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Hochwasser in Bad Münstereifel in der Innenstadt

Hochwasser-Katastrophe: Was können wir künftig besser machen?

Der Starkregen hat Deutschland hart getroffen. Von Katastrophenschutz bis zu Schwammstädten: Erfahre, wie wir künftig besser vorbereitet sein könnten. Außerdem: Warum das Gefühl von Zusammenhalt so wichtig ist in Krisen.
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Das Wichtigste zum Thema Hochwasser

  • Katastrophenalarm: Wann wird er ausgerufen? Was passiert dann? Wer zahlt für Schäden? Wir haben die wichtigsten Infos für dich im Clip zusammengefasst.

  • Über 170 Menschen starben nach den heftigen Regenfällen und Überflutungen in Deutschland. Die Landschaft- und Städteplanung könnte künftig dazu beitragen, solche Katastrophen zu verhindern.

  • Eine Psychologin erklärt, warum Solidarität jetzt so wichtig ist und wie Zusammenhalt Betroffene durch Krisen trägt. Außerdem erfährst du weiter unten, wo du spenden kannst.

Sponge City: Clevere Stadtplanung mit Regenwasser

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    Die Stadtplanung der Zukunft setzt auf Schwammstädte: Sponge Cities. Sie speichern Regenwasser und führen es ins Grundwasser.

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    Dafür muss es viele Bäume, Pflanzen und Grünflächen geben. Sie könnten als natürliche Wasserspeicher bei Starkregen helfen.

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    Die Wurzeln von Bäumen etwa lockern den Boden – und dieser kann mehr Wasser aufnehmen.

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    Das Kanalsystem von Schwammstädten muss weniger Wasser abführen und wird entlastet. Gleichzeitig kühlen grüne Flächen die Stadt bei Hitze und Dürre ab.

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    Auf mit Beton und Asphalt versiegelten Flächen wie Straßen und auch auf kahlen Dachflächen hingegen sammelt sich Wasser an der Oberfläche.

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    Das Risiko von Überschwemmungen steigt auf versiegelten Flächen, da das Abwassersystem schnell überlastet ist. Denn das Regenwasser gelangt nicht in die tiefen Erdschichten.

So grün sind Schwammstädte

Sponge City in China Schwammstadt
In China wuchsen mit einer staatlichen Initiative zahlreiche "Sponge Cities". Sie...
begrüntes Dach in Freiburg
Bepflanzte Dächer wie hier in Freiburg sind Teil des Konzepts für Schwammstädte.
Rathaus Reykjavik Schwammstadt
Auch bepflanzte Fassaden wie hier beim Rathaus in Islands Hauptstadt Reykjavik...
Rigolen am Straßenrand in Berlin
An diesem Straßenrand in Berlin läuft das Regenwasser über Rigolen ab, also Rinnen.
Sponge City in China Schwammstadt
begrüntes Dach in Freiburg
Rathaus Reykjavik Schwammstadt
Rigolen am Straßenrand in Berlin

Versickerungsmulden als Hochwasserschutz

Mit Gräsern oder Stauden bepflanzte Versickerungsmulden sind Vertiefungen im Boden. Sie sammeln den Regen und leiten es direkt ins Grundwasser. Grundvoraussetzung: Ein durchlässiger Boden. In Freiburg etwa gibt es bereits solche Mulden zum Hochwasserschutz.

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Versicherungspflicht für Wohngebäude?

Alles zerstört, das Haus geflutet! Viele Betroffene sind gegen solche Hochwasser-Schäden nicht versichert. Manche, weil sich nicht daran denken. Manche, weil keine Versicherung sie aufnimmt. Seit Jahren diskutieren Expert:innen eine Versicherungspflicht, die Wohngebäude gegen Naturkatastrophen absichert.

Häufig ist die Rede von Elementar-Schäden. Was bedeutet das? Gemeint sich ökonomische Schäden aus Sturm, Hochwasser, Starkregen, Sturmflut, Hagel, Schneedruck, Vulkanausbrüchen, Lawinen, Erdbeben, Erdrutschen und Erdsenkungen.

 

zerstörte gebäude nach dem Hochwasser


In Bad Münstereifel in NRW zerstörte das Hochwasser zahlreiche Gebäude.
© IMAGO / Jochen Tack

Brauchen wir eine Versicherungspflicht gegen Elementarschäden? Eine Übersicht zu dieser Frage gibt es vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie entstand bereits 2013 – nun brennt das Thema mehr denn je. Das Fazit: Ja, eine Versicherungspflicht ist unbedingt nötig. Auch ohne Klimawandel, aber mit ihm erst recht. Damit jeder versichert werden kann, sei eine Staatsgarantie für Megaschäden wichtig:

Frühwarnsysteme: Das Comeback der Sirene

📢Digitale Warnsysteme wie Warn-Apps  allein schützen nur ungenügend. Armins Schuster vom Bundesamt fürBevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe setzt künftig  auf einen Warnmittel-Mix.

📢Das bedeutet auch das Comeback der Sirene. Der Plan: Eine Übersicht erstellen, wo es noch Sirenen gibt, wo welche repariert und neu installiert werden müssen. Denn: Sirenen warnen auch, wenn Menschen ihr Handy ausgeschaltet haben.

📢 Am zweiten Donnerstag im September findet jährlich ein bundesweiter Warntag statt. Dabei probt Deutschland den Notfall: mit Sirenen, Lautsprecherdurchsagen und Infos über Radio, TV und App. 2020 fand er erstmals statt - und viele Sirenen heulten nicht. Schon da zeigte sich: In dem Punkt muss sich etwas tun.

 

Sirene auf dem Dach


Nicht überall gibt es Sirenen, die vor Katastrophen warnen.
© IMAGO / Karina Hessland

Katastrophen-Warnung: Das könnte besser laufen

Katastrophen-Warnung: Das könnte besser laufen

Während in den USA durch Warnsignale via Handy und Sirenen möglichst schnell vor Katastrophen gewarnt werden kann, funktioniert das in Deutschland nicht so gut. Was können wir besser machen?

Interview mit Wirtschaftspsychologin Prof. Kathrin Schütz: In der Not entsteht Gemeinsamkeit

  • Ihre Heimatstadt ist Brühl, die neben dem stark vom Hochwasser betroffenen Erftstadt liegt. Wie haben Sie die Katastrophe erlebt?

  • 💬

    Ich wollte mit dem Pferdeanhänger aus losfahren, um bei der Evakuierung von gefährdeten Tieren zu helfen. Das Problem: Die Autobahn war beschädigt. Also beschloss ich, Hilfsgüter zu einer nahegelegenen Sammelstelle zu bringen. Diese öffnete um 12 Uhr. Als ich um 12.06 Uhr da war, konnte sie bereits keine Sachen mehr annehmen. Das zeigt, wie schnell alle mit anpackten.

  • Haben Sie als Psychologin eine Erklärung für die enorme Hilfsbereitschaft?

  • 💬

    Laut Spendenforschung spenden viele Menschen, um sich selbst besser zu fühlen. Das scheint mir hier anders zu sein. Die Menschen sind emotional involviert. Jeder stellt sich vor wie es für ihn selbst gewesen wäre, identifiziert sich mit den Betroffenen und versetzt sich in deren Lage. Außerdem zieht es mit, wenn alle anpacken.

  • Das Unglück steigert also unsere Empathiefähigkeit?

  • 💬

    Ich kenne Reiter, die auf dem Turnier Konkurrenten sind und nie miteinander sprechen. Doch in der Notlage kam der eine Reiter sofort und rettete das Pferd des Nicht-Gemochten. Solche Meldungen gab es auch von verfeindeten Fußball-Clubs, die sich ohne zu zögern unterstützten. Vorurteile und Konkurrenzdenken sind in der Krise nichtig. Was zählt ist die Gemeinsamkeit. Und die verbindet.

  • Wie wirkt sich die Hilfsbereitschaft psychologisch auf die Menschen aus, die alles verloren haben?

  • 💬

    Jeder Mensch geht natürlich anders mit Krisen um: je nach Persönlichkeit, den vorigen Erlebnissen im Leben du dem sozialen Umfeld. Deshalb lässt sich das nicht allgemein sagen. Aber natürlich sehen die Betroffenen, dass sie nicht allein sind. Dass andere Menschen mit anpacken, gibt Kraft. Und es entsteht das Gefühl, das Beste aus der Situation zu machen. Gemeinsam.

Prof. Dr. Kathrin Schütz lehrt Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius

Du möchtest Geld spenden? Hier hast du die Möglichkeit

Das Bündnis deutscher Hilfsorganisationen "Aktion Deutschland Hilft" und SAT.1 sammeln am Samstag, 24. Juli 2021 um 20:15 Uhr mit der Gala "Deutschland hilft. Die SAT.1-Spendengala" Spenden für die Opfer der Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Auch über diesen Link kannst du jederzeit direkt spenden.

Veröffentlicht: 24.07.2021 / Autor: Alena Brandt