University of Harvard/Vivien Standen

Die ältesten Mumien der Welt verwandeln sich gerade in schwarzen Schleim

vor 1 Jahr

Nein, das ist kein Science-Fiction-Film, über den wir berichten, sondern Realität. Die ältesten bisher gefundenen Mumien lösen sich zwar nicht in Luft auf, werden aber zu schwarzem Schleim. Und die Forscher wissen nicht, wie sie das stoppen können.

Seit etwa 1900 wurden fast 300 Mumien im nördlichen Chile gefunden. Sie sind mindestens 7.000 Jahre alt und damit die ältesten weltweit. Die Ägypter haben nämlich erst 2.000 Jahre später angefangen, ihre Pharaonen mumifiziert in Särge zu legen.

Über einhundert der chilenischen Mumien sind momentan akut bedroht. Denn die Überreste scheinen sich langsam aufzulösen – und verwandeln sich in schwarzes, klebriges Zeug. Die Wissenschaftler der University of Tarapaca beobachten das schon seit dem letzten Jahr, sind aber noch ratlos. Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, haben sie sich jetzt an die UNESCO gewandt. Sie wollen die Mumien zum Weltkulturerbe erklären lassen. Dann würden sie bessere Ausrüstung bekommen, um den Zerfall zu verhindern.

Mumien

Kopf und Oberkörper einer Chinchurro-Mumie
Durch die Luftfeuchtigkeit wird die Zersetzung beschleunigt.
© University of Harvard/Vivien Standen

Der kommt von Bakterien, die sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit in den Leichen breitmachen.

Denn anhand der Mumien lassen sich viele Rätsel der Vergangenheit lösen. Sie alle stammen vom Volk der Chinchorros. Das waren Jäger und Sammler. Das Besondere an ihnen: Sie haben nicht nur ihre Anführer und Herrscher mumifiziert (wie die Ägypter), sondern anscheinend alle Menschen. Es wurden Überreste von Erwachsenen, Kindern, Babys und sogar Föten gefunden. Und sie waren für ihre flachen Hierarchien bekannt.

Mumien

Komplette Chinchorro Mumie
Liegt im San Miguel de Azapa Museum in Arica, Chile.
© University of Harvard/Vivien Standen

Die Wissenschaftler haben auch schon einen Verdacht, warum die Chinchorros ihre Angehörigen mumifiziert haben. In den Überresten fanden sie Hinweise auf Arsen. Ein Gift, das die Menschen damals durch kontaminiertes Wasser in Vulkannähe aufgenommen haben. Es hat zu Fehlgeburten und dem Tod von Kleinkindern geführt, weshalb besonders viele Föten und Babys gefunden wurden. Aus Trauer über die Verluste haben die Menschen angefangen, ihren Nachwuchs einzubalsamieren. Und nach und nach haben sie es auch mit den Erwachsenen getan. Darauf kommen die Forscher, weil die ältesten, gefundenen Mumien allesamt Kleinkinder waren.

Warum sie bisher überhaupt so gut erhalten waren, hat einen Grund: Sie waren tausende Jahre unter dem trockenen Sand der Atacamawüste versteckt. Über 400 Jahre lang haben sie nicht mal einen Regentropfen gesehen.

Mumien

Atacamawüste
Fundort der Mumien
© University of Harvward/Marcela Sepulveda

Im letzten Jahrhundert wurden sie nach und nach zur Konservierung in spezielle Einrichtungen geschafft. Und dann ging es vergangenes Jahr mit dem Schleim los. Die chilenischen Forscher wandten sich für Hilfe zunächst an die Harvard Universität. Der Zerfall war zwar für sie logisch, aber man wusste nicht genau, warum und was man dagegen tun könne. Denn Gewebeproben bestätigten, dass es sich hierbei nicht um Bakterien von damals handelte, sondern um welche aus der heutigen Zeit, die sich normal auf unserer Haut befinden. Bei den Mumien aber beschleunigen sie den Zersetzungsprozess. Durch die richtige Temperatur und die richtige Luftfeuchtigkeit wurden sie quasi aktiviert und ernähren sich nun von der Haut der Mumien. Deshalb müssen Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant gleich gehalten werden, sonst gibt es die mumifizierten Leichen bald nicht mehr.

Jetzt hoffen die Forscher, dass die UNESCO zustimmt. Die Unterstützung ist erforderlich, um die Mumien zu retten. Schließlich könnten wir mit ihrer Hilfe noch weitere Geheimnisse der Menschheit aufdecken.

Jetzt wisst ihr zwar, wie die Chinchorros dazu kamen, ihre Verstorbenen zu mumifizieren. Aber warum haben die Ägypter damit angefangen? Und wie geht das? Das klären wir hier:

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