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Kamala Harris: Kann sie Donald Trump stoppen?

Es wäre eine historische Doppel-Premiere: Gewinnt Joe Biden die US-Wahl am 3. November, wäre erstmals eine Frau und Schwarze Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten. Aber wer ist die Dame seiner Wahl - und wie viel Macht hätte sie?

Das Wichtigste zum Thema Kamala Harris

  • Kamala Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland, Kalifornien, als Kind von Einwanderern geboren: Sie ist die Tochter einer indischen Krebsforscherin und Bürgerrechtlerin und eines jamaikanischen Wirtschaftsprofessors. Ihr größtes Vorbild ist ihre Mutter.

  • Ihre Laufbahn kann sich sehen lassen: Sie studierte in Washington Politikwissenschaft und Wirtschaft, in Kalifornien Rechtswissenschaft.

  • 2003 war sie Bezirksstaatsanwältin von Kalifornien, später Generalstaatsanwältin von Kalifornien und wurde 2016 als 2. Schwarze in den Senat gewählt. Dort galt sie als Problemlöserin. Ihre Mission: Für die Rechte aller Menschen in Kalifornien kämpfen.

  • Kamala gilt als schlagfertig, stark und flexibel. Letzteres werfen ihr ihre Kritiker vor: Sie sei in ihren ideologischen Ansichten nicht konsequent. In der Vergangenheit habe sie "wie ein Fähnchen im Wind" immer wieder ihre Meinung geändert - zum Beispiel über die Legalisierung von Marihuana.

  • Insgesamt dürfte Trump sie dennoch fürchten - denn Prognosen zufolge spricht die Demokratin sowohl Frauen und People of Colour als auch nach links tendierende junge Menschen an.

Das wären Kamalas Aufgaben als Vizepräsidentin

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    Sollte Joe Biden während seiner Amtszeit etwas zustoßen oder er abdanken, wäre Kamala seine Vertretung. Sprich, sie wäre im Notfall US-Präsidentin, bis Neuwahlen stattfinden.

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    Außerdem wäre sie die Präsidentin des Senats und würde neu erlassene Gesetze gemeinsam mit dem US-Präsidenten unterzeichnen.

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    Kamala würde im Gebäude Number One Observatory Circle in Washington wohnen. Es ist seit 1974 der Wohnort der Vizepräsidenten.

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    Der Vizepräsident hat eher repräsentative Aufgaben und keine großen Entscheidungsgewalten. Kamala würde im Namen des Weißen Hauses zu politischen Anlässen erscheinen und international reisen.

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    Doch es gibt Spielraum für mehr. Das hängt davon ab, inwiefern der Präsident dem Vizepräsident vertraut und ihn in politische Prozesse einbezieht.

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    Aktuell ist Kamala "Running Mate", also Vizepräsidentschafts-Kandidatin. Präsident und Vizepräsident werden im "Doppelpack" gewählt - Harris hat also auch Einfluss auf den Wahl-Erfolg.

Mit Maske und Mut: Joe Biden und Kamala Harris auf dem Nominierungs-Parteitag der Demokraten am 20. August

Joe Biden nennt Kamala eine "furchtlose Kämpferin für die einfachen Menschen"

Er sagte über seine Wahl: "Ich brauchte jemanden, der den Schmerz versteht, unter dem so viele Menschen in unserer Nation leiden." Biden und sie teilen einen mittigen politischen Kurs und Pragmatismus.

Er schätzt sie aber auch als Mensch - sie war eine gute Freundin seines 2015 verstorbenen Sohnes Beau. Kamala Harris versicherte, sie werde alles für Bidens Präsidentschaft tun.

Der erste Aufreger in ihrer Karriere: ein Skandal-Lob von Obama

Ins Licht der Öffentlichkeit rückte Harris erstmals 2013, als ihr der damalige US-Präsident Barack Obama ein umstrittenes Kompliment machte. Damals nannte er sie eine "brillante und zähe - und die optisch mit Abstand ansprechendste Generalstaatsanwältin." Danach hagelte es Sexismus-Vorwürfe - und er entschuldigte sich bei Harris.

Da sagst du nichts mehr - so smart argumentiert Kamala

Harris ist wortgewandt und führt starke Argumente an. Sie ist berühmt für ihre scharfe Zunge, die selbst gestandene Politiker plötzlich kleinlaut macht.

Im Video (unten) machte sie den Supreme-Court-Richter und Abtreibungsgegner Brett Kavanaugh mit dieser Gegenfrage sprachlos: "Können Sie sich ein Gesetz vorstellen, das der Regierung die Befugnis gibt, Entscheidungen über den männlichen Körper zu treffen?" Immer wieder erntete sie Lob für so viel Mut bei unbequemen Themen.

Harris kämpft außerdem gegen Rassismus in den USA und wird auch für so manchen Schlagabtausch in TV-Shows gefeiert.

Als es 2019 bei einer Debatte der Präsidentschaftskandidaten (Kamala kandidierte da noch selbst für das höchste Amt) um Joe Biden's frühere Kontakte zu Befürwortern der Rassentrennung ging, sagte sie zu ihm: "Wenn diese Befürworter sich durchgesetzt hätten, wäre ich heute nicht Senatorin. Und Barack Obama - der erste schwarze Präsident der USA - hätte sie nicht nominieren können".

Das macht Kamala, wenn sie nicht gerade die Politik aufmischt

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    Die 55-Jährige ist eine leidenschaftliche Köchin. Früher gab es sogar eine Koch-Show mit ihr. Noch immer teilt sie gern Tipps auf Instagram. Dort erfährt man auch die geheime Zutat für gute Zwiebelringe: Apfelstückchen.

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    Kamala mag Funk und Hip Hop. 2017 veröffentlichte sie ihre Playlist auf Spotify. Zu hören war unter anderem 2017 "Love on Top" von Beyoncé, "Waterfalls" von TLC, "Juicy" von The Notorious B.I.G und "Humble" von Kendrick Lamar.

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    In einem Radio-Interview jokte sie, dass sie während ihrer Studienzeit Marihuana zu Snoop Dogg und Tupac Shakur rauchte. Später kam aber raus, dass die Alben der Rapper damals noch gar nicht draußen waren. Vernebelte Erinnerungen?

Was sagt Trump dazu? Nichts Gutes. Vielleicht aus Angst ...

Wie stehen die Chancen für das Team Joe Biden und Kamala Harris?

Veröffentlicht: 26.08.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau