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Eichenprozessionsspinner-Raupen auf einem Ast

Der Eichenprozessionsspinner: Vorsicht vor den gefährlichen Raupen

Es ist wieder so weit, die Raupen des Eichenprozessionsspinners krabbeln im Park. Der Kontakt mit ihren kleinen Brennhaaren kann zu schweren Haut- und Atemwegsreizungen führen. Was du im Notfall am besten machst und wann der Befall vorbei ist. Im Clip: Wie du diese und weitere Gefahren überstehst.
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Das Wichtigste zum Thema Eichenprozessionsspinner

  • Die Eichenprozessionsspinner-Raupen schlüpfen im Mai. Tagsüber drängen sich die Raupen zumeist am Boden, nachts wandern sie - wie bei einer Prozession dicht hintereinanderher - auf den Baum. Nicht selten sorgen die Raupen mit dem markanten dunklen Rückenstreifen für einen kompletten Kahlfrass des Wirtsbaumes.

  • Achtung, schmerzhaft: Der Eichenprozessionsspinner hat bis zu 600.000 Brennhaare mit winzigen Widerhaken. Sie enthalten ein Eiweißgift (Thaumetopoein) und können einen Ausschlag auf der Haut - eine sogenannte Raupendermatitis mit stark juckenden und schmerzhaften Pusteln und Quaddeln - auslösen.

  • Zudem können Eichenprozessionsspinner weitere Symptome auslösen, darunter etwa eine Bindehautentzündung, Atemwegsreizung, Asthma und im schlimmsten Fall einen allergischen Schock.

  • Dafür muss du die Raupe nicht einmal berühren: Die Härchen verteilen sich über die Luft, teils mehrere hundert Meter weit. Das heißt: Befallene Stellen weiträumig meiden!

  • Der Eichenprozessionsspinner war ursprünglich auf der iberischen Halbinsel beheimatet. Durch die immer wärmer werdenden Sommer kann er mittlerweile auch bei uns überleben.

  • Das aktuell schlechtere Wetter hat auch etwas Gutes: Die Raupen breiten sich nicht ganz so heftig aus.

Nest der Eichenprozessionsspinner: So erkennst du die gefährliche Raupe

Vor rund 10 Jahren sei der Eichenprozessionsspinner bei uns noch weitgehend unbekannt gewesen, sagt Hanns-Karl Ganser, Förster und ehemaliger Forstamtsleiter in Kleve. Doch wegen der ansteigenden Temperaturen nehme auch die Verbreitung zu. Mittlerweile sind der Nachtfalter und seine gefährlichen Raupen von Süd- über Mitteleuropa bis nach Südrussland vorgedrungen.

Sein Nest mit Eiern legt der Nachtfalter im Frühsommer am liebsten - das verrät schon der Name - an Eichen ab. Aber auch Kiefern- und Hainbuchenwälder oder andere freistehende Bäume an sonnigen Plätzen können befallen sein.

Ist das der Fall, kannst du das Eichenprozessionsspinner-Nest an den weißen Fäden, die in unterschiedlichen Formen und Größen an Stämmen und Ästen hängen, erkennen. Sie können überall am Baum vorkommen, oder auch auf dem Boden liegen, falls sie heruntergefallen sind.

Eichenprozessionsspinner-Raupen an einem Baum


So sieht ein Gespinstnest der Eichenprozessionsspinner-Raupen aus.
© Getty Images

In den Nestern halten sich die Eichenprozessionsspinner-Raupen tagsüber zwischen den Fütterungszeiten auf. Später im Sommer ziehen sie sich in die Nester zurück, um sich zu erwachsenen Nachtfaltern zu verpuppen.

Eichenprozessionsspinner


So sieht der Eichenprozessionsspinner aus, der schlüpft nachdem sich die Raupen verpuppt haben.
© picture alliance / WILDLIFE/D.Harms

Eichenprozessionsspinner: Gefahr für den Menschen und was du tun kannst

Ab dem 3. von 6 Larvenstadien besitzen die Raupen Härchen mit mehreren Spitzen, die in die Haut eindringen und sogar in die Augen und Atemwege ge­langen können.

Keine Panik: Lebensgefährlich ist es nicht, wenn du die Gifthaare eines Eichenprozessionsspinners berührt hast. Da die Härchen leicht brechen und dann einen Eiweißstoff freisetzen, kann das aber zu unangenehmen Symptomen führen. Die Haut rötet sich und juckt. Es können sich auch Eiterbläschen und Quaddeln bilden. Unbehandelt heilen die sogenannten pseudo-allergischen Hautreaktionen nach 1 bis 2 Wochen ab. Gelangen die Brennhaare in die Atemwege, kann es zu einer Reizung der Atemwege und in schweren Fällen zu Atemnot kommen. Auch eine Bindehautentzündung oder eine Reizung von Mund und Rachen sind mögliche Symptome.

Das kannst du tun, um Folgen zu minimieren

  • Wasche sämtliche Kleidung, die mit den Härchen in Kontakt gekommen sein könnte, bei mindestens 60 Grad.
  • Dusche dich gründlich und wasche deine Haare.
  • Spülen deine Augen mit klarem Wasser aus.

Schild Warnung EichenprozessionsspinnerIn immer mehr Wäldern breitet sich der Eichenprozessionsspinner aus. Hinweis-Schilder warnen an Waldwegen vor den giftigen Raupen.

Eichenprozessionsspinner: So linderst du die Symptome

  • 👩‍⚕️

    Generell gilt: Bei starken Symptomen solltest du eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, um die Symptome abklären zu lassen und eine geeignete Therapie einzuleiten.

  • 😖

    Bei starkem Juckreiz können kortisonhaltige Cremes oder Salben helfen. Cremes mit Hydrocortison erhält man rezeptfrei in der Apotheke. Auch Medikamente aus der Gruppe der Anti­histaminika können helfen.

  • 😣

    Bei leichtem Juckreiz kannst du die betroffenen Stellen selbst behandeln, etwa mit Hausmitteln wie kühlenden Kompressen oder mit Johanniskrautöl und Aloe Vera.

  • 😦

    Bei Atemnot sind Medikamente nötig, die die Atemwege erweitern, etwa Kortisonsprays und Betasympathomimetika.

Gefahr für Hund, Katze und Pferd: Das solltest du mit deinen Haustieren tun

Sollte dein Hund die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner-Raupe eingeschnüffelt haben, heißt es: Ab zur Tierärztin oder zum Tierarzt! Dann droht eine starke Reizung der Atemwege. Werden die Härchen mit dem Fell eingesammelt, kommt es zwar nicht direkt zu einer allergischen Reaktion. Aber sobald er sich ableckt, schwillt die Schleimhaut im Maul an - und die Verdauung leidet.

Bei Katzen sind die Symptome ähnlich. Pferde leiden noch stärker: Ihr Maul, die Nüstern und die Gliedmaßen schwellen stark an.

Die Tierärztin oder der Tierarzt können eine Infusion und gegebenenfalls Cortison geben. Zudem muss das Fell gründlich mit warmem Wasser gereinigt werden.

Frau geht mit Hunden Gassi in einem Gebiet mit Eichenprozessionsspinnern


Auch Hunde, Katzen oder Pferde können unten den Brennhärchen der Eichenprozessionsspinner-Raupe leiden.
© Imago Images/Sabeth Stickforth

Was tun bei einem Befall der Eichenprozessionsspinner-Raupen?

  • Auf keinen Fall sollte man versuchen die Tiere oder ihre Nester selbst zu entfernen. Informiere das örtliche Veterinär- oder Ordnungsamt, die Stadtverwaltung oder das Gesundheitsamt.

  • 🌊

    Durch Herumstochern im Nest oder einem Angriff mit Wasser können sich die Brennhaare verteilen.

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    Eine umweltverträgliche Bekämpfungsmethode gibt es bisher nicht. Daher muss immer abgewogen werden, wie gefährlich der Befall an einem bestimmten Ort ist - und wie schützenswert die Natur ist.

  • Oft werden Waldstücke, Parkanlagen, Freibäder oder Spielplätze gesperrt, bis die Tiere beseitigt wurden.

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    Dafür rücken Kammerjäger oder Baumpflegebetriebe in Ganzkörperanzügen und mit Insektiziden an. Meist werden die Nester mit einer Art Kleber eingekapselt und anschließend abgesaugt.

  • 😟

    Alternativ ließen sich die Raupen, so Umweltverbände, auch nur absaugen. Allerdings ist diese Methode aufwändiger. Und es besteht die Gefahr, dass sich Brennhaare verteilen, ehe das Nest komplett entfernt wurde.

Im Einsatz gegen den Eichenprozessionsspinner

Einsatz gegen Eichenprozessionsspinner

Ein Mitarbeiter einer Spezialfirma saugt die Raupen des Eichenprozessionsspinners mit einem Staubsauger ab. In den letzten Jahren haben es Waldarbeiter noch mit Abflämmen versucht.

Chemie kommt auch zum Einsatz, weil ...

... die Raupen des Eichenprozessionsspinners kaum natürliche Fressfeinde haben: eigentlich nur Schlupfwespen, Raupenfliegen und räuberische Käfer.

Immer wieder heißt es, dass der Kuckuck immun gegen das Gift ist und die behaarten Tiere frisst. Doch offenbar würgt er sie anschließend wieder heraus. So gut schmecken sie ihm wohl doch nicht.

Aktuell werden Meisen und Rotkehlchen auf Eichenprozessionsspinner angesetzt. Dafür werden an befallenen Bäumen Nistkästen angebracht, erzählt Förster Hanns-Karl Ganser. Bisher sei das aber nur ein Versuch.

Ab Ende Juni beginnen die Raupen sich zu entpuppen. Sobald der Nachtfalter geschlüpft ist, ist der (giftige) Spuk vorbei. Denn er hat keine Brennhaare und ist absolut ungefährlich.

Häufig gestellte Fragen zum Eichenprozessionsspinner

  • ⁉️

    Wie lange lebt der Eichenprozessionsspinner?

    Das Leben der Eichenprozessionsspinner-Falter dauert nur wenige Tage. Im Spätsommer paaren sie sich und legen ihre Eier. Die Larven schlüpfen im Frühjahr. Zunächst haben sie noch keine Gifthaare. Diese entwickeln sie erst im 3. von 6 Larven-Stadien. Doch diese bleiben auch noch nach ihrem Tod noch mehrere Jahre wirksam.

  • ⁉️

    Wann ist der Befall durch den Eichenprozessionsspinner vorbei?

    Gänzlich vorbei ist die Eichenprozessionsspinner-Saison nie. Die gefährlichste Zeit ist aber von Mitte Mai bis in den Herbst, denn dann verlieren die Raupen viele Härchen, die vom Wind verbreitet werden. Aber auch im Herbst und Winter besteht noch eine Gefahr, weil der Wind die restlichen Härchen oder die aus alten Nestern verteilt. Immerhin ist die Gefahr im Herbst und Winter reduziert: Wir tragen mehr Kleidung und halten und weniger im Freien auf.

  • ⁉️

    Was kann man gegen den Eichenprozessionsspinner tun?

    Treten die Raupen vom Eichenprozessionsspinner in deinem Garten auf, solltest du sofort alle Fenster und Türen schließen. Starken Ausschlag oder andere starke Symptome solltest du ärztlich untersuchen lassen. Versuche auf keinen Fall, die Eichenprozessionsspinner eigenverantwortlich zu bekämpfen oder die Nester zu beseitigen! Stattdessen rufst du am besten das Ordnungs- oder Grünflächenamt an.

Veröffentlicht: 12.06.2021 / Autor: Christian Aichner