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Wie Online-Aktivisten die Welt verändern: Upskirting steht jetzt unter Strafe

Das neue Gesetz gegen Upskirting und der Wahlkampf-Auftakt von Donald Trump haben gezeigt: Online-Aktivismus funktioniert. Wir zeigen dir erfolgreiche Beispiele und wie du dich selbst engagieren kannst.
Hanna Seidel und Ida Marie Sassenberg starteten die erfolgreiche Petition "Verbietet Upskirting".

Das Wichtigste zum Thema Online-Aktivismus

  • Der Bundestag verabschiedet ein Gesetz gegen Upskirting - und Donald Trumps tritt vor einer halbleeren Arena auf.

  • 2 Beispiele für erfolgreichen Online-Aktivismus, der vor allem zur Corona-Zeit immer wichtiger wird. Aber schon davor ließen sich Online- und Offline-Welt bei Protesten kaum mehr trennen.

  • Trotzdem hat das politische Engagement im Netz bei manchen einen schlechten Ruf: zu bequem und selten erfolgreich, so die Vorwürfe.

  • Wir zeigen dir, wie Online-Aktivisten die Welt verändert haben - und was du als Netz-Aktivist beachten solltest.

2 Jahre Freiheitsstrafe für Upskirting: Wie aus einer Online-Petition ein Gesetz wurde

Kaum zu glauben: Bisher war das ungebetene Unter-den-Rock-Fotografieren bei Frauen keine Straftat, sondern meist lediglich eine Ordnungswidrigkeit. Nun hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das die Spanner-Fotos unter Strafe stellt. Mit bis zu 2 Jahren Freiheitsstrafe ist zu rechnen.

Den Anstoß für das neue Gesetz gaben Ida Marie Sassenberg und Hanna Seidel. Sie starteten Anfang 2019 die Online-Petition "Verbietet Upskirting in Deutschland!".  Mehr als 100.000 Unterschriften später haben sie ihr Ziel erreicht.

Hanna Seidel und Ida Marie Sassenberg starteten die erfolgreiche Petition "Verbietet Upskirting".


Hanna Seidel und Ida Marie Sassenberg starteten die erfolgreiche Petition "Verbietet Upskirting".
© picture alliance / Linda Vogt / dpa

Bringt nichts? 6 weitere Beispiele für erfolgreichen Online-Aktivismus

Slacktivismus: Kony 2012 und warum Online-Protest nicht immer ernst genommen wird

Das vielleicht bekannteste Beispiel für Slacktivismus, auch Sofa-Aktivismus genannt: "Kony 2012". Die Hilfsorganisation "Invisible Children" veröffentlichte eine Dokumentation über die Verbrechen des ugandischen Rebellenführers Joseph Kony. Das Ziel: seine Verhaftung.

Millionen Menschen sahen und teilten das Video. Heute hat das YouTube-Video mehr als 102 Millionen Clicks. Aber: Als die Doku seine Verhaftung in Uganda forderte, war Kony schon seit 6 Jahren nicht mehr in dem Land.

Das macht Konys Verbrechen nicht weniger schlimm, veranschaulicht aber die Kritik am Slacktivismus: Manche Aktivisten verbreiten Beiträge, ohne sich in die oft komplizierten Themen einzuarbeiten. Außerdem verpufft solches Engagement sehr schnell - und hat letztlich nichts verändert.

Online-Aktivismus: Ist dieser Aufruf verantwortlich für Trumps Wahlkampf-Blamage?

Warum Donald Trump vor einer halbleeren Arena auftrat, obwohl 1 Million Tickets angefragt waren

In den Tagen vor seinem Wahlkampf-Auftritt in Tulsa, Oklahoma, verkündete Donald Trump stolz: 1 Million Ticket-Anfragen seien eingegangen. Ganz so überwältigend war das Interesse vor Ort dann aber doch nicht:

Die Arena in Tulsa fasst 20.000 Besucher. Zu Trumps Auftritt kamen deutlich weniger.


Die Arena in Tulsa fasst 20.000 Besucher. Zu Donald Trumps Auftritt kamen deutlich weniger.
© picture alliance / newscom / Kyle Rivas

 

Der Grund: Vor allem über TikTok vernetzten sich Teenager und reservierten Tickets, die sie nie einlösen wollten. Besonders Anhänger von koreanischer Popmusik waren dabei wohl aktiv.

Nicht zum ersten Mal, dass sich die K-Pop-Szene politisch engagiert. Sie überflutete schon den Hashtag #WhiteLivesMatter mit K-Pop-Videos. Damit wurde er für rechte Aktivisten unbrauchbar, die darunter auf eine angebliche Diskriminierung der weißen Bevölkerung hinweisen wollten.

Worauf du beim Online-Aktivismus achten musst und was ihn erfolgreich macht

  • 👨‍⚖️

    Halte dich an die Gesetze: Wie auf der Straße gelten auch im Netz Regeln und Gesetze, die du einhalten musst.

  • 💡

    Werde zum Experten: Informiere dich zuerst und greife dabei auf möglichst viele glaubwürdige Quellen zurück.

  • ✍🏽

    Veranschauliche dein Anliegen: Erkläre den Leuten mittels eines konkreten Falls, warum sie es unterstützen sollen.

  • 💬

    Wird dein Anliegen gerade in der Gesellschaft diskutiert? Dann nehme diese Debatte als "Aufhänger" für dein Engagement.

  • Formuliere eine klare und umsetzbare Forderung: "Nein zu Rassismus!" verstehen mehr Menschen als "Nein zu rassistischen Strukturen in den alltagsrelevanten Lebensrealitäten für Mitglieder der PoC-Community!".

  • 😂

    Trumps Blamage in Tulsa hat es gezeigt: Kreative und lustige Aktionen haben in der Regel mehr Erfolg.

  • Geh raus aus dem Netz: Oft nehmen Bewegungen richtig Fahrt auf, wenn sie vom Netz auf die Straße gelangen. BlackLivesMatter macht das vor.

Links für dein politisches Engagement

Engagement ja, aber wo?

Der Help-O-Mat gibt dir nach einigen Fragen einen Tipp, welche Hilfsorganisation zu dir passt.

✊🏾 Black Lives Matter: Organisationen gegen Rassismus

Eine Liste von Organisationen, die sich gegen Rassismus einsetzen und die du mit Spenden unterstützen kannst, findest du hier.

🌎 Umwelt- und Naturschutz: diese Organisationen gibt es

Das Umweltbundesamt hat alle anerkannten Umwelt- und Naturschutzorganisationen hier zusammengeschrieben.

Für Unterschriften-Sammler

Petitionen kannst du unter anderem hier starten oder direkt an den Bundestag richten.

Veröffentlicht: 03.07.2020 / Autor: Johannes Korsche