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Zerkarien, Vibrionen und Blaualgen: Worauf du beim Baden achten solltest

Nichts ist im Sommer schöner als der Sprung ins Wasser. Bei steigenden Temperaturen vermehren sich allerdings auch Bakterien und Keime in Seen, Flüssen und im Meer. Welche Gefahr geht von ihnen aus?
Zerkarien, Vibrionen. Blaualgen können im Badewasser lauern. Worauf du achten musst, erfährst du hier.

Pack die Badehose ein! So sauber ist das Wasser

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    Top-Wasserqualität in Seen, Flüssen und an der Küste: 93 Prozent aller deutschen Badegewässer wurden von der EU-Kommission im Jahr 2019 mit Bestnote ausgezeichnet.

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    Und die gute Nachricht: Meist bleibt die Wasserqualität über viele Jahre konstant, zeigen statistische Auswertungen.

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    Dennoch: Bei hohen Wassertemperaturen über einen längeren Zeitraum können sich Bakterien und Keime vermehren und dem Menschen schaden.

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    In einigen Gewässern in Deutschland herrscht Badeverbot wegen Blaualgen. Infos zu deiner (Urlaubs-)Region findest du weiter unten.

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    Menschen mit einer Infektion der Atemwege oder Durchfall sollten aus Rücksicht auf andere Schwimmer nicht baden.

Vibrionen - fleischfressende Bakterien an den Küsten

Vibrionen sind Bakterien, die in der Ostsee vorkommen.


Ab 20 Grad Wassertemperatur können sich Vibrionen im Meer schnell vermehren.
© Getty Images

 

Wo kommen Vibrionen vor?

In salzhaltigen Gewässern wie der Nord- und Ostsee und in Flussmündungen. Die stäbchenförmigen Bakterien leben bei niedrigen Temperaturen am Boden.

Wann werden sie zur Gefahr?

Steigt die Wassertemperatur über 20 Grad, vermehren sich Vibrionen rasant. Wissenschaftler erwarten, dass es durch den Klimawandel künftig mehr Infektionen mit Vibrionen geben wird, berichtet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Folgen für die Gesundheit

Vibrionen dringen über Wunden und offene Stellen der Haut in den Körper ein. Typische Symptome: Wundinfektionen, Rötungen und Blasen auf der Haut. Dazu kommen oft Schüttelfrost und Brech-Durchfall. Im schlimmsten Fall droht ein Schock. Besonders gefährdet sind immunschwache Menschen und Diabetiker.

Was tun?

Bemerkst du Anzeichen einer Erkrankung, geh zum Arzt. Der behandelt Patienten meist mit Antibiotika.

Blaualgen - grüne Schlieren im Badesee

Blaualgen im Badesee: Die Cyanobakterien produzieren giftige Stoffe.


Blaualgen sind eigentlich Bakterien. Sie bilden grüne Schlieren im Wasser.
© picture alliance/dpa

 

Wo kommen Blaualgen vor?

Meist in Badeseen. 105 Badegewässer wurden 2019 in Deutschland wegen mangelnder Wasserqualität geschlossen. Bei der Hälfte der Fälle (52) waren Blaualgen der Grund für das Badeverbot. Es sind eigentlich keine Algen, sondern Cyano-Bakterien. Sie kommen besonders häufig in flachen Bereichen vor.

Wann werden sie zur Gefahr?

Blaualgen im Wasser sind normal. Bei hohem Nährstoffgehalt und steigenden Temperaturen ab 20/25 Grad, vermehren sie sich und produzieren Giftstoffe. Örtliche Behörden stellen in dem Fall meist Warnschilder auf.

Woran erkenne ich Blaualgen?

Das Wasser sieht aus wie grüne Entengrütze. Tipp: Stehst du knietief im See und kannst deine Füße wegen einer grün-blauen Trübung nicht mehr erkennen, lass das Baden lieber sein.

Gesundheitliche Risiken

Schluckst du Blaualgen, drohen Durchfall, Ohr-, Augen- und Nasen-Entzündungen, Erbrechen, Schwindel und Benommenheit. Gefährdet sind Kinder, die im flachen Wasser toben und viel Wasser schlucken.

Was tun?

Dusche dich nach dem Baden gründlich ab. Spüle das Badezeug aus. Bei Beschwerden suche einen Arzt auf. Bestätigt sich eine Blaualgen-Vergiftung, informiere das Gesundheitsamt.

Zerkarien - Würmer lösen juckende Hautquaddeln aus

Zerkarien-Parasiten im Badewasser


Zerkarien bohren sich in die Haut von Vögeln und werden über deren Kot ins Wasser ausgeschieden.
© Getty Images

 

Wo kommen Zerkarien vor?

In Binnengewässern wie Seen. Die Saugwürmer befallen normalerweise Vögel. Ihre Zwischenwirte sind Wasserschnecken. Bei Temperaturen über 20 Grad schwärmen Zerkarien aus  - und befallen fälschlicherweise auch Menschen.

Sind Zerkarien gefährlich?

Die Larven bohren sich in die Haut. Es entstehen kleine Quaddel, die wie Mückenstiche aussehen (Badedermatitis). Das Immunsystem bekämpft sie sofort. In der Regel sind die Quaddeln ungefährlich und verschwinden nach wenigen Tagen von selbst.

Wichtig: nicht aufkratzen! Sonst drohen Entzündungen, die dann vom Arzt behandelt werden sollten.

Wie kann man einen Befall vermeiden?

Geh nicht in flache Uferabschnitte mit vielen Wasservögeln. Enten und Co. scheiden Zerkarien-Eier über ihren Kot aus. Wechsle dein Badezeug nach dem Schwimmen und dusche dich ab.

Schlecht Wasser droht = Badeverbot

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    Gesundheitsämter prüfen regelmäßig, ob das Wasser in Badeseen und Co. eine gute Qualität hat. Bei zu hohen Werten von Bakterien, Keimen und Parasiten stehen an den Gewässern Badeverbots-Schilder.

Kann ich mich beim Baden mit Corona anstecken?

Laut WHO gibt es keine Hinweise darauf, dass Menschen sich mit Covid-19 über den Wasserweg anstecken - berichtet das Umweltbundesamt auf Facebook und in einer ausführlichen Stellungnahme.

Veröffentlicht: 30.07.2020 / Autor: Alena Brandt