Themenseiten-Hintergrund

Eingenordete Rinder, Vögel auf Langstrecke: Wie Tiere das Magnetfeld nutzen

Rinder in einer Richtung: Viele Tiere orientieren sich am Magnetfeld der Erde. Auch Zugvögel, Hunde und Schildkröten haben einen Magnetsinn. Wo sitzt dieser 6. Sinn - und wofür nutzen die Tiere ihn?

Tiere spüren das Magnetfeld

  • 🐄

    Du hast dich beim Wandern in den Bergen verlaufen? Nutz doch den Kuh-Kompass. Die Tiere norden ihren Körper gern ein und richten sich beim Grasen nach der Nord-Süd-Achse aus.

  • 🦌

    Auch Rehe grasen mit dem Körper auf der Nord-Süd-Achse. Das beobachtete ein deutsch-tschechisches Forscher-Team anhand von Satelliten-Aufnahmen von Google Earth.

  • 🧲

    Was ist das Magnetfeld überhaupt? Die Erde selbst ist wie ein riesiger Magnet, um den sich ein magnetisches Feld spannt. Das bleibt nicht konstant. Die magnetischen Pole wandern etwa einen Kilometer die Woche.

  • 🌎

    Die geografischen Pole hingegen orientieren sich an der Erdachse und bleiben gleich. Sie stimmen nicht exakt überein mit der Lage der magnetischen Pole.

  • 🧭

    Die Kompassnadel zeigt immer in Richtung des magnetischen Nordpols. Daran orientieren sich Menschen schon seit Jahrhunderten.

  • 🐢

    Auch Tiere wie Vögel, Hunde, Graumulls, Schildkröten, Ameisen und Fledermäuse haben einen Magnetsinn. Sie nutzen ihn etwa zur Orientierung und für die Errichtung ihrer Bauten.

Magnetische Fühler: Diese Tiere haben einen 6. Sinn

So werden Magneten hergestellt

Alltagsheld Magnet

So werden Magneten hergestellt

Ob Handy, Computer, Auto oder Kühlschrank - Magneten sind überall! Wir besuchen eine der größten Magnetfabriken der Welt.

Ganz schön anziehend: Wo sitzt der Magnetsinn bei Tieren?

Bei Zugvögeln wie dem Rotkehlchen und bei Tauben sitzt der Magnetsinn in den Augen. Die Tiere können das Magnetfeld sehen - und zwar über spezielle Rezeptoren für Licht in der Netzhaut. So orientieren sie sich auf ihren langen Flügen. Experimente zeigen: Haben Tauben einen Stabmagnet im Nacken, sind sie orientierungslos. Was dafür spricht, dass sie mit dem Magnetfeld navigieren.

Magnetsinn Rotkehlchen


Ich seh' dich! Rotkehlchen erscheint das Magnetfeld vermutlich ultraviolett.
© Getty Images

 

Bei Regenbogenforellen fanden Biologen bestimmte Proteine in den Körperzellen. Ihre Vermutung: Die "Kompass-Zellen" wandeln magnetische Informationen in Nervenreize um und geben so Richtungs-Impulse.

Magnetsinn Forelle


Fische haben magnetische Zellen im Körper mit deren Hilfe sie navigieren.
© Getty Images

 

Voll auf Empfang! In den Antennen von Ameisen fanden Forscher aus Brasilien magnetische Eisenminerale. Wohl mit deren Hilfe finden die Tiere über das Magnetfeld den Weg zurück zu ihren Nestern.

Magnetsinn Tiere


Ameisen haben am Kopf lange Antennen. Forscher mutmaßen, dass darin ihr Magnetsinn sitzt.
© Getty Images

Und was ist mit dem menschlichen Magnetsinn?

Die Gehirnwellen des Menschen reagieren auf Magnetfelder - das zumindest lässt eine Studie aus dem Jahr 2019 von amerikanischen und japanischen Forschern vermuten.

Der Versuch: Die Forscher setzten 34 Probanden bei Dunkelheit in eine Kammer. Darin erzeugten sie ein künstliches Magnetfeld. Mit Elektroden zeichneten sie die Gehirnwellen der Probanden auf. Das Ergebnis: Veränderten die Forscher das Magnetfeld, veränderten sich auch die Gehirnwellen. Daraus schließen die Forscher, dass Menschen zumindest unbewusst das Magnetfeld wahrnehmen.

Was ist überhaupt das Magnetfeld?

Das Magnetfeld der Erde war nicht immer konstant. Auch jetzt verändert es sich ständig. Der magnetische Nordpol wandert. Das messen Forscher mit Satelliten. Anhand von Lavagestein rekonstruieren sie, wie das Magnetfeld in der Vergangenheit aussah. Es passiert zwar selten, aber: Die Erde kann sich sogar umpolen - dann wird der Nordpol zum Südpol. Der letzte Polsprung war vor rund 780.000 Jahren.

Tiere mit Magnetsinn


Das Magnetfeld umgibt die komplette Erde. Zwischen dem magnetischen Nord- und Südpol ist die Kraft am stärksten.
© Getty Images

 

Das Magnetfeld der Erde hat eine wichtige Aufgabe: Es schützt unseren Planeten vor dem Sonnenwind - das sind hochenergetische Teilchen, die die Sonne aussendet. Das Magnetfeld lenkt sie von der Erde ab. In Polar-Regionen kannst du es sehen, wenn der Sonnenwind auf die Magnetfeldlinien trifft: Dann entstehen bunte Polarlichter. Ein faszinierendes Naturschauspiel!

Magnetsinn Magnetfeld Polarlicht


Bunte Polarlichter entstehen durch das Magnetfeld der Erde.
© Getty Images

Veröffentlicht: 10.10.2020 / Autor: Alena Brandt