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Nebenbei jobben zum Beispiel als Kurier

Nebenjob: Was erlaubt ist - und was sich lohnt

Bis nachmittags im Büro arbeiten und danach noch Geld verdienen? Das geht mit einem Nebenjob. Was du wissen und worauf du achten musst, steht hier. Außerdem im Clip: ungewöhnliche Nebenjob-Ideen.
Nebenjob: Was erlaubt ist - und was sich lohnt
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Nebenbei jobben: Das Wichtigste zum Thema

  • 3,5 Millionen Menschen in Deutschland jobben zusätzlich zu ihrem Hauptberuf - die meisten in einem Minijob. 690.000 Leute verdienen selbstständig etwas dazu.

  • Zu den Nebenjob-Klassikern gehören: kellnern, babysitten, im Supermarkt kassieren oder Regale einräumen. Es gibt aber auch ungewöhnlichere Tätigkeiten, so wie Statist:in oder Produkt- und Spieletester:in.

  • Du hast die Wahl zwischen verschiedene Varianten, um nebenbei zu jobben. Je nachdem musst du eine Steuererklärung abgeben oder nicht - und entsprechend keine, mehr oder weniger Steuern zahlen. Auch Sozialversicherungsbeiträge fallen nicht immer an.

  • Welche Art des Jobbens sich am meisten lohnt und worauf du dabei achten solltest, liest du in den folgenden Abschnitten. Unser Video liefert dir Ideen für ungewöhnlichere Nebenjobs.

Nebenjobs in Deutschland

Der Minijob: Oft die beste Variante für nebenbei

Ein Minijob ist eine geringfügige Beschäftigung entweder bei einer Firma oder bei einer Privatperson.

Du kannst also beispielsweise im Museum, in einer Kantine oder in einem Escape-Room arbeiten - oder als Haushaltshilfe putzen gehen.

Bei einer solchen Tätigkeit darfst du durchschnittlich bis 450 Euro pro Monat verdienen. Deshalb heißen diese Tätigkeiten auch 450-Euro-Jobs.

Wie viele Stunden und wie oft du arbeitest, ist unerheblich. Der gesetzliche Mindestlohn von 9,60 Euro gilt übrigens auch bei diesen Jobs.

Diese Art des Nebenbei-Jobbens lohnt sich oft - aus mehreren Gründen. Es ist unkompliziert, du brauchst keine Steuern oder sonstigen Abgaben zu zahlen und auch nicht das Finanzamt informieren.

Oft ist es darum besser, einen 450-Euro-Job zu übernehmen, statt nebenbei mehr einzunehmen. Dann werden nämlich Steuern und Abgaben vom Gehalt abgezogen - und letztlich bleibt nicht mehr übrig, obwohl du vielleicht mehr arbeitest.

Leben und arbeiten für den Mindestlohn

Leben und arbeiten für den Mindestlohn

Galileo Reporter Christoph Karrasch hat für ausprobiert, wie es sich anfühlt, für den Mindestlohn zu arbeiten und davon zu leben.

Darauf musst du bei einem 450-Euro-Job achten

  • 🤒

    Bei einem Minijob musst du nicht in die Kranken-, Arbeitslosen- oder Pflegeversicherung einzahlen. Das übernimmt die Firma oder Person, die dich anstellt.

  • 🧓

    Von der Rentenversicherungspflicht kannst du dich befreien lassen. Ansonsten kassiert die Rentenkasse 3,6 Prozent des Einkommens. Für deine spätere Rente kann sich das lohnen.

  • 💰

    Aber Achtung: Wenn du mehrere geringfügige Minijobs übernimmst und zusammen mehr als 450 Euro verdienst, musst du dein zusätzliches Einkommen komplett versteuern.

  • 🏖

    Du hast übrigens bei einer geringfügigen Beschäftigung Anspruch auf bezahlten Urlaub. Wie viel, hängt davon ab, wie viele Tage dafür arbeitest.

So rechnest du aus, wie viel Urlaub dir im Minijob zusteht

  • Multipliziere deine Arbeitstage pro Woche mit dem generellen Urlaubsanspruch in der Firma.

  • Teile das Ergebnis durch die üblichen Arbeitstage im Unternehmen pro Woche. Bei manchen Firmen sind das 5 Tage, bei anderen 6 - beispielsweise in Supermärkten.

  • 🧾

    Ein Beispiel: Du arbeitest 2 Tage pro Woche, im Unternehmen gelten 24 Urlaubstage pro Jahr und es wird an 6 Tagen pro Woche gearbeitet.

  • Mit der Formel von oben rechnest du dann aus, dass dir 8 Urlaubstage zustehen: (2 x 24) / 6 = 8.

Nebenjob mit mehr als 450 Euro: Das solltest du wissen

  • Wenn du beim Nebenjob monatlich mehr als 450 Euro erhältst, musst du ihn in der Steuererklärung angeben und versteuern.

  • 💡

    Dann gilt: Liegen die Einnahmen regelmäßig über der Grenze und ist das auf Dauer angelegt, gehörst du in Lohnsteuerklasse VI. Im Hauptberuf bleibt es bei deiner sonstigen Steuerklasse.

  • 💶

    Du musst für auch beide Tätigkeiten Sozialabgaben zahlen.

  • 🚗

    Immerhin kannst du dann Ausgaben für den Nebenjob absetzen, also etwa Fahrten oder Arbeitsmittel.

  • 🧾

    Es gibt noch einen Sonderfall: Verdienst du nebenbei regelmäßig zwischen 450,01 Euro und 1.300 Euro, wird aus dem Mini- ein Midijob. In dem Fall gilt ein reduzierter Sozialversicherungsbeitrag zwischen 11 und 21 Prozent.

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    Du kannst auch zeitlich begrenzt als Aushilfe arbeiten und etwa im Sommer Beeren pflücken. Das ist auf 3 Monate oder 70 Arbeitstage pro Jahr begrenzt. Sozialabgaben fallen weg, Steuern zahlst du trotzdem - in Steuerklasse VI.

  • 👩‍🎓

    Wenn du studierst, nebenbei jobbst und mehr als 450 Euro einnimmst, werden in der Regel keine Sozialabgaben fällig. Das gilt aber nur, wenn du in der Vorlesungszeit nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest. Versteuern musst du das Geld nur, wenn du insgesamt pro Jahr mehr als 9.744 Euro bekommst. Bist du verheiratet, gelten 19.488 Euro.

Selbstständige Nebenjobs: Wann sie sich lohnen

  • Du kannst auch nebenbei selbstständig arbeiten. Du übersetzt zum Beispiel Dokumente, testest Apps oder Webseiten und erledigst als Microjobber kleine Aufgaben für Firmen.
  • Vielleicht ergibt sich aus der Tätigkeit ja etwas Neues, wenn du in deinem alten Beruf nicht mehr zufrieden bist - womöglich sogar ein spannender Job für die Zukunft.
  • Du musst die Nebenbei-Selbstständigkeit in jedem Fall beim Finanzamt anmelden.
  • Steuern werden aber nur fällig, wenn du mehr als 410 Euro pro Jahr dazuverdienst.
  • Beträgt dein Jahresumsatz höchstens 22.000 Euro, bist du ein:e  Kleinunternehmer:in. Dann gilt: Umsatzsteuer musst du nicht abführen.
  • Sozialabgaben sind für selbstständige Nebenjobs meist nicht vorgeschrieben.

Was dürfen Chef:innen - und was nicht?

Was dürfen Chef:innen - und was nicht?

Die dritte Nachtschicht in Folge, der Urlaub ist kurzfristig gestrichen und wer in Jeans kommt, kann gleich wieder gehen. Schließlich haben Chef:innen Recht? Von wegen! Galileo zeigt, was sie tatsächlich dürfen und was nicht.

Darf ich überhaupt neben meinen Hauptberuf arbeiten?

  • Dein:e Chef:innen geht es nichts an, was du in deiner Freizeit machst. Sie dürfen dir also nicht pauschal verbieten, nebenbei zu jobben.
  • Es gibt aber Einschränkungen: Deine Firma darf "nein" sagen, wenn deine Arbeit darunter leidet - etwa, weil du immer müde bist. Auch wenn du bei der Konkurrenz jobbst, muss das dein:e Chef:in nicht hinnehmen.
  • Du musst deine Firma in jedem Fall informieren, wenn du nebenbei jobbst.
  • Du musst außerdem darauf achten, wann und wie viel du im Haupt- und Nebenjob tätig bist. Das Arbeitszeitgesetz hat ein paar strenge Regeln.
  • Du darfst maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten. Sind es im Hauptjob 8 Stunden pro Tag, kannst du also weitere 8 Stunden pro Woche nebenbei jobben.
  • Die tägliche Arbeitszeit ist eigentlich auf 8 Stunden begrenzt. Zeitweilig kannst du das ausweiten - auf bis zu 10 Stunden am Tag und insgesamt 60 Stunden pro Woche.
  • Aber das geht nur, wenn du innerhalb von 6 Monaten die Wochenarbeitszeit wieder auf durchschnittlich 48 Stunden ausgleichst.
  • Darüber hinaus musst du Ruhezeiten zwischen Arbeitsende und -beginn einhalten. Beginnst du morgens um 7 Uhr mit deiner Hauptarbeit, darfst du abends nicht länger als 20 Uhr jobben.
  • Du darfst auch nicht etwas dazuverdienen, wenn du in deinem Hauptberuf gerade Urlaub hast - und auch nicht, wenn du krankgeschrieben bist.
Veröffentlicht: 23.10.2021 / Autor: Claudia Frickel