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Klimawandel und seine Folgen: Hitzewelle in Sibirien

Seit Monaten herrscht in Sibirien eine Hitzewelle. Die Wälder brennen - heftiger und länger als die Jahre zuvor. Die Folge: tauende Frostböden und Co2-Emissionen auf Rekordhöhe. Wir erklären dir, wie das mit dem Klimawandel zusammenhängt.
Sibirien ist von einer starken Hitzewelle betroffen. Die Folge: Waldbrände und ein schmelzender Permafrost-Boden.

Das Wichtigste zum Thema Hitzewelle Sibirien

  • Sibirien, das Sinnbild für Kälte, leidet seit Monaten unter extremer Hitze. Normalerweise schafft es das Thermometer dort im Sommer vielleicht auf 20 Grad Celsius. Die Temperaturen im russischen Werchowjansk sind in Juni auf 38 Grad gestiegen. In der gesamten Region wüten Waldbrände.

  • Der Permafrost schmilzt. Das bedeutet, die Dauerfrostböden tauen auf. Dadurch steigt die Erderwärmung, und es wird Methan freigesetzt. Das Treibhausgas ist 28-mal stärker als Kohlendioxid.

  • Durch die Feuer am Polarkreis sind von Januar bis Ende August 244 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangt. 2019 waren laut dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus insgesamt 181 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Ganz Deutschland produzierte 2019 rund 805 Millionen Tonnen Treibhausgase.

🔍 Das Rätsel um die Hitzewelle

Seit der Eiszeit sind die sogenannten Permafrostböden in Sibirien bis in 1.500 Meter Tiefe gefroren. In diesem Jahr maßen die Temperaturen bis Mai ganze 7 Grad mehr als sonst.

Oft ist der Jet-Stream für Temperaturschwankungen verantwortlich. Das sind die stärksten natürlichen Winde. Sie stürmen in den unteren Schichten der Erdatmosphäre. Brausen diese zu sehr in den Norden, kann es dort auch schon mal ungewöhnlich warm werden. Allerdings beschränkt sich das Phänomen dann auf wenige Wochen und dauert nicht, wie in diesem Jahr, mehrere Monate.

Viele Forscher sind sehr besorgt. Die aktuelle Situation in Sibirien ist schwer zu erklären. Es wird vermutet, dass steigende Treibhausgase in der Atmosphäre zu einer Erwärmung führen, die ihrerseits wieder Methan aus den Böden freisetzt. Ein Teufelskreis, der das weltweite Klima beeinflussen kann.

Hier liegen die Permafrostböden

Quelle: Helmholtz-Gemeinschaft/ Brown et al., International Permafrost Association

Die Folgen der Hitzewelle in Sibirien

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    Menschen: Die Hitze erweitert unsere Blutgefäße, dadurch sinkt der Blutdruck. Bei extremer Wärme leiden Menschen oft unter Kreislaufbeschwerden. Das Hirn wird nicht mehr mit so viel Sauerstoff versorgt und fährt seine Leistung herunter. Das Herz wiederum pumpt umso mehr. Das kann zu einem Hitzschlag führen. Durch erhöhtes Schwitzen verlieren wir bis zu 5-mal so viel Wasser und wichtige Salze. Gerade Asthmatiker klagen über verstärkte Atemnot.

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    Tiere: Zahlreiche Tiere, wie Rentiere, sinken im weicheren Schnee ein. Je nach Schmelze, entwickeln sich Sümpfe, durch die sich besonders kleinere Tiere nicht mehr durchschlagen können. In anderen Regionen vereist der Schnee durch Tauwasser und Regen. Er lässt sich für viele Tiere nicht mehr wegscharren. Sie erreichen die darunter liegende Nahrung nicht und verhungern.

  • 🌲

    Wälder: Bereits Ende Juni brannte eine Fläche, die größer war als das Saarland. Schon im vergangenen Jahr war es eine Fläche doppelt so groß wie Bayern. Alleine im Juni wurden dadurch Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt.

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    Umweltkatastrophen: Auf den Dauerfrostböden haben Menschen Häuser, Lager, Fabriken und auch Pipelines gebaut. Durch die tauenden Permafrostböden werden diese instabil, die Bauwerke sacken ab und Leitungen brechen. In der Nähe der nördlichsten Großstadt der Welt, dem russischen Norilsk, flossen dadurch 20.000 Tonnen Diesel in einen Fluss.

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    Pole: Die Erderhitzung in den arktischen Zonen führen zur Schmelze. Seit 1970 sollen gut 2,5 Millionen Quadratkilometer Schnee geschmolzen sein. Diese Fläche ist doppelt so groß wie Südafrika. So freigesetzt, kann die Erde ohne Schnee noch mehr Sonnenenergie speichern und erwärmt sich weiter. Die Polkappen schmelzen. Alleine in der Antarktis schmilzt das Eis 6-mal so schnell wie vor 40 Jahren.

Was ist eine Hitzewelle?

🌞 Es gibt keine exakte Definition für eine Hitzewelle. Fest steht, dass sie mehrere Tage anhalten muss und ein sogenanntes Extremereignis darstellt, das Mensch, Tier und Umwelt stark beeinflusst.

Der Deutsche Wetterdienst zieht zur Definition Vergleichstemperaturen aus entsprechenden Monaten von 1961 bis 1990 heran. Liegen die aktuellen Werte an 3 Tagen oder mehr über diesen Vergleichswerten, und generell über 28 Grad, sprechen wir von einer Hitzewelle.

In Deutschland hatten wir solche mindestens 14-tägigen Hitzewellen zum Beispiel 1994 mit einem mittleren Tagesmaximum von bis zu 33,5 Grad in Berlin, im Jahrhundertsommer 2003 mit bis zu 36,5 Grad im Mittel in Mannheim oder auch 2018 mit 33,6 Grad im Mittel in Köln.

Der WWF gibt dir 5 Tipps, was du gegen den Klimawandel tun kannst

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    Elektrogeräte: Schalte deine Geräte aus, und verzichte auf die Stand-by-Funktion. Dadurch, könnten wir in Deutschland 2 Kernkraftwerke sofort abschalten. Kochst du mit Deckel, sparst du ein Drittel der Energie. Bei 5 Essen die Woche, sind das 100 Kilo Kohlendioxid pro Jahr. Dein Geldbeutel freut sich über ersparte 46 Euro.

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    Transport: Für die meisten Strecken brauchst du kein Auto. Fahr öffentlich, geh zu Fuß, nimm das Rad. Meist fahren wir nicht weiter als 3 Kilometer. Für längere Distanzen steigst du am besten in den Zug. Vermeide Flugreisen, wo es nur geht.

  • 💡

    Licht: LED-Leuchten helfen dir, bis zu 90 Prozent Energie zu sparen. Für eine vierköpfige Familie bedeutet das im Jahr 82 Euro. Außerdem enthalten LED-Lampe weniger Gifte und haben eine gut 10 Jahre längere Lebensdauer.

  • 🛒

    Lebensmittel: Pro Kopf werfen wir jährlich 83 Tonnen Nahrung in den Müll. Das muss nicht sein! Importiertes Obst und Gemüse brauchen bis zu 48-mal mehr Treibstoffeinsatz. Deshalb: kauf regional. Unnötiges Lagern und die Kühlung dafür entfallen. Auch den Fleischbedarf kannst du drosseln. Achte auf Bio-Qualität.

  • 🌡

    Heizung: Ein Grad weniger im Raum spart 5 bis 10 Prozent Energie. Das bedeutet jährlich 200 Kilo Kohlendioxid und 70 Euro für dich im Jahr. Im Schlafzimmer reichen 18 Grad, im Wohnzimmer 19 und im Bad 21. Und heize die Energie auch nicht zum geöffneten Fenster raus, sondern setze lieber auf kurzes Stoßlüften.

Quelle: WWF, 2017

Veröffentlicht: 22.09.2020 / Autor: Sven Hasselberg