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Nackt, faul, nie erwachsen: Grottenolme und ihr träger Lifestyle

Faultiere können einpacken: Ein Grottenolm hat sich 7 Jahre nicht bewegt. Doch Energie sparen ist nur eine erstaunliche Fähigkeit der nackten Lurche. Hier erfährst du, wie sie leben - und was Forscher noch nicht über sie herausgefunden haben.
Der Grottenolm ist nackt und wird nie erwachsen. Alles über das erstaunliche Tier, gibt es hier .

Das Wichtigste zum Thema Grottenolme

  • Europäische Schwanzlurche kommen ausschließlich im Karstgebirge östlich der Adria vor, das sich von Italien über Slowenien und Kroatien bis nach Bosnien-Herzegowina erstreckt. Dort tummeln sie sich in unterirdischen Höhlengewässern.

  • Der aal-artige Körper misst im Schnitt 25 bis 30 Zentimeter. Das Gewicht liegt zwischen 15 und 20 Gramm.

  • Auffällige Merkmale: spatelförmiger Kopf und abgeflachter Ruderschwanz. Die Vorder- und Hinterbeine sind kurz und zierlich.

  • Grottenolme atmen Luft über ihre Lungen. Zusätzlich besitzen sie am Hinterkopf beidseitig rote Kiemenbüschel, mit denen sie unter Wasser ihren Sauerstoff-Bedarf decken können.

  • Da die Amphibien in Dunkelheit leben, haben sie eine pigmentlose Haut, durch die Blutgefäße und Organe durchscheinen. Die Augen sind unter der Haut verborgen und funktionslos.

  • Verspeist werden Kleinstlebewesen wie Wasserasseln oder Flohkrebse. Umgekehrt müssen die "rosafarbenen" Tiere aufgrund ihres abgelegenen Lebensraumes keine Fressfeinde fürchten.

Das bizarre Leben der Grottenolme

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    Grottenolme werden nie erwachsen: Sie verbringen ihr gesamtes Leben im Larven-Stadium. Forscher schätzen, dass sie 100 Jahre alt werden können. Die Weibchen sind mit rund 15 Jahren geschlechtsreif und pflanzen sich dann etwa alle 12 Jahre fort.

  • Männchen besetzen Balzreviere mit einem Durchmesser von circa 80 Zentimetern. Dringen Konkurrenten in das Territorium ein, kommt es zu heftigen Kämpfen - dabei können Wunden zugefügt und Kiemen abgebissen werden.

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    Ein fortpflanzungsbereites Weibchen wird schwanzwedelnd umkreist, bevor das Männchen am Gewässergrund eine Spermatophore absetzt. Streicht das Weibchen mit seinem Hinterleib darüber, nimmt es dabei Spermien auf.

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    Das Laichrevier wählt das Weibchen aus. Die Ablage der etwa 4 Millimeter großen Eier (meist 35 Stück) zieht sich oft über Wochen hin.

  • Die Nackt-Lurche können bis zu 10 Jahre ohne Nahrung überleben. Außerdem kommen sie bis zu 3 Tage ohne Sauerstoff aus.

  • Ihr Magnet-Sinn dient zur Orientierung in der Dunkelheit. Licht nehmen sie über ihre extrem empfindliche Haut wahr - wird es hell, fliehen die Tiere.

Fauler als Faultiere? Warum sich Grottenolme kaum bewegen

Ein Faultier legt am Tag weniger als 100 Meter zurück, manchmal auch nur 50. Im Vergleich zu den bleichen Kerlchen ist das viel. Forscher von der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest stellten fest, dass Grottenolme ziemliche Bewegungsmuffel sind.

Um herauszufinden, wie sich die Amphibien in ihrem natürlichen Lebensraum umherbewegen, markierten die Zoologen von 2010 bis 2018 19 Grottenolme in der Vruljak-1-Höhle in Bosnien-Herzegowina mit Pigment-Injektionen. So konnte das Team bei regelmäßigen Tauchgängen sehen, wo sich die einzelnen Tiere aufhalten.

Resulat: Die meisten entfernten sich zum Teil über Jahre nicht mal 10 Meter von der Stelle, an der sie markiert worden waren. Ein besonders aktiver Proband brachte es auf 38 Meter in 230 Tagen, der trägste verharrte 7 Jahre an derselben Stelle. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Metern pro Jahr.

Grottenolme sind so faul, weil sie Energie sparen müssen - auch weil das Nahrungsangebot in den Unterwasser-Karsthöhlen sehr spärlich ist.

Hermannshöhle: Der einzige Ort in Deutschland, an dem Grottenolme leben

Die Hermannshöhle im Harz ist die Heimat von Deutschlands einzigen Grottenolmen. Die ersten 5 Exemplare, die ursprünglich aus Istrien stammten, wurden 1932 im künstlich angelegten Olmensee ausgesetzt - 1954 zählte man nur noch 2 Tiere. 1957 kamen 13 "Slowenen" dazu.

Die ersten Olmen-Eier fand man 2016, doch Nachwuchs kam nicht auf die Welt. Nun gibt es neue Hoffnung: Bei einem Bestand von 3 Männchen und 4 Weibchen entdeckten Mitarbeiter Ende August 2020 in der Rübeländer Tropfsteinhöhle 2 Gelege mit Eiern. Bis ein Baby-Olm schlüpft, können allerdings 150 Tage vergehen.

Nachwuchs erwartet! So werden die Olmen-Eier in der Hermannshöhle geschützt

Und so sieht es aus, wenn Baby-Olme schlüpfen

Das Greisenalter der Grottenolme - für Forscher ein Rätsel

Die Wohnhöhlen der Grottenolme liegen oft bis zu 300 Meter tief und sind für den Menschen nur schwer zugänglich. Deswegen ist längst nicht alles über die Lebensweise der bleichen Lurche bekannt. Insbesondere das Geheimnis ihrer hohen Lebenserwartung konnten Forscher noch nicht entschlüsseln.

Man geht davon aus, dass manche Grottenolme über 100 Jahre alt werden. Normalerweise steigt die Lebenserwartung bei Amphibien mit der Körpermasse. Die nackten Höhlen-Bewohner erreichen jedoch nur ein Maximalgewicht von 20 Gramm.

Warum sie dennoch dem Alterungsprozess trotzen, dazu gibt es lediglich Vermutungen: Möglicherweise halten die kühlen Temperaturen im Untergrund und die geringe Aktivität die Grottenolme jung.

Du findest Grottenolme abgefahren? Im Quiz lernst du noch mehr skurrile Tiere kennen!

Veröffentlicht: 03.10.2020 / Autor: Heike Predikant