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Kopplung von Strom- und Gaspreis

Warum der Strompreis an den Gaspreis gekoppelt ist

Steigt der Gaspreis, zieht der Strompreis nach: Die Kosten für Strom sind eng an den Gaspreis gekoppelt und schießen deshalb aktuell immer weiter in die Höhe. Die EU-Kommission will das ändern und die sogenannte Merit-Order reformieren. Was dahinter steckt, erfährst du hier. Im Clip: So sparst du Energie im Alltag.
Warum der Strompreis an den Gaspreis gekoppelt ist
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Das Wichtigste zum Thema Strom- und Gaspreise

  • Die Energie-Preise sind seit Start des russischen Angriffskriegs in ungeahnte Höhen gestiegen. Dass durch die knappe Gas-Versorgung aber nicht nur die Kosten für Gas, sondern auch die Strompreise immer weiter nach oben klettern, ist kein Zufall.

  • Gas gibt auf dem Strommarkt den Ton an - und das, obwohl Gaskraftwerke weniger als 15 Prozent der gesamten Strom-Versorgung in Deutschland ausmachen.

  • Grund ist die sogenannte Merit-Order. Denn an den Märkten definiert das teuerste Kraftwerk den Strompreis an der Börse. Die mit Abstand kostspieligste Stromquelle ist aktuell Gas.

  • Was genau dahinter steckt und warum die EU-Kommission die Verbindung kappen will, erfährst du hier.

So funktioniert das Merit-Order-Prinzip

  • 🤝

    Strom wird wie eine Ware gehandelt. Das passiert hierzulande an der Strombörse in Leipzig.

  • 💶

    Jeder Erzeuger bietet seinen Strom zum individuellen Preis an - und zwar so, dass seine Kosten gedeckt sind. Das sind die sogenannten Grenzkosten

  • Den ersten Zuschlag bekommt das Kraftwerk mit den niedrigsten Grenzkosten. Dazu zählen in Deutschland erneuerbare Energien wie Solar- oder Windkraft.

  • 🔋

    Reicht die Versorgung nicht aus, sind weitere, teurere Kraftwerke an der Reihe. Zum Beispiel Kohlekraftwerke - oder Gas.

  • 📊

    Verkauft wird der Strom allerdings nicht für den individuellen Preis, den die Kraftwerke anbieten. Den endgültigen Börsenpreis für alle bestimmt laut der Merit-Order die teuerste Stromquelle.

  • 💰

    Das heißt: Jeder Stromproduzent verkauft zum Preis des teuersten Kraftwerks. Das ist aktuell Erdgas - mit Abstand.

Merit-Order: Ein Beispiel in 5 Schritten

💨 Ein Windkraftwerk bietet einem Stadtwerk seinen erzeugten Strom für 8 Cent pro Kilowatt-Stunde an. Der umweltfreundliche Erzeuger hat sehr geringe Kosten, um den Betrieb instand zu halten - und kann seinen Strom deshalb besonders günstig anbieten.

❗ Das Windkraftwerk kann zu diesem Zeitpunkt aber nicht so viel Strom liefern, wie benötigt wird. Zusätzliche Stromerzeuger müssen einspringen.

🧱 Ein Kohlekraftwerk liefert weiteren Strom für 21 Cent pro kWh. Bei Braunkohle sind die Grenzkosten schon deutlich höher, als bei erneuerbaren Energien. Auch die Versorgung mit Kohle reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken.

🏭 Ein Gaskraftwerk bietet die restliche Strommenge für 30 Cent pro Kilowatt-Stunde an. Hier sind die Grenzkosten auf Grund der Gasknappheit durch den russischen Angriffskrieg besonders hoch.

💶 Das Stadtwerk muss durch die Merit-Order jetzt für jede Kilowatt-Stunde 30 Cent zahlen - egal aus welcher Quelle der Strom stammt. Das Kohlekraftwerk macht dadurch einen Gewinn von 9 Cent je kWh - und die Windkraftanlage sogar einen Gewinn von 22 Cent.

Wie hat sich der Strompreis in letzter Zeit entwickelt?

Obwohl zum 1. Juli 2022 die EEG-Umlage als Bestandteil des Strompreises weggefallen ist, steigen die Kosten für Strom so stark, wie nie zuvor. Das Vergleichsportal Check24 rechnet vor: Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 5.000 Kilowatt-Stunden lag der Strompreis im August 2021 noch bei 1.529 Euro. Ein Jahr später liegt die Jahres-Rechnung bei 1.996 Euro - ein Anstieg von 31 Prozent.

Laut dem Vergleichsportal Verivox liegt der Durchschnittspreis für Strom Ende August 2022 sogar noch höher. Das Portal errechnete eine Steigerung von 51 Prozent zum Vorjahr.

Galileo-Stromspiegel: Der deutsche Strom-Verbrauch im Überblick

Stromverbrauch in Deutschland im Durchschnitt nach Haushaltsgröße

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Wie würde unser nächster Winter aussehen, wenn wir kein Gas mehr aus Russland bekommen würden? Um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, sehen wir uns zwei fiktive Szenarien an: den "Worst Case" und den "Best Case".

Woher stammt der Strom in Deutschland?

  • Erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Wasser- und Windkraft machen 2022 etwa 48,5 Prozent der gesamten Strom-Einspeisung in Deutschland aus.

  • 🧱

    Kohlekraftwerke liefern etwa 31,4 Prozent des Stroms.

  • 💥

    Atomkraft macht 2022 in Deutschland noch etwa sechs Prozent aus. Zum Vergleich: 2021 war es noch doppelt so viel.

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    Erdgas liefert als Stromquelle hingegen 11,7 Prozent der Energie.

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    Sonstige fossile Energieträger wie Ölkraftwerke machen 2,4 Prozent der Strom-Einspeisung aus.

Merit-Order reformieren? So soll der Strompreis wieder sinken

Dass die Merit-Order nicht mehr zweckmäßig funktioniert, gab EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bereits im letzten Herbst zu bedenken. "Die in die Höhe schießenden Strompreise zeigen gerade aus verschiedenen Gründen die Grenzen unseres jetzigen Strommarkt-Designs auf", erklärte die EU-Kommissionspräsidentin. Die EU-Kommission arbeite deshalb an einer kompletten Umstrukturierung des Strommarktes.

Auch Wirtschafts- und Umweltminister Robert Habeck will an diesen Gedanken anknüpfen und kündigte auf deutscher Ebene ebenfalls Reformen an. Mit einem neuen Mechanismus sollen Verbraucher:innn Strom aus erneuerbaren Energien zu einem wesentlich günstigerem Preis einkaufen. Diese Überarbeitung wird auf die Schnelle aber nicht umsetzbar sein, sagen Expert:innen.

Kurzfristig helfen soll deshalb die Strompreis-Bremse als Teil den neuen Entlastungspakets. Für einen Basis-Verbrauch an Strom soll nach den Plänen der Ampel-Regierung künftig ein vergünstigter Preis gelten. Wie hoch dieser Grund-Verbrauch angesetzt ist, ist noch unklar.

Gas-Umlage lässt Heizkosten steigen

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    Die Gaspreise steigen nicht nur für die Verbraucher:innen, auch die Gas-Importeure kämpfen mit höheren Beschaffungs-Kosten. Damit sie zahlungsfähig bleiben, kommt ab Oktober die Gas-Umlage. Erfahre was dahinter steckt und wie viel sie dich kosten wird.

Veröffentlicht: 08.09.2022 / Autorin: Nicole Lemberg