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Bei der von Carsten Bauck angeregten Bruderhahn Initiative Deutschland (BID) finanzieren die Hennen mit den Eiern das längere Leben ihrer Brüder.

Bruderhahn, Zweinutzungshuhn: Wie das Kükentöten gestoppt werden soll

Bisher werden in Deutschland jährlich mehr als 40 Millionen Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Es sind die "Brüder" der Legehennen, die sich weder zum Eierlegen noch als Masthähnchen eignen. Doch es gibt Alternativen, um das Kükentöten zu stoppen.
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Das Wichtigste zum Thema Kükentöten

  • Bisher werden in Deutschland jährlich mehr als 40 Millionen Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet.

  • Dabei handelt es sich um die Brüder der weiblichen Küken und späteren Legehennen.

  • Wie kann man endlich das Kükentöten stoppen? Der Bundestag hat dazu jetzt ein neues Gesetz verabschiedet. Was es bringen soll und welche Alternativen und Initiativen es gibt, zeigen wir hier.

Wieso werden Küken getötet?

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    Typische Begründung: Nur weibliche Küken eignen sich zum Eierlegen.

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    Aber auch zur Mast eignen sich die Brüder der Legehennen nicht. Der Grund: Hühner wurden im Verlauf der Zeit gezielt so gezüchtet, dass sie entweder möglichst viele Eier legen oder möglichst viel Fleisch ansetzen - nicht beides.

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    Einen Hahn durchzufüttern, der weder Eier legen noch schnell Fleisch liefern kann, ist aus Sicht der Agrarindustrie nicht rentabel.

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    Die Folge: Frisch geschlüpfte männliche Küken werden massenhaft getötet. In der Regel werden sie in einem zweistufigen Verfahren erst mit Kohlenstoffdioxid betäubt und anschließend mit einer höheren Dosis des Gases getötet.

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    Häufiges Argument der Geflügelbetriebe: Die Küken sterben nicht umsonst, sondern werden als Tierfutter verkauft. Vor allem Raubtiere wie Greifvögel und Schlangen, aber auch Haustiere wie Katzen und Frettchen fressen die Küken.

Stoppt ein neues Gesetz das Kükentöten?

Ende des Jahres soll mit dem millionenfachen Töten männlicher Küken in Deutschland Schluss sein. Der Bundestag verabschiedete am 20. Mai ein entsprechendes Gesetz. Es soll ab 1. Januar 2022 gelten.

Dann sollen alternative Verfahren eingesetzt werden, um das Geschlecht im Ei zu erkennen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen. Ab 1. Januar 2024 sind weitere Methoden zugelassen, die das Geschlecht zu einem noch früheren Zeitpunkt beim Brüten der Eier erkennen. Es gibt auch Kritik am Gesetz: Die Küken nicht erst nach dem Schlüpfen zu töten, sondern kurz davor sei eine "Scheinlösung".

Das Bundesverwaltungsgericht hatte schon 2019 entschieden, dass das systematische Kükentöten nur noch für eine Übergangszeit zulässig ist. Schon jetzt gibt es in Deutschland mehrere Initiativen, die nach Alternativen zum Kükentöten suchen.

Geschlechtsbestimmung, Bruderhahn, Zweinutzungshuhn: Initiativen gegen das Kükentöten

Eine mögliche Alternative zum Kükentöten könnte die Vorab-Geschlechtsbestimmung im Ei werden. Hier wird schon vorher überprüft, ob aus dem Ei ein weibliches oder männliches Huhn schlüpfen wird. Die Eier mit männlichen Küken werden wie auch die unbefruchteten Eier zu Futtermittel verarbeitet. Die weiblichen werden weiter ausgebrütet, die Küken schlüpfen am 21. Bruttag.

Für die Geschlechtsbestimmung gibt es unterschiedliche Ansätze:
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    Spektroskopische Verfahren: Hierbei werden die Eier etwa 4 Tage lang bebrütet. Dann wird ein spezieller Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt. Durch eine Analyse des reflektierten Lichts wird das Geschlecht bestimmt.

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    Endokrinologisches Verfahren: Hier werden die Eier etwa 9 Tage lang bebrütet. Von jedem Ei wird etwas Flüssigkeit gewonnen, ohne dass dabei das Ei-Innere beschädigt wird. Anhand dieser Proben wird das Geschlecht mit einem biotechnologischen Verfahren innerhalb kurzer Zeit bestimmt.

Seit November 2018 kannst du im Supermarkt Eier von Hennen kaufen, die mit Hilfe der Geschlechtsbestimmung ohne Kükentöten gezüchtet wurden.

Die Rewe Group verkauft bereits bundesweit in vielen Rewe- und Penny-Märkten "Respeggt-Eier", bei denen per "Seleggt"-Verfahren die männlichen Embryos aussortiert wurden. Bei Aldi werden seit Februar ähnlich produzierte Eier angeboten.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. So sei die Geschlechtsbestimmung keine langfristige Lösung des eigentlichen Problems: die Massentierhaltung.

Respeggt-Stempel: "saubere" Eier aus dem Supermarkt

Respeggt-Stempel: "saubere" Eier aus dem Supermarkt

Dank eines bestimmten Verfahrens sollen die Tötungen der männlichen Küken reduziert oder gar komplett abgeschafft werden. Was es genau mit den sogenannten Respeggt-Eiern auf sich hat, erfährst du hier im Video.

Bruderhahn

Die Bruderhahn Initiative Deutschland (BID) gibt es seit 8 Jahren. Mittlerweile sind rund 30 landwirtschaftliche Betriebe und Großhandelsunternehmen an der Initiative beteiligt.

Das Ziel: Die männlichen Küken sollen mit aufgezogen werden. Denn sie sind keine sinnlosen Fresser, wie Carsten Bauck, Gründer der Initiative, betont:

"Der Hahn strukturiert der Henne den ganzen Tag: Morgens kräht er [...] und sagt: Morgen Mädels, es wird Zeit aufzustehen. Und abends bringt er sie ins Bett. Dazwischen zeigt er, wo das beste Futter zu finden ist. Er zeigt, wo die schönste Nestablage für die Eier ist. Der Hahn ist für seine 40 Mädels zuständig."

Gerettet wird der Hahn quasi durch seine "Mädels". Denn diese legen die Eier, die dann im Handel 4 Cent mehr kosten. Durch diesen Aufpreis wird das Futter der Bruderhähne finanziert. Vorteil: Die längere Mastzeit für Hähne ist für den Landwirt kein finanzielles Problem mehr - und ihr Fleisch kann zu normalen Preisen angeboten werden.

Bruderhahn-Eier gibt es in Bio-Läden und -Supermärkten sowie in ausgewählten Lebensmittelgeschäften. Du erkennst sie nicht am Ei selbst, sondern an der Verpackung, auf der dieses Siegel abgedruckt ist:

Ist dieses Logo auf einer Eier-Verpackung, handelt es sich um eine Haltung, bei der auch die Hähne groß werden dürfen.


Dieses Logo auf einer Eier-Verpackung bedeutet: Bei der Haltung dürfen auch die Hähne groß werden.
© Bruderhahn Initiative Deutschland e.V.

 

Eine Liste mit Geschäften, bei denen es BID-Eier gibt, findest du hier.

Weitere Initiativen, die bei der Eierproduktion die Bruderhähne der Legehennen mit aufziehen:

  • haehnlein (bei Denn's in ganz Deutschland, Alnatura in Hamburg, Bremen, Hannover und NRW sowie in vielen Edeka-, Rewe-, tegut-, Hit- und Real-Filialen)
  • Spitz & Bube von Rewe (bei Rewe oder Penny in ganz Deutschland)
  • Eier von Alnatura und Alnatura Origin und der Biomarktkette Basic (in ganz Deutschland)

Auch in der konventionellen Landwirtschaft gibt es inzwischen ähnliche Projekte. Frag einfach mal im Supermarkt deines Vertrauens danach.

 

Zweinutzungshuhn

Bei Zweinutzungshühnern wachsen die weiblichen Küken zu Legehennen heran und die männlichen Küken werden zur Mast aufgezogen. Damit hätten Landwirte theoretisch von beiden Geschlechtern einen Nutzen und das Kükentöten wäre überflüssig.

In Deutschland kommen Zweinutzungshühner aktuell allerdings nur im kleinen Stil auf einigen Bio-Höfen vor. Denn: Hühner der Zweinutzungsrassen legen im Vergleich zu denen reiner Legelinien deutlich weniger Eier. Auch die männlichen Tiere der Zweinutzungsrassen nehmen im Vergleich zu Hähnen der üblichen Mastlinien wesentlich langsamer an Gewicht zu.

Ziel der Forschung ist es daher, ein Zweinutzungshuhn zu züchten, dessen Haltung für Landwirte rentabel ist.

Die Initiative "das Zweinutzungshuhn" setzt sich schon jetzt für die ökologische Haltung der Hühnerrasse "Les Bleues" als Zweinutzungshuhn ein. In dieser Liste findest du Höfe und Händler, die "Les Bleues"-Hühner (nach Öko-Richtlinien) halten.

Weitere Initiativen, die sich für die Haltung von Zweinutzungshühnern einsetzen:

  • Herrmannsdorfer Landwerkstätten (in vielen Bioläden in ganz Deutschland)
  • ei Care (in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern)
  • Huhn und Hahn mit der Eigenmarke "Unsere Heimat" (bei Edeka in Baden-Württemberg, Rewe und Kaufland in Baden-Württemberg und Bayern)
  • Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ) (in Bioläden in ganz Deutschland)

Wir haben eine Kükenretterin besucht!

Wir haben eine Kükenretterin besucht!

Diese Frau hat eine einmalige Superfähigkeit. Sie kann nämlich in Hühnereier hineinsehen und löst damit das größte Problem der Eier-Industrie. Für Galileo ist sie damit ein echter Science Superhero!

Was bedeutet der Code auf dem Ei?

Die Kennzeichnung der Eier ist EU-weit verbindlich geregelt. Die ersten beiden Angaben richten sich an die Verbraucher:innen und geben die Haltung und Herkunft an.

Die Betriebsnummer wiederum richtet sich an die zuständigen Kontrollbehörden - etwa wie ein Kfz-Kennzeichen.

Ein Beispiel für einen deutschen Erzeugercode: 1-DE-0212341.

1. Code für das Haltungssystem

  • 0 = Ökologische Erzeugung
  • 1 = Freilandhaltung
  • 2 = Bodenhaltung
  • 3 = Käfighaltung

2. Ländercode (Herkunft)

  • AT = Österreich
  • BE = Belgien
  • DE = Deutschland
  • NL = Niederlande

3. Identifizierung des Betriebs

Jeder Mitgliedstaat hat ein System eingerichtet, mit dem Erzeugerbetrieben eine individuelle Nummer zugewiesen wird. Die ersten beiden Stellen identifizieren das Bundesland, die 3. bis 6. Stelle den Betrieb und die 7. Stelle den jeweiligen Stall.

Die Bundesländer haben folgende Kennung:

01 = Schleswig-Holstein
02 = Hamburg
03 = Niedersachsen
04 = Bremen
05 = Nordrhein-Westfalen
06 = Hessen
07 = Rheinland-Pfalz
08 = Baden-Württemberg
09 = Bayern
10 = Saarland
11 = Berlin
12 = Brandenburg
13 = Mecklenburg-Vorpommern
14 = Sachsen
15 = Sachsen-Anhalt
16 = Thüringen

4. Güteklasse

Kriterien für die Einteilung in eine Güteklasse sind der Zustand von Schale und Kutikula, Luftkammer, Eiklar, Dotter, Keim sowie der Geruch des Eis. Hierbei wird unterschieden zwischen:

  • Klasse A (frisch): Eier dürfen weder gewaschen noch anderweitig gereinigt, nicht haltbar gemacht oder gekühlt werden.
  • Klasse B oder (Eier zweiter Qualität oder deklassiert) sind für Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie und Unternehmen der Nicht-Nahrungsmittelindustrie bestimmt.

5. Gewichtsklasse

  • XL = 73 Gramm und mehr
  • L = 63 Gramm bis unter 73
  • M = 53 Gramm bis unter 63
  • S = unter 53 Gramm

6. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)

Das Mindesthaltbarkeitsdatum von Eiern darf 28 Tage nach dem Legen nicht überschreiten. Letztes Verkaufsdatum ist damit der 21. Tag nach dem Legen. Bei Eiern der Güteklasse B wird statt des Mindesthaltbarkeitsdatums das Verpackungsdatum angegeben.

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Das solltest du dir merken

  • Übers Internet und der auf dem Ei gedruckten Angaben bekommst du Infos über die Erzeugerbetriebe. Oder: Du nimmst Kontakt mit dem auf der Verpackung genannten Unternehmen beziehungsweise der Organisation auf.

  • Wer sicher gehen will, etwas gegen das Kükentöten zu tun, kann neben der gezielten Auswahl der Produkte auch einfach weniger Eier konsumieren.

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Veröffentlicht: 21.05.2021 / Autor: Viviane Osswald