Obst- oder Gemüseabfall erinnert.

Der Wandelprozess dauert rund 8 Wochen. Das Gute: Der Plastik-Schlamm soll keine giftigen Rückstände enthalten.

 

Recycling von Industrieabfall

Langfristig hat das Start-up große Ziele. Hauptanliegen ist es, Industriemüll im großen Stil zu recyceln. In wenigen Jahren wollen Liz Madaras und Krisztina Lévay damit bereits starten.

Bis dahin soll ihr Bakterien-Cocktail schon einmal etwa an Orten ohne geregelte Abfallwirtschaft verfügbar werden.

Eine umweltfreundliche Alternative für Plastik

Junge Unternehmer haben es scheinbar geschafft, einen plastikähnlichen Stoff herzustellen, bei dem es sich aber tatsächlich um ein umweltfreundliches Material handelt.

Fachleute forschen schon länger an plastikfressenden Bakterien

  • 👩‍🔬

    Mit ihrem Cocktail aus plastikfressenden Bakterien knüpfen die Ungarinnen Liz Madaras und Krisztina Lévay an frühere Forschung an.

  • 🧴

    Britische und amerikanische Forschende fanden heraus, dass die Kombination aus 2 bestimmten bakteriellen Eiweißstoffen den Abbau des verbreiteten Kunststoffs Polyethylenterephthalat (PET) deutlich beschleunigen kann.

  • 🇯🇵

    Das amerikanisch-britische Team griff für seine Arbeit auf das Bakterium "Ideonella sakaiensis" zurück. Von diesem wurde dank japanischer Forschender zuvor bekannt, dass es gebräuchlichen Kunststoff abbauen kann.

  • Unter anderem suchen Mitarbeitende an der Universität Hamburg im Hamburger Hafen nach weiteren Arten plastikzersetzender Organismen.

Essbare Verpackungen aus Algen

Ein britisches Unternehmen hat essbare Verpackungen aus Algen auf den Markt gebracht. Könnten diese die Lösung für das Müllproblem sein?

Ende der Plastikverschmutzung?

  • 🏭

    Plastikfressende Bakterien allein können Probleme wie die Verschmutzung der Weltmeere durch unter anderem Mikroplastik aber voraussichtlich nicht lösen. Die teils gentechnisch veränderten Bakterien sind vermutlich nur etwas für spezielle Kompostanlagen.

  • 🗑

    Wir alle müssen daher in unserem Alltag dafür sorgen, weniger Plastikmüll zu produzieren. Tatsächlich nimmt die Menge an Kunststoffabfällen jedoch kontinuierlich zu, wie unter anderem der Naturschutzbund (NABU) und der Plastikatlas 2019 zeigen.

  • 🚮

    Alle Menschen in Deutschland hinterlassen jedes Jahr Kunststoffabfall, dessen Masse in etwa der Hälfte des durchschnittlichen Körpergewichts (38 Kilogramm) entspricht - Tendenz steigend.

  • 👦

    Private und gewerbliche Endverbraucher:innen sind insgesamt für mehr als 85 Prozent der Kunststoffabfälle in Deutschland verantwortlich, die Industrie für rund 15 Prozent.

  • 📦

    Von diesem jährlichen Kunststoffabfall pro Kopf entsprechen rund 60 Prozent Verpackungsmüll. Davon wiederum wird nur etwa die Hälfte recycelt, der restliche Müll wird verbrannt.

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Veröffentlicht: 13.06.2021 / Autor: Alexander Duebbert