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Hochwasser in Bad Münstereifel in der Innenstadt

Hochwasser-Katastrophen: Was können wir künftig besser machen?

Vergangenes Jahr zeigte, wie verheerend Hochwasser-Katastrophen in Deutschland sein können. Wir erklären dir, wie Hochwasser künftig verhindert werden soll: Von Katastrophen-Schutz bis zu Schwammstädten. Im Clip: 100 Sekunden zum Katastrophen-Alarm.
Hochwasser-Katastrophen: Was können wir künftig besser machen?
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Das Wichtigste zum Thema Hochwasser-Schutz

  • Katastrophen-Alarm: Wann wird er ausgerufen? Was passiert dann? Wer zahlt für Schäden? Wir haben die wichtigsten Infos für dich im Clip oben zusammengefasst.

  • Über 170 Menschen starben 2021 nach heftigen Regenfällen und Überflutungen in Deutschland. Die Landschaft- und Städte-Planung könnte künftig dazu beitragen, solche Hochwasser-Katastrophen zu verhindern.

  • Als Reaktion brachte die Bundesregierung im Frühjahr 2022 das Maßnahmen-Paket "Sofort-Programm Klima-Anpassung" auf den Weg. So will sie in Zukunft besser gegen klimabedingte Natur-Katastrophen wie Extrem-Wetter und Hochwasser gewappnet sein.

  • Unten auf der Seite erklärt eine Psychologin, warum Solidarität bei Katastrophen so wichtig ist und wie Zusammenhalt Betroffene durch Krisen trägt.

So schützen Wasserbauern die Küsten-Regionen an Nord- und Ostsee

So schützen Wasserbauern die Küsten-Regionen an Nord- und Ostsee

Deutschland hat über 1.500 Kilometer Küste. Gepflegt werden die von sogenannten Wasserbauern. Sie schützen die Tiere und die Menschen in den Küsten-Regionen vor Hochwassern. Wir stellen euch den Beruf vor.

Sponge City: Clevere Stadt-Planung mit Regenwasser

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    Die Stadt-Planung der Zukunft setzt auf Schwammstädte: Sponge Cities. Sie speichern Regenwasser und führen es ins Grundwasser.

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    Dafür muss es viele Bäume, Pflanzen und Grünflächen geben. Sie könnten als natürliche Wasserspeicher bei Starkregen helfen.

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    Die Wurzeln von Bäumen etwa lockern den Boden - und dieser kann mehr Wasser aufnehmen.

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    Das Kanalsystem von Schwammstädten muss weniger Wasser abführen und wird entlastet. Gleichzeitig kühlen grüne Flächen die Stadt bei Hitze und Dürre ab.

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    Auf mit Beton und Asphalt versiegelten Flächen wie Straßen und auch auf kahlen Dachflächen hingegen sammelt sich Wasser an der Oberfläche.

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    Das Risiko von Überschwemmungen steigt auf versiegelten Flächen, da das Abwasser-System schnell überlastet ist. Denn das Regenwasser gelangt nicht in die tiefen Erdschichten.

So grün sind Schwammstädte

Sponge City in China Schwammstadt
In China wuchsen mit einer staatlichen Initiative zahlreiche "Sponge Cities". Sie...
begrüntes Dach in Freiburg
Bepflanzte Dächer wie hier in Freiburg sind Teil des Konzepts für Schwammstädte.
Rathaus Reykjavik Schwammstadt
Auch bepflanzte Fassaden wie hier beim Rathaus in Islands Hauptstadt Reykjavik...
Rigolen am Straßenrand in Berlin
An diesem Straßenrand in Berlin läuft das Regenwasser über Rigolen ab, also Rinnen.
Sponge City in China Schwammstadt
begrüntes Dach in Freiburg
Rathaus Reykjavik Schwammstadt
Rigolen am Straßenrand in Berlin

Hier gibt's noch mehr Infos zum Thema Städte der Zukunft

Versickerungs-Mulden als Hochwasser-Schutz

Mit Gräsern oder Stauden bepflanzte Versickerungs-Mulden sind Vertiefungen im Boden. Sie sammeln den Regen und leiten ihn direkt ins Grundwasser.

Grundvoraussetzung: Ein durchlässiger Boden. In Freiburg etwa gibt es bereits solche Mulden zum Hochwasser-Schutz. Sie können schön bepflanzt werden und fügen sich ins natürliche Landschafts-, beziehungsweise Stadtbild ein.

Würde eine Versicherungs-Pflicht für Wohngebäude helfen?

Alles zerstört, das Haus geflutet! Viele Betroffene sind gegen solche Hochwasser-Schäden nicht versichert. Manche, weil sie nicht daran denken. Manche, weil keine Versicherung sie aufnimmt. Seit Jahren diskutieren Expert:innen über eine Versicherungs-Pflicht, die Wohngebäude gegen Natur-Katastrophen absichert.

Häufig ist die Rede von Elementar-Schäden. Was bedeutet das? Gemeint sind ökonomische Schäden aus Sturm, Hochwasser, Starkregen, Sturmflut, Hagel, Schneedruck, Vulkan-Ausbrüchen, Lawinen, Erdbeben, Erdrutschen und Erdsenkungen.

zerstörte gebäude nach dem Hochwasser


In Bad Münstereifel in NRW zerstörte das Hochwasser zahlreiche Gebäude.
© IMAGO / Jochen Tack

Das Deutschen Institut für Wirtschafts-Forschung (DIW) kam in einem Dossier bereits 2013 zu dem Urteil: Eine Versicherungs-Pflicht ist unbedingt nötig. Auch ohne Klimawandel, aber mit ihm erst recht. Damit jeder versichert werden kann, sei eine Staats-Garantie für Mega-Schäden wichtig.

⚠ Übrigens: Wie du dich bei stürmischem Wetter selbst schützen kannst, erfährst du in unseren Profi-Tipps zu Gewitter, Regen und Co.

Frühwarn-Systeme: Das Comeback der Sirene

📢Digitale Warn-Systeme wie Warn-Apps  allein schützen nur ungenügend. Armin Schuster vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe setzt künftig auf einen Warnmittel-Mix.

📢Das bedeutet auch das Comeback der Sirene. Der Plan: Eine Übersicht erstellen, wo es noch Sirenen gibt, wo welche repariert und neu installiert werden müssen. Denn: Sirenen warnen auch, wenn Menschen ihr Handy ausgeschaltet haben.

📢 Am zweiten Donnerstag im September findet jährlich ein bundesweiter Warntag statt. Dabei probt Deutschland den Notfall: mit Sirenen, Lautsprecher-Durchsagen und Infos über Radio, TV und App. 2020 fand er erstmals statt - und viele Sirenen heulten nicht. Schnell zeigte sich: Es muss noch viel getan werden. 2021 fiel der Warntag komplett aus. Der nächste Versuch soll am 8. September 2022 stattfinden.

Sirene auf dem Dach


Nicht überall gibt es Sirenen, die vor Katastrophen warnen.
© IMAGO / Karina Hessland

Katastrophen-Warnung: Das könnte besser laufen

Katastrophen-Warnung: Das könnte besser laufen

Während in den USA durch Warn-Signale via Handy und Sirenen möglichst schnell vor Katastrophen gewarnt werden kann, funktioniert das in Deutschland (noch) nicht so gut. Was können wir besser machen?

Interview mit Wirtschaftspsychologin Prof. Kathrin Schütz: In der Not entsteht Gemeinsamkeit

  • Ihre Heimatstadt ist Brühl, die neben dem stark vom Hochwasser 2021 betroffenen Erftstadt liegt. Wie haben Sie die Katastrophe erlebt?

  • 💬

    Ich wollte mit dem Pferdeanhänger aus losfahren, um bei der Evakuierung von gefährdeten Tieren zu helfen. Das Problem: Die Autobahn war beschädigt. Also beschloss ich, Hilfsgüter zu einer nahegelegenen Sammelstelle zu bringen. Diese öffnete um 12 Uhr. Als ich um 12.06 Uhr da war, konnte sie bereits keine Sachen mehr annehmen. Das zeigt, wie schnell alle mit anpackten.

  • Haben Sie als Psychologin eine Erklärung für die enorme Hilfsbereitschaft?

  • 💬

    Laut Spenden-Forschung spenden viele Menschen, um sich selbst besser zu fühlen. Das scheint mir hier anders zu sein. Die Menschen sind emotional involviert. Jeder stellt sich vor wie es für ihn selbst gewesen wäre, identifiziert sich mit den Betroffenen und versetzt sich in deren Lage. Außerdem zieht es mit, wenn alle anpacken.

  • Das Unglück steigert also unsere Empathiefähigkeit?

  • 💬

    Ich kenne Reiter, die auf dem Turnier Konkurrenten sind und nie miteinander sprechen. Doch in der Notlage kam der eine Reiter sofort und rettete das Pferd des Nicht-Gemochten. Solche Meldungen gab es auch von verfeindeten Fußball-Clubs, die sich ohne zu zögern unterstützten. Vorurteile und Konkurrenz-Denken sind in der Krise nichtig. Was zählt ist die Gemeinsamkeit. Und die verbindet.

  • Wie wirkt sich die Hilfsbereitschaft psychologisch auf die Menschen aus, die alles verloren haben?

  • 💬

    Jeder Mensch geht natürlich anders mit Krisen um: je nach Persönlichkeit, den vorigen Erlebnissen im Leben und dem sozialen Umfeld. Deshalb lässt sich das nicht allgemein sagen. Aber natürlich sehen die Betroffenen, dass sie nicht allein sind. Dass andere Menschen mit anpacken, gibt Kraft. Und es entsteht das Gefühl, das Beste aus der Situation zu machen. Gemeinsam.

Prof. Dr. Kathrin Schütz lehrt Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius

Veröffentlicht: 21.07.2022 / Autor: Alena Brandt