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Olympische Winterspiele Pyeongchang

Olympia-Boykott 2022 - Protest für die Menschenrechte

Die USA riefen als Erste einen diplomatischen Boykott der Winterspiele 2022 in Peking aus. Wir erklären dir, was ein Fernbleiben von Politikerinnen und Politikern bringen soll und wieso Deutschland zögerte.
Olympische Winterspiele Pyeongchang

Das Wichtigste zum Thema Olympia-Boykotte

  • Vom 4. bis zum 20. Februar finden die Olympischen Winterspiele in Peking statt. Die USA verkündeten im Dezember, dass sie die Spiele diplomatisch boykottieren.

  • Die Vereinigten Staaten senden somit keine politischen Vertreterinnen oder Vertreter nach China. Athletinnen und Athleten dürfen teilnehmen. Australien, Kanada, Japan und andere Staaten folgten dem Beispiel der USA.

  • Grund sind die Verletzungen von Menschenrechten, vor allem "der Völkermord in der Region Xinjiang", an der Minderheit der Uiguren. Die Fotostrecke erklärt dir die Hintergründe dazu. Unten kannst du abstimmen, ob auch du für einen Boykott bist.

  • Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und andere wollen die Spiele ebenfalls nicht besuchen. Doch die Regierung zögert, einen offiziellen Boykott auszurufen. Willst du wissen warum? Lies weiter.

  • Außerdem erklären wir, welche Spiele in der Geschichte noch boykottiert wurden. Bisher war der Boykott ein Demonstrationsmittel bei Sommerspielen.

Stimme jetzt mit ab!

Deutschlands Zögern beim Boykott

Bundeskanzler Olaf Scholz zögerte im Dezember sich dem Boykott der USA offiziell anzuschließen, da die EU ein gemeinsames Vorgehen plant. Diese Entscheidung blieb bisher jedoch aus. Der Respekt vor Chinas Regierung scheint zu groß, um diese zu verärgern. Die Sportlerinnen und Sportler der Staaten dürfen teilnehmen, denn sie haben Jahre lang trainiert. US-Präsident Joe Biden ließ verkünden, sie sollten nicht für Chinas Verhalten bestraft werden.

Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verkündete rasch, dass auch er nicht fahren werde, Außenministerin Annalena Baerbock zog erst Ende Dezember nach. Als Boykott deklarierte sie ihre Entscheidung aber nicht, sondern bezeichnete sie als persönlich. Sie verwies auch darauf, dass ein Besuch der Spiele für Außenminister noch nie üblich war. Üblich wäre der aber für die Innenministerin, die auch für Sport zuständig ist. Nancy Faeser sagte aber ebenfalls ab, ohne das Wort Boykott in den Mund zu nehmen. Sie habe es für sich selbst entschieden, schon aus Pandemiegründen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) kommentierte den diplomatischen Boykott als Sache der Politik, verhält sich "neutral". Auch der Deutsche Olympische Sportbund will sich in den politischen Boykott nicht einmischen.

Ein diplomatischer Boykott dient als Positionierung, dass ein Land sich nicht mit den Machenschaften eines anderen einverstanden zeigt. Viele Politikerinnen und Politiker wollen auch vermeiden, dass Fotos und Filme mit ihnen und chinesischen Machthabern zu sehen sind, die diese zur Propaganda nutzen, und die als Zustimmung ausgelegt werden könnten.

Chinas Verletzungen der Menschenrechte

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Woher stammt der Begriff Boykott?

Der Duden definiert Boykott als eine politische, wirtschaftliche oder soziale Ächtung. Und diese widerfuhr dem britischen Hauptmann und Gutsverwalter Charles Boycott im 19. Jahrhundert. Allerdings war er selbst schuld. Boycott behandelte seine Arbeiter und Arbeiterinnen, Pächterinnen und Pächter sehr schlecht.

Daraufhin liefen ihm die Leute weg, niemand wollte mehr für ihn arbeiten. Niemand kaufte mehr bei ihm, persönliche Beziehungen wurden abgebrochen, selbst die Eisenbahn soll sich geweigert haben, seine Güter zu transportieren. Auch die Post stellte ihm keine Briefe mehr zu. Diese Ächtung nahm solche Ausmaße an, dass sie in den Zeitungen stand. Sein Nachname wurde so zum Synonym für die Aktion.

Zeichen und verpasste Chancen - Die Geschichte des Boykotts bei Olympia

Olympische Spiele 1936

© picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Berlin 1936: Das Nazi-Regime nutze sie für seine Propaganda. Es ließ deutsche Sportlerinnen und Sportler jüdischen Glaubens zwar zu, doch die Teilnahme an Wettbewerben und Trainingsmöglichkeiten war ihnen versagt gewesen. Sie "scheiterten an der Qualifikation". Die Nazis wollten keine Sinti und Roma in der Stadt, also sperrten sie diese ein. Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde nur wenige Kilometer entfernt errichtet. Ein internationaler Boykott wurde im Vorfeld erwogen, allerdings ausgerechnet von den USA blockiert und somit verworfen. Nur Spanien blieb fern.

🇦🇺 Melbourne 1956: Australien wurde zu einem Schmelztiegel der Boykotte. Verschiedene Länder blieben aus unterschiedlichen Gründen fern. Ägypten, der Irak und Libanon boykottierten die Spiele wegen der Suezkrise, in der sich Australien mit Frankreich solidarisierte. Die Niederlande, Spanien und die Schweiz fehlten wegen des Einmarschs der Sowjetunion in Ungarn. China protestierte gegen die Anerkennung Taiwans durch das IOC.

🇨🇦 Montreal 1976: Wegen der Apartheidspolitik herrschte bereits ein Sport-Boykott gegen Südafrika. Neuseelands Rugby-Team hatte dies im Vorfeld gebrochen und gegen die Südafrikaner gespielt. Deshalb forderten einige Staaten, Neuseeland von den Spielen auszuschließen. Da das IOC dies ablehnte, boykottierten 24 afrikanische Staaten die Spiele.

🇷🇺 Moskau 1980: Als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte, nahmen die USA dies zum Anlass, die Spiele in der UDSSR zu boykottieren. 63 Länder aus dem Westen schlossen sich an, darunter Großbritannien, Kanada und Deutschland. Afghanistan selbst hat an den Spielen teilgenommen.

🇺🇸 Los Angeles 1984: Jetzt setzen die UDSSR und 16 Staaten des sogenannten Ostblocks zum Gegenboykott an. 4 Jahre nach dem Boykott in Moskau bleiben sie den Spielen beim "Klassenfeind" fern. Als einziges Land des Warschauer Paktes nimmt Rumänien teil. Als Grund für die Aktion gab die UDSSR Sicherheitsbedenken an.

🇰🇷 Seoul 1988: Als die Kandidatur Südkoreas erfolgreich war, wollte Nordkorea einen Teil der Wettbewerbe veranstalten. Das IOC und Südkorea verhandelten mit dem Norden, gab dessen Willen aber nicht in allen Punkten nach. Nordkorea rief einen Boykott aus. Kuba, Nicaragua, Äthiopien, Albanien, die Seychellen und Madagaskar schlossen sich an. Wobei die letzten 3 es nicht als Boykott deklarierten.

🇨🇳 Peking 2008: Schon einmal riefen Menschenrechtsorganisationen zum Boykott gegen China auf. Im Vorfeld der Sommerspiele 2008 verhaftete das Regime Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten. Ethnische Minderheiten wurden weiterhin verfolgt. Journalistinnen und Journalisten erhielten zensierten Internetzugang, durften sich nicht frei bewegen. Trotz der Aufrufe findet kein Boykott der  Spiele statt.

Veröffentlicht: 14.01.2022 / Autor: Sven Hasselberg