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Öl-Bohrung

Öl-Embargo gegen Russland: Kommt es und welche Folgen sind zu erwarten?

Die EU-Kommission will ein Erdöl-Embargo gegen Russland verhängen. Deutschland war lange dagegen, unterstützt jetzt aber ein Einfuhr-Verbot. Wie kam es zu dem Kurswechsel und mit welchen Folgen müssten wir rechnen? Im Clip: Geht's auch ohne Erdöl?
Öl-Embargo gegen Russland: Kommt es und welche Folgen sind zu erwarten?
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Das Wichtigste zum Thema Öl-Embargo gegen Russland

  • Die Europäische Union legte am 4. Mai einen Vorschlag für ein sechstes Sanktionspaket gegen Russland vor. Enthalten ist ein europaweites Embargo gegen russisches Erdöl. Grund dafür ist der Krieg Russlands gegen die Ukraine.

  • Die ukrainische Regierung hatte die EU-Länder seit dem Beginn der Invasion immer wieder aufgefordert, den Import von russischem Gas, Kohle und Öl zu sanktionieren. Deutschland unterstützt nun nach langem Zögern ein mögliches europäisches Öl-Embargo. Die Bundesregierung hat ihre Abhängigkeit von russischen Öl-Lieferanten nach eigenen Angaben zuletzt stark verringern können.

  • Dennoch ist nicht klar, wie schwer ein Embargo die deutsche Wirtschaft sowie die Bevölkerung treffen wird. Laut Bundeswirtschaftsminister Habeck müsse mit starken Preisanstiegen und möglichen Lieferengpässen gerechnet werden. Vor allem ostdeutsche Bundesländer waren bislang von russischen Pipelines abhängig.

  • Ein schnelles und hartes Öl-Embargo könnte der russischen Wirtschaft auf langfristige Sicht empfindlich schaden.

Erdöl-Embargo gegen Russland: die Hintergründe zur Debatte

Seit dem Beginn des russischen Angriffes auf die Ukraine diskutieren die EU-Länder über ein gemeinsames Embargo gegen Erdöl aus Russlands. Deutschland, das bislang gut ein Drittel (35 Prozent) seines Erdöl-Bestandes aus dem osteuropäischen Staat importierte, sprach sich lange dagegen aus.

Nun unterstützt die Bundesregierung einen neuen Vorschlag der EU-Kommission zum Öl-Embargo. Der Plan: Nach einer Übergangsphase von sechs Monaten soll ein Einfuhrverbot für Rohöl gelten. Nach weiteren zwei Monaten soll das Embargo auf Erdöl-Produkte ausgeweitet werden.

Die 27 EU-Mitgliedstaaten müssen die Maßnahmen geschlossen annehmen damit das Embargo in Kraft tritt.

Selenskyj vor EU-Parlament


Seit Monaten fordert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von der EU unter anderem ein Erdöl-Embargo gegen Russland. Dieses wird immer wahrscheinlicher.
© picture alliance / AA | Dursun Aydemir

 

Warum befürwortet Deutschland jetzt ein Öl-Embargo?

Anfang Mai gab der deutsche Vizekanzler und Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck bekannt, dass ein Erdöl-Embargo für Deutschland "handhabbar" geworden sei. An ein Einfuhrverbot für russisches Erdgas sei aber noch nicht zu denken.

Der Grund für die deutsche Kurswende könnten Erfolge bei der Suche nach alternativen Öl-Lieferanten sein. So habe das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) zusammen mit der Mineralöl-Wirtschaft in den vergangenen Wochen begonnen, die Lieferabkommen mit Russland zu beenden. Alte Verträge seien nicht verlängert und neue geschlossen worden. Woher das Öl in Zukunft kommen soll, hat die Regierung noch nicht bekanntgegeben.

Laut Minister Habeck beschränkt sich die Abhängigkeit der Bundesrepublik von russischem Rohöl auf nunmehr zwölf Prozent. Bis zum Spätsommer will man ganz auf den Öl-Import aus Russland verzichten können.

 

Wie sicher kommt das Embargo?

Die Tatsache, dass mit Deutschland eine der größten Wirtschaftsmächte das Öl-Embargo unterstützt, macht einen Beschluss wahrscheinlicher.

Einige EU-Staaten haben aber noch Bedenken. Insbesondere Ungarn, dessen Öl zum Großteil aus Russland stammt, droht an, sein Veto einzulegen. Auch Tschechien, Bulgarien und die Slowakei kritisieren den Vorschlag der EU-Kommission. Die vier Länder fordern Sonderregelungen in Form einer Übergangsphase von mehreren Jahren.

Robert Habeck


Die deutsche Regierung, allen voran Bundeswirtschaftsminister Habeck, unterstützt ein Öl-Embargo gegen Russland.
© Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Hier liegen die weltweit größten Erdöl-Reserven

Weltweite Erdöl-Reserven

Mögliche Folgen eines Öl-Embargos für deinen Alltag

Ein Erdöl-Embargo gegen Russland hätte laut Robert Habeck Folgen für Deutschland: Zwar sei die Energieversorgung sichergestellt, doch Verbraucher:innen und Unternehmen "werden weiter mit höheren Preisen rechnen müssen", so der Minister.

Sowohl die Preise für Alltagsprodukte als auch die Kraftstoff- und Energiekosten könnten steigen. Erdöl steckt in vielen Gegenständen deines Alltags, wie Plastik, Kosmetik, Kleidung etc. Wann und wie stark sich die Güter verteuern, ist aktuell kaum abzuschätzen. Das Embargo wird sich auch auf nationale und auf internationale Handelsketten auswirken.

Die Nachfrage nach russischem Rohöl ist seit Kriegsbeginn stark gesunken. Somit ist der Rohstoff aus Russland gerade recht billig. Kaufen wir Öl aus anderen Ländern ein, steigt mit der Nachfrage in der Regel auch der Preis. Mögliche Folgen: Lieferengpässe und höhere Preise für Rohöl und Erdöl-Produkte.

Ein Mann fotografiert den Öltanker «Filippa», der unter venezolanischer Flagge vor der Küste vor Anker liegt.


Venezuela verfügt nach derzeitigen Erkenntnissen über die größten Ölreserven der Welt. Wegen Sanktionen, Missmanagement und Korruption war die Fördermenge des Landes zuletzt stark gesunken. Bei einem Öl-Embargo gegen Russland könnte dieser venezolanische Öltanker bald Kurs auf neue Import-Länder nehmen.
© picture alliance/dpa | Stringer

Brennpunkt Ostdeutschland

Insbesondere ostdeutsche Regionen waren bisher von russischem Öl abhängig. Sie könnten bei einem Embargo von stark erhöhten Preisen oder gar von einem Energie- und Sprit-Notstand betroffen sein.

Aktuell versorgt die Raffinerie PCK in Schwedt Berlin und Brandenburg zu 90 Prozent mit Benzin, Kerosin, Diesel und Heizöl - neun von zehn Autos fahren also mit PCK-Kraftstoff. Das Werk gehört mehrheitlich dem russische Staatskonzern Rosneft. Es bezieht sein Erdöl deshalb ausnahmslos über die Druschba-Pipeline aus Russland und hat kein Interessen daran, ein Embargo mitzutragen. Die Bundesregierung erwägt als letztes Mittel eine Enteignung, um den Standort zu erhalten und dort eine "zukunftsfähige Industrie" aufzubauen.

Die Raffinerie Leuna des französischen Mineralölunternehmens TotalEnergies in Sachsen-Anhalt hängt ebenfalls am Druschba-Netzwerk. Sie beliefert rund 1.300 Tankstellen im eigenen Bundesland, in Sachsen und Thüringen. Anders als PCK will sie russisches Öl bis zum Jahresende ersetzen. Auch Bezieher in Westdeutschland haben sich laut Habeck bereits neue Lieferanten gesucht.


"Druschba" bedeutet zu Deutsch "Freundschaft". Die Pipeline verbindet russische Ölfelder mit Raffinerien in Ost- und Mitteleuropa. Ihre Transportkapazität wird auf 2,5 Millionen Barrel pro Tag geschätzt.
© picture-alliance/ dpa | Tass

Wie hart würde das Embargo Russland treffen?

Russland baute bisher stark auf Einnahmen aus dem Ölgeschäft: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes exportierte das Land unter Präsident Wladimir Putin 2021 gut 230 Millionen Tonnen Rohöl sowie 144 Millionen Tonnen Erdöl-Produkte im Wert von rund 171 Milliarden Euro. Die Hälfte ging nach Europa.

Seit Beginn des Ukraine-Krieges ist die Nachfrage an russischem Öl auch ohne ein Embargo gesunken. Wie Deutschland suchen sich viele andere Staaten neue Lieferanten. An manchen Häfen dürfen russische Tanker gar nicht mehr anlegen oder werden nicht entladen.

Russland ringt deshalb um Abnehmer in Asien, insbesondere Indien und China. Allerdings fehlt die nötige Infrastruktur, um den Bedarf der Länder ausreichend zu decken. Ein Öl-Embargo könnte die russische Wirtschaft daher empfindlich treffen.

Putin dreht Ölhahn auf


2010 drehte Putin eigenhändig den Öl-Hahn nach China auf. Weil Russland immer mehr europäische Abnehmer wegfallen, will es am asiatischen Markt aktiver werden.
© picture alliance / dpa | Alexey Druzhinyn

Die Folgen des Embargos würde Russland nicht sofort merken. Noch besitzt das Land Reserven und profitiert von den aktuell hohen Ölpreisen. Folgen für den Staatshaushalt oder finanzielle Schwierigkeiten in der russischen Öl-Branche würden wohl erst im Herbst auftreten.

Was passiert, wenn es kein Erdöl mehr geben würde?

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Eine Welt ohne Erdöl? Kaum vorstellbar. Doch was würde passieren, wenn sich dieses Szenario in der Zukunft wirklich abspielt? Käme es zur Katastrophe oder erlebt die Welt einen Klima-Traum?

Veröffentlicht: 05.05.2022 / Autorin: Laura Geigenberger