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Aufforsten Bäume pflanzen als CO2 Kompensation

Aufforsten gegen CO2 - ist das die Rettung fürs Klima?

Nie war CO2-Kompensation schöner! Immer mehr Unternehmen werben mit Aufforstungs-Projekten für ihre Produkte. Aber retten neue Bäume wirklich das Klima? Kommt drauf an. Im Clip: Der Kiribaum als Klimaretter.
Aufforsten gegen CO2 - ist das die Rettung fürs Klima?
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Bäume sind Klimaschützer

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    Bäume nehmen rund 1/3 der jährlichen Treibhausgas-Emissionen auf. Deshalb nennt man sie auch "Klimastaubsauger".

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    Sie binden CO2 vor allem im Holz - also in Stamm und Ästen. Zudem geben Bäume bei der Fotosynthese Sauerstoff frei, können Umgebungstemperaturen senken und Niederschlagsmengen steigern.

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    Doch weltweit sind Wälder bedroht: Jede Minute schwindet etwa eine Fläche von 27 Fußballfeldern.

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    Die Waldzerstörung soll gestoppt werden, beschlossen rund 100 Länder bei der Klimakonferenz in Glasgow - bis zum Jahr 2030. Darunter auch Brasilien, dessen Regenwald als grüne Lunge der Erde gilt.

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    Das Vorhaben soll die Erderwärmung bremsen. Doch die Zeit tickt! Klimaschützer:innen kritisieren, dass 2030 ein zu spätes Zieldatum sei.

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    Baumpflanz-Projekte sind nicht per se gut fürs Klima. Werden dafür etwa Moore zerstört, sind sie sogar kontraproduktiv. Weiter unten erfährst du, wie nachhaltige Aufforstung funktioniert.

Kondome, die Bäume pflanzen

1 Kondom = 1 Baum - das verspricht die Releaf GmbH. Bennet Müllem aus Hamburg gründete das Unternehmen nach seinen Flitterwochen. Die Idee: Menschen mögen Sex - und sie wollen Klimaschutz. Das muss sich doch verbinden lassen. Gesagt, getan.

Okay, das ist wohl tatsächlich die schönste Art, Bäume zu pflanzen. Aber wie funktioniert das? Das Unternehmen hat einen Aufforstungspartner. Dieser erhält Geld - und pflanzt dafür die Bäume.

Pro Kondom kommen natürlich nur wenige Cent zusammen. Davon pflanzen Arbeiter:innen Mangroven etwa in Mosambik und Madagaskar. Mangroven-Setzlinge sind vergleichsweise günstig - und lassen sich ohne Werkzeug pflanzen.

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CO2-Kompensation kurz erklärt

  • Bei vielen Tätigkeiten im Alltag produzieren wir klimaschädliche Treibhausgase: etwa beim Autofahren, Fliegen und Shoppen.

  • Unternehmen und Privatpersonen können ihre Klimasünden freiwillig ausgleichen, indem sie Geld zahlen - das in Klimaschutzprojekte fließt. Diese sollen den entstandenen Schaden ausgleichen.

  • Dafür wird der CO2-Ausstoß umgerechnet. Ein Beispiel der Klimaschutzorganisation Atmosfair: Für einen Flug von Hamburg nach Palma de Mallorca mit 1.209 Kilogramm CO2, beträgt die Kompensation 28 Euro.

Vorsicht, nicht alle Projekte sind seriös

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    Klimaschutz ist im Trend. Das machen sich einige Unternehmen zunutze und werben mit ihrer ökologischen Produktion. Dahinter kann aber auch nur PR stecken. Der Begriff dafür ist Greenwashing.

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    Tipp: Seriöse Anbieter:innen von CO2-Kompensation erkennst du laut Umweltbundesamt an einer Zertifizierung durch The Gold Standard.

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Die Palmöl-Produktion bedroht unsere Regenwälder massiv. Die Lösung könnte diese Palme sein.

Laub-Mischwälder sind besser fürs Klima als Monokulturen

Die Forstwirtschaft beeinflusst stark das Kühlungsvermögen von Wäldern, belegt eine aktuelle  [Studie](https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/2688-8319.12087) der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Das Kronendach der Wälder müsse zu 80 Prozent geschlossen bleiben damit Wälder auch extremen Wetterlagen wie Dürren und Stürmen standhalten können. Sprich: Es dürften weniger Bäume gefällt werden, da sich sont der Wald aufheizt.

Außerdem maß das Forschungs-Team in reinen Kiefernwäldern eine um 9 Grad höhere Durchschnittstemperatur als in Buchenwäldern. Die Empfehlung: Waldbewirtschafter:innen sollten Kiefer-Monokulturen möglichst schnell in Laubmischwälder umstrukturieren.

Kiefern in Brandenburg


Eine lichte Monokultur mit Kiefern in Brandenburg.
© Pierre Ibisch

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10 goldene Regeln für nachhaltiges Aufforsten

Bäume pflanzen ist super - aber nur, wenn es auch richtig gemacht wird. "Wenn Menschen die falschen Bäume am falschen Platz pflanzen, können sie mehr Schaden als Nutzen anrichten", sagt Forscherin Dr. Kate Hardwick. Sie hat mit Kollegen und Kolleginnen von Royal Botanic Gardens Kew 10  goldene Regeln erarbeitet für Aufforstungs-Projekte:

  1. Zuerst sollte man bestehende Wälder schützen.
  2. Lokale Menschen sollten das Herz von Baumpflanz-Projekten bilden.
  3. Biodiversität fördern.
  4. Den richtigen Ort wählen.
  5. Den Wald sich selbst regenerieren und verjüngen lassen, wenn das möglich ist.
  6. Die richtigen Baumarten wählen für möglichst viel Biodiversität.
  7. Robuste Bäume wählen, die sich dem Klimawandel anpassen können. Exotische Arten vermeiden, die invasiv werden könnten.
  8. Vorausschauend planen – etwa die Infrastruktur und Beschaffung von Setzlingen.
  9. Learning by doing: Testprojekte starten und Wissenschaft mit dem Wissen der lokalen Bevölkerung kombinieren.

 

Das spricht gegen Aufforstung und CO2-Kompensation als Klimaschutz-Instrument

  • CO2-Kompensation vergleichen manche Kritiker:innen mit modernem Ablasshandel. Das Prinzip täusche Verbraucher:innen.

  • Es geht darum, unnötigen Konsum möglichst einzuschränken. Die Idee der CO2-Kompensation verführe aber zu mehr Konsum. Viel kaufen heißt ja, dass viele Bäume gepflanzt werden.

  • Ob die gepflanzten Bäume tatsächlich wachsen - und wie lange sie stehen, das weiß keiner genau. Der Effekt ist also ungewiss.

  • Aber: Bei der CO2-Kompensation sind nicht alle Umwelteinflüsse eingerechnet. Neben Treibhausgasen belastet beispielsweise auch hoher Wasserverbrauch bei der Produktion die Umwelt.

  • Der Schutz vorhandener Wälder hat oberste Priorität. Wer Waldflächen rodet und industriell nutzt, könne dies nicht durch neue Anpflanzungen ausgleichen. Alte Bäume haben oft viel höhere CO2-Speicherkapazitäten als junge Bäume.

  • Die Natur regeneriert und verjüngt sich von selbst. Pflanzen, die von allein nachwachsen, sind oft robuster und besser an den Standort angepasst.

Zu viel versprochen

Eine Studie der ETH Zürich zum Bäumepflanzen entfachte 2019 einen Wissenschafts-Streit. In dem Paper hieß es: Bäume seien die effektivsten Mittel zum Klimaschutz. Die Erde biete genug Platz, um etwa ein Drittel mehr Wälder zu schaffen. Die entsprechende Fläche entspräche etwa der Größe der USA.

Schon bald gab es Gegenwind von anderen Forscher:innen:

  • Auch Moore und Savannen binden Kohlenstoff. Bäume seien also nicht die alleinige Lösung.
  • Würde an ungeeigneten Standorten aufgeforstet, erhöhe sich sogar die Gefahr von Waldbränden.
  • Außerdem sei die potenziell aufforstbare Fläche überschätzt.
Veröffentlicht: 18.11.2021 / Autorin: Alena Brandt