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Yakuza Mitglieder, die ihren tätowierten Körper zeichen

Yakuza: Die letzten Geheimnisse der japanischen Mafia

Die Yakuza gehörten einst zu den mächtigsten kriminellen Organisationen weltweit. Geprägt von Ehre, Kodex und der Nähe zur Bevölkerung genossen sie lange ein Robin-Hood-Image. Die modernen Yakuza sind allerdings zum Scheitern verurteilt.
Yakuza: Die letzten Geheimnisse der japanischen Mafia
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Das Wichtigste zum Thema Yakuza

  • Yakuza ist ein Sammelbegriff für Mitglieder von 21 organisierten Verbrechersyndikaten, die von Japan aus agieren.

  • Der Begriff Ya-ku-za stammt aus dem japanischen und steht übersetzt für eine wertlose Zahlenkombination 8-9-3 in einem traditionellen, japanischen Kartenspiel.

  • Die Mitglieder betrachten sich daher stolz als die "Wertlosen der Gesellschaft". Außerdem bezeichnen sie sich als Ninkyō Dantai, was wörtlich übersetzt soviel wie ritterliche Organisation bedeutet.

  • Die Clans betreiben ihre Geschäfte meist in aller Öffentlichkeit und arbeiten von ganz normalen Büros aus.

  • Ehre ist für die Yakuza besonders wichtig. Wenn ein Mitglied die seines Clans befleckt, kann es passieren, dass er sich als Wiedergutmachung ein Glied seines Fingers abtrennen muss. Diese Selbstamputation ist ein Ritual, das einst von den Samurai übernommen wurde. Mehr dazu erfährst du unten.

Die Geschichte der Yakuza

Zwei Samurais kämpfen gegeneinander

Die Wurzeln der Yakuza liegen wahrscheinlich in der Edo-Periode (1603 bis 1868).

Damals herrschten Shōgune, die in etwa vergleichbar mit europäischen Herzogen sind. Während der Edo-Periode hatten die Tokugawa-Shōgune sehr viel Einfluss und waren die eigentlichen Machthaber Japans. Der Kaiser, in Japan Tennō gennant, hatte lediglich eine symbolische Macht inne.

Die Shōgun-Herrschaft endete erst nach einem langen Bürgerkrieg. In der anschließenden Friedenszeit, wurden die Samurai arbeitslos: Der Legende nach war das die Geburtsstunde der Yakuza.

Die Ursprünge der Yakuza

  • Samurais, die keinen Meister mehr hatten, wurden Rōnin genannt. Aus diesen spalteten sich zwei Gruppen ab: die Hatamoto und die Machi Yakko. Die Hatamoto schikanierten und terrorisierten die Bevölkerung. Die Machi Yakko waren ein Zusammenschluss von Rōnin, Bauarbeitern, Verkäufern und gewöhnlichen Stadtbewohnern, welche die Bevölkerung vor den Hatamoto schützten. Ihre Anhänger wurden als Helden gefeiert und verehrt.

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    Der Legende nach gehen die Yakuza aus der Machi Yakko Gruppe hervor. Einige Riten und Traditionen der heutigen Yakuza lassen sich tatsächlich auf sie zurückführen. Kritiker behaupten jedoch, dass die Hatamoto der wahre Ursprung der Yakuza sind.

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    Eine spätere Generation "ritterlicher Bürger" übernahm die Legenden und Traditionen der Machi Yakko und machte sie sich zu eigen. Die Tekiya, also die Straßenverkäufer und die Bakuto, die traditionellen Glücksspieler, werden gemeinhin als die nachgewiesenen Vorfahren der modernen Yakuza angesehen.

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    Die Tekiya waren Hausierer, die mit der Zeit ausgeklügelte Betrugstechniken entwickelten. Zu ihnen gehörten Japans alte Feuerwehrmänner, Arbeiterbanden, Sumoringer und Burakumin. Eine ausgestoßene Bevölkerungsgruppe, die keinen gesellschaftlichen Status im Feudalsystem hatte. Ihre Nachfahren werden zum Teil immer noch diskriminiert und schließen sich deshalb oft der modernen Yakuza an.

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    Die Bakuto waren illegale Glücksspieler. Eines ihrer Lieblingsspiele: Hanafuda. Aus dem Kartenspiel ist auch der Name Ya-ku-za entstanden. Laut dem Tokioter Kriminologen Hoshino stellt die Bakuto den Kern der organisierten Kriminalität dar. Bis heute kann man bestimmte Banden der Yakuza entweder als Teil der Tekiya oder der Bakuto zuordnen.

  • Hatamoto, Machi Yakko, Tekiya oder Bakuto: Wer die wahren Vorfahren der Yakuza sind kann bis heute nicht mit 100-prozentiger Sicherheit beantwortet werden.

Was hat Nintendo mit der Yakuza zu tun?

Was hat Nintendo mit der Yakuza zu tun?

Mario und die Pokémon sind zwei weltbekannte Produkte des japanischen Herstellers von Videospielen und Spielkonsolen Nintendo. Aber wusstest du, dass diese Firma einst auch mit illegalen Kartenspielen und der Mafia zu tun hatte?

Das Oyabun-Kobun-System

Grafik Hierarchie der Yakuza


Hierarchie der meisten Yakuza
© Galileo

Wie jede andere kriminelle Vereinigung hat auch die Yakuza eine Struktur. Ähnlich der italienischen Mafia steht ein Pate an der Spitze, nämlich eine Art Vater, der Oyabun. Seine untergebenen Söhne (Kobun) sind in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel der Buchhaltung, tätig.

Die Oyabun-Kobun-Beziehung ist gleichzusetzen mit einer Vater-Kind-Beziehung. Die Yakuza Clans sehen sich als Familie (Ikka). Das erkennt man auch an den Bezeichnungen einiger Mitglieder, wie zum Beispiel großer Bruder (Kyodai) oder kleiner Bruder (Shatei).

Ein neues Kind (Kobun) muss sich voll für die Yakuza-Familie aufopfern. Bei Kämpfen muss das neue Mitglied in der vordersten Reihe stehen und das eigene Leben riskieren. Für seinen Oyabun nimmt er jegliche Schuld auf sich und wenn es sein muss, geht er für ihn sogar ins Gefängnis.

Schon die alten Bakutos und Tekiyas haben als Zeichen der Blutsverbindung einen formellen Austausch mit Sake gefüllten Bechern durchgeführt

Bis heute wird diese Tradition in der Aufnahmezeremonie praktiziert. Die Zeremonie hat für die Mitglieder auch eine religiöse Bedeutung und wird vor einem Shinto-Schrein, eine religiöse Stätte der ethnischen Religion der Japaner, durchgeführt.

Ehre und Kodex

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    Erst nach einer harten Lehrzeit wird ein Neuling bei den Yakuza aufgenommen. Während der Zeremonie schwört er seinem Oyabun (Vater) Loyalität.

  • Nach der Zeremonie ist der Neuling nun offiziell ein Kobun (Kind). Er darf ab diesem Moment mit dem Wohlwollen (Ninjo) seines Oyabun rechnen. Im Gegensatz dazu verlangt dieser Gehorsam und Selbstaufopferung. Ab jetzt gelten für ihn die alten Samurai Prinzipien der Verpflichtung (Gin) und der Ritterlichkeit (Ninkyo).

  • 📜

    Wer sich nicht an die Regeln hält, wird nach den alten Bräuchen der Bakuto und Tekiye bestraft.

  • Bis heute gilt: Sobald ein Mitglied aus der Organisation verbannt wird, gibt es kein Zurück mehr. Gemäß Vereinbarung dürfen ihn die anderen Clans nicht aufnehmen und auch von der Gesellschaft wird er verstoßen. Früher war eine Verbannung gleichzusetzen mit dem Hungertod.

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    Macht ein Yakuza einen schwerwiegenden Fehler, zeigt er seine Reue gegenüber seinem Oyabun, indem er sich den eigenen Finger oder Teile davon abhackt. Angefangen wird mit dem kleinsten Finger der linken Hand. Bei jedem weiteren Versagen folgt ein weiterer Finger. Die Folge: Die Finger sorgen für einen festen Griff am Schwertheft. Fehlen diese kann sich der Yakuza nicht mehr gut selbst schützen und ist auf den Schutz seines Clans angewiesen. Diese Praxis der Selbstamputation wird im japanischen Yubitsume genannt.

Tätowierungen der Yakuza

In Japan sieht man die Tätowierungen der Yakuza so gut wie nie. Nur während dem Sanja-Matsuri Festival in Tokyo präsentieren die Mitglieder stolz ihre traditionellen Tattoos.

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Die moderne Yakuza

  • Die Yakuza hat nie das herrschende Regime in Frage gestellt. Nach dem 2. Weltkrieg und der Niederlage des Staates sorgten sie nach dem Chaos für Ordnung und genießen deshalb ein Robin-Hood-Image.
  • Bis dato sind Yakuza nicht illegal. Die Syndikate operieren offiziell in einer Grauzone. Die Yakuza sind zum Beispiel in der Immobilienwirtschaft tätig und organisieren die bekannten japanischen Straßenfeste.
  • Die Yakuza sehen sich als "Wächter der Ordnung". Ihr Einfluss reicht bis in die Politik. Viele rechtsextremistische Gruppierungen sind mit den Clans verbunden. Beispielsweise haben die Yakuza mit Erpressung, Korruption und Mord der konservativen Partei LDP dabei geholfen, ihre politischen Gegner zu schwächen. Dadurch konnte nie eine wirkliche Opposition gebildet werden.
  • Außerdem betreiben viele Banden im Untergrund illegale Prostitution, Geldwäsche und Drogenhandel.
  • Im Jahr 1992 wurde das Boutaihou-Gesetz erlassen, auch bekannt als "Anti-Yakuza-Gesetz". Yakuza Mitglieder werden seit dem von der Justiz sehr viel härter bestraft und verfolgt. Sie dürfen beispielsweise keine Kredite mehr aufnehmen oder Immobilien besitzen.
Polizeibeamte betreten das Yamaguchi-gumi-Hauptquartier, um eine Hausdurchsuchung durchzuführen.


Seit dem Boutaihou-Gesetz von 1992 kontrolliert die Polizei verstärkt Quartiere und Büros der Yakuza. Auf diesem Bild ist zu sehen, wie Polizeibeamte das Hauptquartier der Yamaguchi-gumi (größtes Yakuza-Syndikat) betreten, um eine Hausdurchsuchung durchzuführen.
© picture alliance/AP Images | Tetsuya Kikumasa

Das Ende der Yakuza

Die Yakuza weisen immer weniger Mitglieder auf. Grund hierfür ist neben dem Anti-Yakuza-Gesetz auch die wirtschaftliche Lage Japans. Im Allgemeinen ist Japan ein sehr sicheres Land. Viele Jugendliche entscheiden sich daher gegen die Kriminalität. Für die wenigen kriminellen Jugendlichen ist eine Ausbildung zum Yakuza meist viel zu anstrengend und sie schließen sich lieber anderen kriminellen Gruppierungen an.

Sterben die Yakuza bald aus?

Neben den oben genannten Gründen spielt der demographische Wandel auch eine sehr wichtige Rolle für den Rückgang der Mitgliederzahl. Etwa die Hälfte der Yakuza sind bereits älter als 50 Jahre.

Der Chef des Yakuza Syndikats Yamaguchi Gumi mit weiteren Yakuza Mitgliedern


Kenichi Shinoda ist der Chef des größten Yakuza Syndikats Yamaguchi-gumi und bereits 79 Jahre alt.
© IMAGO / Kyodo News

Viele Japaner befürchten, dass mit dem Rückgang der Yakuza andere kriminelle Gruppen entstehen, die intransparenter und daher schwerer zu bekämpfen sind.

 

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Veröffentlicht: 21.05.2021 / Autor: Sarra Chaouch-Simsek