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Nach Trump-Dekret: TikTok bleibt vorerst in den App-Stores

TikTok wächst rasant - und ist auch in den USA sehr beliebt. Trump will die App dort verbieten, wenn nicht ein US-Konzern neuer Eigentümer wird. Kurz vor Ablauf der Frist zeichnet sich jetzt eine Einigung ab. Was sind die Sicherheitsbedenken gegenüber TikTok und wer macht den Deal?
Jetzt klagt TikTok gegen die US-Bundesregierung

Das Wichtigste zum Thema TikTok

  • Die chinesische App TikTok ist weltweit erfolgreich und macht Plattformen wie Facebook oder Instagram Konkurrenz. Schon länger sorgt sie für Streit zwischen USA und China.

  • US-Präsident Donald Trump hat Anfang August per Dekret ein Verbot von TikTok in den USA angekündigt.

  • Demnach müsse TikToks Mutterkonzern ByteDance innerhalb von 90 Tagen alle Daten von US-Nutzern löschen. Und: ByteDance dürfe in den USA kein Eigentum mehr besitzen, das für den Betrieb von TikTok genutzt werde.

  • Trumps offizielle Begründung: das nationale Sicherheits-Risiko durch den Missbrauch von personenbezogenen Daten, die TikTok an die chinesische Regierung weitergebe.

  • Eigentlich sollte Apple und Google TikTok ab Sonntag, dem 20. Septemer, aus ihren App-Stores in den USA verbannen.

  • Nun zeichnet sich im Streit um die App eine Einigung ab. US-Präsident Trump gab grünes Licht für die Übernahme durch die US-Unternehmen Oracle und Walmart. Was hat Trump eigentlich gegen die Plattform? Das erfährst du weiter unten.

So groß ist TikTok

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    Mehr als 100 Millionen Menschen in Europa und den USA nutzen TikTok regelmäßig.

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    Zum Vergleich: Facebook hat in den USA und Kanada rund 256 Millionen regelmäßige Nutzer.

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    Weltweit haben im Juli knapp 690 Millionen Menschen TikTok mindestens einmal im Monat genutzt.

Statt Microsoft jetzt Oracle: Wer macht den TikTok-Deal?

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    Wochenlang hat der US-Konzern Microsoft über einen Kauf des TikTok-Geschäfts in den USA verhandelt. Im Raum stand ein Angebot in Höhe von 50 Milliarden Dollar.

  • Wie der Windows-Riese selbst mitteilte, wurde das Angebot abgelehnt.

  • Der offizielle Grund für das Scheitern des Deals ist nicht bekannt.

  • Ein Grund könnten neue Vorgaben der chinesischen Regierung sein: Algorithmen, die in China programmiert werden, dürfen nämlich nur noch mit Erlaubnis der chinesischen Regierung exportiert werden. Das heißt, auch TikTok kann nur mit Pekings Erlaubnis verkauft werden.

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    Nun gab US-Präsident Trump grünes Licht für eine Übernahme durch den US-Softwarekonzern Oracle. Auch die Supermarkt-Kette Walmart sei am Deal beteiligt.

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    TikTok hat den geplanten Deal bestätigt und teilte mit, dass Oracle für das Hosting aller US-Nutzerdaten verantwortlich sei.

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    Laut US-Präsident Trump werde ein neues Unternehmen mit Sitz in Texas gegründet, das "nichts mehr mit China zu tun haben wird."

Was hat Trump eigentlich gegen TikTok?

Präsident Trump bezeichnet Tiktok als Sicherheits-Risiko mit der Begründung, dass chinesische Behörden an Daten von US-Nutzern kommen könnten.

Eine offizielle Erklärung der US-Regierung, wie genau die Video-Plattform die nationale Sicherheit gefährde, gibt es bisher nicht. Die Rede ist von einer möglichen Überwachung der User.

Die ist nicht das erste Mal, dass die USA im eigenen Land Druck auf chinesische Unternehmen machen. So musste Anfang 2020 die chinesische Firma Kunlun ihre Gay-Dating-App Grindr wegen Bedenken des "Komitees zu ausländischen Investitionen in den USA" verkaufen. Dabei hatte das Unternehmen die US-App erst 2019 übernommen. Auch damals sah man die nationale Sicherheit durch die Weitergabe von Nutzerdaten an die chinesische Regierung gefährdet.

Dass TikTok seine Daten an die chinesische Regierung weitergibt, konnte bisher nicht bewiesen werden. Experten vermuten hinter Trumps Vorgehen die Absicht, China wirtschaftlich zurückzudrängen.

Für Aufregung sorgte jedoch die neue Testversion des Apple-Betriebssystems iOS 14. Das informiert neuerdings iPhone-Besitzer, wenn eine App auf den Zwischenspeicher des Smartphones zugreift. Dabei zeigte sich, dass TikTok genau das bei Texteingaben regelmäßig tut.

So begründet TikTok den Zugriff auf den Zwischenspeicher

TikTok begründet das Auslesen der Daten mit der Bekämpfung von Spam-Verhalten.

Auch andere Apps wie AliExpress, Patreon und Google News lesen die Zwischenablage aus - und zwar jedes Mal, wenn ein Nutzer in die App wechselt. Auf TikTok allerdings passiert das mit einer deutlich höheren Frequenz: alle ein bis 3  Tastaturzeichen.

TikTok klagt gegen Verbot in den USA

TikTok verklagt Donald Trump

TikTok klagt gegen Verbot in den USA

Das Battle zwischen Donald Trump und TikTok geht in eine neue Runde. Der Social-Media-Dienst hat den US-Präsidenten verklagt. Den Grund dafür erklären wir im Video.

Argumente für die Klage

  • Der US-Präsident habe mit einem Erlass Vollmachten missbraucht und die Verfassung verletzt.
  • Konkret verstoße das Vorgehen gegen den 5. Zusatz zur US-Verfassung, wonach niemandem sein Eigentum ohne ein ordentliches rechtliches Verfahren entzogen werden dürfe.
  • Gegenargumente zu den Sicherheits-Vorwürfen seien nicht beachtet worden. So würden die ohnehin verschlüsselten Daten der US-Nutzer in den Vereinigten Staaten gespeichert und verarbeitet.
  • Die Verordnung sei ohne einen Beweis erlassen worden, der ein Verbot rechtfertigen würde.
  • Top-Manager wie der Chef Kevin Mayer seien US-Amerikaner.
  • Durch TikTok sollen in den USA 10.000 Jobs entstehen.
  • Viele der führenden Konzerne des Landes sind auf TikTok aktiv und sollen dort mit ihren Kunden kommunizieren.

TikTok fühle sich verpflichtet, die Plattform, Nutzer und Mitarbeiter zu schützen, heißt es in der Mitteilung. Es gebe daher keine Alternative zur Klage. Die Betreiber werfen der Trump-Regierung außerdem vor, den Streit über die App zu politisieren.

Kann Trump TikTok überhaupt verbieten?

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    Trump könnte mit dem "International Emergency Economic Powers Act" wegen der chinesischen App einen "nationalen Notfall" ausrufen und sie so verbieten lassen.

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    Außerdem kann er sich auf den präsidialen Erlass 13873 vom Mai 2019 stützen. Den hatte er gegen den chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei erwirkt.

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    Dieser Schritt würde es US-Unternehmen wie Google und Apple verbieten, TikTok in ihren App-Stores anzubieten.

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    Wer TikTok bereits vorher installiert hat, könnte die App zwar weiterhin nutzen, jedoch keine Updates mehr erhalten. Damit würde TikTok nicht nur veralten, sondern könnte auch mögliche Sicherheitslücken nicht mehr schließen.

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    Kann die US-Regierung Google und Apple dazu zwingen, bereits heruntergeladene TikTok-Versionen auf den Handys unbenutzbar zu machen? Wohl kaum. Die Konzerne könnten sich gegen solch eine Entscheidung wehren, da solch ein direkter Eingriff in die Handys von Kunden das Vertrauensverhältnis zu ihnen zerstören würde.

Trump hat wohl noch eine offene Rechnung mit TikTok zu begleichen. Nutzer der Plattform hatten im Juni eine Wahlkampfveranstaltung des US-Präsidenten in Tulsa, Oklahoma erfolgreich boykottiert, indem sie Eintrittskarten reservierten, ohne sie zu nutzen.

TikTok und Datenschutz: Diese Daten sammelt die App

Ein Vergleich der Analysen von Experten und Sicherheits-Forschern zeigt: Es gibt zwar keine Indizien dafür, dass TikTok gesammelte Daten missbraucht. Allerdings informiert die App ihre Nutzer auch nicht über das Ausmaß, in dem ihre Daten erhoben und gespeichert werden.

Diese Daten sammelt TikTok

Hättest du's gewusst? Aus der Datenschutz-Erklärung der Plattform geht hervor, dass die App diese Daten sammelt:

  • Standort
  • IMEI-Nummer deines Smartphones
  • Bildschirmauflösung
  • SIM-Provider
  • Mobilfunkdaten
  • WLAN- und SSID-Informationen

Phänomen TikTok: Wie man mit der App zum Superstar wird

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Tik Tok gilt derzeit als das größte Phänomen im Netz. Wie der Tik Tok-Kosmos funktioniert und warum die App so unglaublich erfolgreich ist, haben wir eine Tik Tok-WG in Los Angeles gefragt.

Die USA wären nicht das erste Land, das TikTok blockiert

Im Juni beschloss die indische Regierung insgesamt 59 chinesische Smartphone-Anwendungen aus ihrem Land zu verbannen - darunter auch TikTok. Die Behörden begründeten ihre Entscheidung mit mehreren Berichten, nach denen die App Nutzerdaten missbrauche, indem diese auf Server außerhalb des Landes übertragen würden.

Als möglicher Grund für die zahlreichen Sperrungen wird jedoch das angespannte Verhältnis von Indien und China gesehen, das zuletzt in einer militärischen Auseinandersetzung im Grenzgebiet im Himalaja mündete. Hierbei starben mindestens 20 indische Soldaten.

TikTok in der Kritik: Das sind die Vorwürfe

  • Laut Recherchen des Online-Portals "Netzpoltik.org" schränkte die Videoplattform bis September 2019 die Sichtbarkeit von Videos ein, die Menschen mit Behinderungen zeigten. Diese Vorgehen wurde von vielen Kritikern als ausgrenzend betrachtet. TikTok argumentierte hingegen, dass man so bestimmte Menschen vor Cyber-Mobbing schützen wolle.
  • Weitere Kritik hagelte es, als der "Guardian" im September Moderations-Regeln der App veröffentlichte. Die offenbarten, dass "revolutionäre" oder "kontroverse" Inhalte, wie etwa Videos über die Proteste in Hongkong, zu zensieren seien. TikTok erklärte daraufhin, dass es sich bei den Anweisungen um alte und längst nicht mehr gültige Richtlinien handle.
  • Für eine weitere Kontroverse sorgte das Löschen eines vermeintlichen Schmink-Tutorials auf TikTok. In dem Video tut die junge Frau Feroza Aziz zunächst so, als gäbe sie ein paar Tipps für längere Wimpern. Anschließend geht sie jedoch zu einem politischen Statement über, bei dem sie das systematische Vorgehen der chinesischen Regierung gegen die Uiguren, einer muslimischen Minderheit im Land, kritisiert.

Konkurrenz für TikTok: Das versuchen andere Social Media-Plattformen

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    Seit Juni testet Instagram sein neues Feature "Reels" in einigen Ländern. Das Videoformat bietet wie TikTok die Möglichkeit, kurze Clips mit Musik und Spezial-Effekten zu unterlegen.

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    Und auch Snapchat springt nun auf den Zug auf und lässt zumindest seine englischsprachigen User bald Songs unter ihre Videos legen. Der Unterschied zu TikTok: Es wird keinen Feed extra für Videos in konkreten Musikkontexten geben. Stattdessen erhalten User bei einem Swipe-Up Infos zu Songtitel, Interpreten und einen Link zum Anhören. Ob das Feature auch nach Deutschland kommt, ist bislang noch unklar.

Veröffentlicht: 20.09.2020 / Autor: André Marston Alvarez