Galileo WM CopyCreated with Sketch.
  1. Galileo WM CopyCreated with Sketch.Galileo
  2. Gesundheit
Weiße Zecke

Weiße Zecken: Was sagt die Farbe über Zecken aus?

Es gibt weiße Zecken und braune Zecken. Was die Farbe aussagt und welche Zeckenarten dir gefährlich werden können, erfährst du hier. Zecken übertragen nämlich Krankheiten wie FSME und Borreliose - eine Art sogar ein tödliches Gift.
Weiße Zecken: Was sagt die Farbe über Zecken aus?
12

Zecken: Die wichtigsten Fakten

  • Weltweit gibt es rund 900 Zeckenarten, in Deutschland 15. Viele Arten übertragen Krankheiten wie FSME, Borreliose oder Babesiose. Mehr dazu unten.

  • Alle Zecken sind Parasiten. Sie ernähren sich von Blut. Dafür rammen sie ihren Stechrüssel in die Haut von Tier und Mensch - oft dort wo die Haut feucht, dünn, warm und gut durchblutet ist beispielsweise in der Leiste oder Achsel.

  • Zecken gehören zur Klasse der Spinnentiere und der Unterklasse der Milben. Das erkennst du an den 8 Beinen. Es gibt 2 große Familien: die Schildzecken mit über 700 Arten und die Lederzecken mit rund 190 Arten.

  • Schildzecken kommen weltweit vor, also auch in Europa. Sie befallen Tiere und mehrere Arten auch Menschen. Ihren Namen haben sie dem charakteristischen Rückenschild zu verdanken. Der Kopf sitz vorne am Schild und ist sichtbar.

  • Bei Lederzecken ist der Kopf von oben nicht sichtbar. Diese Zecken befallen in erster Linie Tiere in den Subtropen und Tropen, einige aber auch Menschen.

  • Die meisten Zecken leben auf Wiesen, im Gebüsch oder im Wald. Einige Arten lauern auf einer Pflanze und heften sich an den Wirt, sobald er in ihre Nähe kommt - so auch die häufigste Zecke in Deutschland: der Gemeine Holzbock. Andere Arten machen sich dagegen aktiv auf die Wirtssuche.

  • Den Wirt spüren Zecken mithilfe verschiedener Sensoren auf - insbesondere dem Haller-Organ am Bein. Die Sensoren nehmen unter anderem Kohlendioxid, Ammoniak, Milchsäure und Buttersäure in Atem und Schweiß des Wirts wahr. Ferner registrieren die Tiere Lichtveränderung und Vibrationen.

Die weiße Zecke: Woher kommt ihre Farbe?

Viele Zecken sind bräunlich gefärbt. Doch wenn sie Blut saugen und ihr Körper dadurch immer mehr anschwillt, werden sie weiß. Bei braunen und weißen Zecken handelt es daher nicht unbedingt um andere Arten, sondern um einen anderen Saugstatus.

Gemeiner Holzbock


Der in Deutschland stark verbreitete Gemeine Holzbock wird bis zu 4 Millimeter groß. Sein Körper ist rotbraun mit einem dunklen Rückenschild. Doch das Tier wandelt sich zur silbernen Zecke oder weißen Zecke. Mit Blut vollgesogen wird der Körper nämlich grau bis weiß.
© picture alliance/blickwinkel/R. Sturm

Sind weiße Zecken gefährlich?

Stunden, Tage oder Wochen hängen Zecken am Wirt und saugen Blut. Dabei werden sie immer größer, schwerer und weißer. Im Vergleich zu braunen Zecken, sind weiße Zecken daher nicht per se gefährlicher.

Bei einigen Krankheiten wie Borreliose macht es allerdings einen Unterschied, wie lange die Zecke Blut saugt: Je länger sie saugt, desto größer ist das Risiko, dass die Borrelien ins menschliche Blut gelangen.

Es gibt allerdings eine von Beginn an weiße Zecke, die richtig gefährlich ist - und zwar ...

Die weiße Zecke in Australien kann tödlich sein

Ixodes holocyclus

Die weiße Zecke Ixodes holocyclus, welche in Australien beheimatet ist, überträgt verschiedene Krankheiten. Doch damit nicht genug: Beim Stich wird auch ein Gift übertragen. Dieses kann die sogenannte Zeckenparalyse mit Lähmungen auslösen. Schreiten die Lähmungen bis zur Atemmuskulatur vor, kann man an Atemstillstand sterben.

Warum gibt es Zecken überhaupt?

Warum gibt es Zecken überhaupt?

"Eine parasitisch lebende Milbe" - Das findet man, wenn man nach der Zecke im Duden nachschlägt. Im Extremfall hängt sie bis zu 15 Tage an ihrem Wirt. Doch warum existiert der kleine Vielfraß überhaupt?

Larve, Nymphe, Adult: die Entwicklungsstadien der Zecke

Noch klein und braun sticht die Zecke zu. Später fällt sie als silberne oder weiße Zecke ab, wenn sie mit Blut gesättigt ist. Bei männlichen Schildzecken ist dies nach wenigen Tagen der Fall, da sie das Blut nur zur eigenen Ernährung benötigen.

Weibliche Schildzecken saugen bis zu mehreren Wochen. Sie brauchen das Blut zur Ernährung und Ei-Bildung. Durch das Blut können sie das Hundertfache an Gewicht zulegen und bis zu 3 Zentimeter anschwellen. 

Lederzecken saugen nur Minuten bis Stunden an einem Wirt - dafür aber öfter.

Die abgefallenen, vollgesogenen Weibchen suchen am Boden eine geschützte Stelle und legen dort bis zu 20.000 Eier. Das kann Tage dauern. Danach stirbt das Weibchen.

Aus den Eiern schlüpfen winzige, oft weißliche Larven mit 6 Beinen. Diese suchen einen Wirt und saugen ein paar Tage Blut. Später häuten sie sich und werden zu Nymphen mit 8 Beinen.

Viele der Nymphen, die sich bei uns im Sommer oder Herbst gehäutet haben, suchen erst im Frühjahr einen neuen Wirt. Bis dahin fallen sie wegen der Kälte in ein Ruhestadium. Hat die Nymphe später genug Blut gesaugt, häutet sie sich und wird zum erwachsenen (adulten) Tier.

Entwicklungsstadien der Zecken


Die Entwicklungsstadien der Zecke. Von links: ein erwachsenes Weibchen, ein erwachsenes Männchen, eine Nymphe und eine Larve.
© picture alliance/KEYSTONE GAETAN BALLY

Zeckenarten: Diese Zecken kommen in Deutschland am häufigsten vor

  • 🌳

    In Deutschland werden die meisten Menschen vom Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) gestochen. Er ist bei uns die häufigste Zeckenart.

  • 🧐

    Der Gemeine Holzbock lauert im Garten, Wald, Park und auf Wiesen. Er befällt Tiere und Menschen - und überträgt die gefürchteten Krankheiten FSME und Borreliose.

  • 🌍

    Erst vor einigen Jahren entdeckten Forscher in Deutschland eine neue Zeckenart, die möglicherweise auch FSME übertragen kann: Ixodes inopinatus. Ursprünglich stammt die Art aus dem Mittelmeer-Raum.

  • 🐕

    Viele andere deutsche Zeckenarten befallen vor allem Tiere etwa die Auwaldzecke, Igelzecke, Schafszecke, Taubenzecke oder die braune Hundezecke.

  • Wird es im Winter sehr kalt, fallen Zecken in eine Winterruhe. Dies ändert sich durch die Erderwärmung: In milden Wintern sind die Krabbler nun teils auch in Deutschland ganzjährig aktiv.

FSME und Borreliose: Das ist der Unterschied

FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Infektionserkrankung, die durch Viren ausgelöst wird. 2020 gab es in Deutschland über 700 Fälle - so viele wie noch nie. FSME verursacht zunächst oft grippeähnliche Symptome. Später kann es zu einer lebensgefährlichen Hirnhautentzündung kommen.

Zecken mit FSME-Viren gibt es in immer mehr Regionen Deutschlands. Zu den Risikogebieten zählen Bayern, Baden-Württemberg, Süd-Hessen, Südost-Thüringen und Sachsen. Zudem gibt es einzelne Risikogebiete in Mittel-Hessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Wenn du in einem Risikogebiet lebst und oft draußen bist oder dort Urlaub verbringst, ist eine Impfung sinnvoll. Mehr zu FSME, der FSME-Impfung und eine Karte der genauen Risikogebiete findest du hier.

Borreliose wird durch Bakterien verursacht. Zecken in ganz Deutschland können sie übertragen. Laut Schätzung gibt es jährlich 40.000 bis 200.000 Neuerkrankungen: Wanderröte, Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, Müdigkeit, Nervenschmerzen, Lähmungen, Taubheitsgefühl und Gelenkentzündungen sind typische Beschwerden.

Eine Impfung gibt es nicht, dafür helfen aber Antibiotika, wenn man sie zeitnah einnimmt. Generell gilt: Entferne Zecken immer sofort. Das minimiert dein Risiko für Borreliose, da die Bakterien erst nach 12 Stunden in großer Menge übertragen werden.

So schützt du dich vor einem Zeckenstich

  • 🧦

    Trage im Wald und Garten lange Kleidung. Auf hellem Stoff sind Zecken besonders schnell erkennbar. Stecke die Socken in die Hose.

  • 🌿

    Meide den Kontakt mit hoher Vegetation am Wegesrand und verlasse bei Spaziergängen im Wald oder Park nicht die Wege.

  • 💧

    Verwende Zeckenschutz-Mittel. Die schützen jedoch nur rund 1 bis 3 Stunden und müssen immer wieder neu aufgetragen werden.

  • 🕵️‍♂️

    Suche nach einem Spaziergang deinen Körper nach Zecken ab. Zecken bevorzugen dünne, warme Hautstellen. Untersuche deswegen besonders Arme, Kniekehlen, Hals, Kopf und den Intimbereich. Je früher du die Zecke entfernst, desto geringer ist dein Risiko für Borreliose.

  • 💉

    Gegen FSME kannst du dich per Impfung schützen. Das macht vor allem Sinn, wenn du in einem Risikogebiet lebst.

Ist die weiße Zecke bedenklich für Hunde?

Weiße Zecken bei Hunden sind ebenso wie bei Menschen keine neue Zeckenart, sondern einfach eine vollgesogene Zecke. Hunde können durch Zecken verschiedene Krankheiten bekommen.

Einige Schildzecken etwa übertragen nach rund 48 bis 72 Stunden Babesien. Diese Parasiten führen zur Babesiose: Blutzellen werden zerstört. Es kommt zu Blutarmut, Atemnot, Leberschäden, Nierenversagen und letztendlich zum Tod. Auch Menschen können daran erkranken.

Hund mit Zecke


Dunkle und weiße Zecken bei Hunden können gefährlich sein.
© Getty Images

Was hilft gegen Zecken bei Hund und Katze

Um deinen Vierbeiner zu schützen, solltest du ihn nach Spaziergängen gründlich absuchen und Zecken so schnell wie möglich mit einer Zeckenzange oder einem Zeckenhaken korrekt entfernen.

Vorbeugend gibt es sogenannte "Spot-on"-Präparate mit dem Wirkstoff Fipronil. Das Medikament träufelst du Hund oder Katze in den Nacken, sodass sie es nicht ablecken können.

Achtung bei Katzen: Präparate mit dem Wirkstoff Permethin sind für sie giftig. Auch ein Parasiten-Halsband ist ungeeignet. Damit kann die Mieze beim Klettern in Bäumen hängenbleiben.

Einige Tierhalter schwören auf Naturheilmittel wie Bierhefe, Kokos- und Schwarzkümmel-Öl. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich aber nicht nachgewiesen.

Veröffentlicht: 19.03.2021 / Autor: Larissa Melville