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Warum du digitale Ordnung halten solltest - und wie das klappt

Unsere Wohnung räumen wir regelmäßig auf, klar. Und unseren Rechner? Warum es unser Leben leichter macht, wenn wir auch digital putzen.

Das Wichtigste zum Thema digitale Ordnung

  • An der Universität Bamberg arbeiten Forscher an einem Programm, das uns helfen soll, unseren Rechner aufzuräumen: Das Projekt heißt "Dare2Del" ("Wage es, zu löschen")

  • Es schlägt dir Dateien zum Löschen vor - mit Begründungen wie "Es gibt eine Datei-Kopie in einem anderen Ordner", "Das Programm ist eine veraltete Version" oder "Das Dokument hast du seit Jahren" nicht mehr geöffnet". Dann heißt es nur noch: Zustimmen - oder eben nicht.

  • Hinter dem System steckt eine Künstliche Intelligenz, die regelmäßig deinen Rechner checkt, die du aber auch trainieren kannst. Du willst die Fotos von deinem Geburtstag und deinen letzten Reisen niemals löschen - auch wenn du sie dir eigentlich nie anschaust. Sag's dem Programm, es merkt es sich.

  • Viele von uns sammeln Dateien und Fotos. Diese Datenmengen behindern uns bei der Suche nach Informationen, sie verzögern Entscheidungen und lenken uns von unseren eigentlichen Aufgaben ab, sagen die Forscher.

  • Man könnte sagen: Überflüssige Dateien beeinträchtigen unsere Leistung und auch unser Wohlbefinden. Und: Daten brauchen Speicherplatz und damit auch Strom. Das ist weder gut für die Umwelt noch für den Geldbeutel.

Was ist digitales Horten?

Es gibt auch im digitalen Leben Messies. Wissenschaftler haben 2015 den Fall eines 47-jährigen Niederländers beschrieben, der Digitalfotos hortete. Jeden Tag machte er mit seiner Digitalkamera bis zu 1.000 neue Bilder, die er alle speicherte.

Er konnte sich nicht überwinden, einzelne zu löschen, auch wenn sie sich alle ähnelten und er sie nie ansah. Er nutzte acht Festplatten und war jeden Tag mehrere Stunden damit beschäftigt, die Bilder zu organisieren und zu verwalten. Das hielt ihn von anderen Tätigkeiten ab. Die Ärzte beschrieben sein Verhalten als digitales Horten.

Digitalen Messies macht das Löschen von Daten Angst. Aber keine Sorge: Forscher haben auch festgestellt, dass bis zu 20.000 E-Mails im Posteingang völlig normal sind.

Experten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik geben Tipps zum digitalen Aufräumen.

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    Auf dem Laptop oder Computer sammeln sich alte und überflüssige Daten, Cookies oder Software. Das ist nicht nur ein unnötiger Datenballast, sondern kann auch ein Sicherheitsrisiko darstellen. Insbesondere wenn Software nicht mehr auf dem neuesten Stand ist.

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    Nutzer sollten zunächst ihre stationären Laufwerke nach Programmen, Apps und Dateien durchsuchen. Was nicht mehr gebraucht wird, bitte löschen! Es genügt übrigens nicht, alles nur in den Papierkorb zu schieben. Der muss auch gelöscht werden.

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    Wir empfehlen, im nächsten Schritt zu überprüfen, bei welchen Online-Diensten man Nutzerkonten angelegt hat - und ob man diese noch braucht. Wenn nicht, sollten sie gelöscht werden. Auch Cookies, Browser-Historien und ungenutzte Plugins sowie Add-ons sollten überprüft werden.

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    Wichtig ist es, Sicherheitsupdates zu installieren. Und zwar am besten möglichst bald nach deren Veröffentlichung. Meistens kann man dazu automatische Updates aktivieren.

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    Wichtig sind auch eine Firewall und ein aktuelles Antivirenprogramm. Und: Wer sich fürs Surfen im Netz ein separates Nutzerkonto ohne Administrationsrechte einrichtet, erhöht seine digitale Sicherheit!

Was bringt uns das Aufräumen?

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    Wenn wir aufräumen, schaffen wir wieder mehr Speicherplatz auf unserem Rechner.

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    Außerdem können wir mit dem regelmäßigen Löschen und Updaten auch Sicherheitsrisiken vermeiden.

  • 🕚

    Wir finden schneller die Informationen, die wir suchen.

  • Wenn unser Rechner aufgeräumt ist, lassen wir uns nicht mehr so leicht von unseren eigentlichen Aufgaben ablenken und arbeiten besser.

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    Und nicht zuletzt bewirkt ein aufgeräumter Rechner das gleiche wie eine aufgeräumte Wohnung: ein gutes Gefühl!

Kann ich durch Löschen auch Ressourcen schonen?

Jede E-Mail, die wir versenden oder die in unserem Posteingang liegt, wird auf Servern gespeichert. Und die brauchen Energie.

Je mehr wir digital horten, desto mehr Speicherplatz und Energie verbrauchen wir also. Mit jeder Mail, die wir löschen, können wir Strom und damit auch Geld sparen.

Wer regelmäßig seinen Posteingang nach nicht mehr benötigten Mails durchsucht und dabei vor allem auf solche mit großen Anhängen achtet, kann schon viel erreichen.

 

Die besten Ordnungsapps für unseren Alltag

  • 🛒

    Bring! ist ein digitaler Einkaufszettel. Mehrere Nutzer können Dinge auf den Einkaufszettel schreiben und sie davon entfernen, wenn sie beim Einkaufen waren. Eine ideale Einkaufsapp für WGs und Familien.

  • ✏️

    Notizen machen, To-Do-Listen schreiben, Fotos und Audiodateien hinzufügen und dann mit anderen Nutzern teilen. Das ermöglicht die App Evernote. Eine super Hilfe für den Arbeitsalltag.

  • 💶

    Die App Monefy hilft, den Überblick über seine Finanzen zu behalten. Sie zeigt übersichtlich, wofür wir unser Geld ausgeben. Natürlich nur, wenn wir jede einzelne Ausgabe in der App speichern.

  • 👨‍👩‍👧‍👦

    Besonders schick sieht die App Famanice nicht aus - aber sie bietet einen Familienkalender und man kann gemeinsame To-Do-Listen oder Einkaufslisten anlegen.

  • 🤯

    Den Geist ordnen und zur Ruhe kommen: Das geht mit der App Calm. Unter Anleitung können Nutzer meditieren. Die Entwickler versprechen auch einen erholsameren Schlaf.

Wie arbeite ich möglichst strukturiert?

Wer strukturierter arbeiten möchte, sollte sich überlegen, welche Daten, Fotos und Videos er wirklich benötigt und auf seinem Rechner oder Smartphone speichern möchte.

Und: Überlegen, welche E-Mail geschrieben werden muss - und welche man sich sparen kann.

Plus: Nicht alle Dateien auf dem Desktop speichern, sondern besser gleich in den richtigen Ordnern ablegen. Das macht den Rechner übersichtlicher - und er arbeitet schneller.

Übrigens: Wer auch im echten Leben einen aufgeräumten Schreibtisch hat, also von Ordnung umgeben ist, der arbeitet meist auch strukturierter und effizienter.

Seit es PC und Laptop gibt, braucht es ohnehin nicht mehr sooo viel auf dem Schreibtisch ...

Veröffentlicht: 20.01.2020 / Autor: Kathrin Aldenhoff