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Frau sitzt auf Bett im Streit

Toxic Positivity: Darum solltest du deine negativen Gefühle nicht ignorieren

Toxic Positivity bedeutet, in allem etwas Gutes zu sehen. Immer positiv zu bleiben, egal wie schwierig das Leben gerade ist. Doch unsere negativen Gefühle einfach weg zu lächeln, ist nicht gesund. Wir erklären dir, was dahinter steckt. Im Clip: Warum wir weinen.
Toxic Positivity: Darum solltest du deine negativen Gefühle nicht ignorieren
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Toxic Positivity: Die wichtigsten Fakten

  • Eine Trennung, der Verlust eines nahestehenden Menschen oder Arbeitslosigkeit. All diese Ereignisse können uns erschüttern. Toxisch positive Menschen verdrängen die negativen Emotionen und sagen: "Sieh doch mal die positive Seite daran."

  • Ein gewisser Optimismus ist wichtig und nachgewiesen sogar förderlich für unsere Gesundheit. Gar keine negativen Gefühle wie Wut, Trauer oder Angst zuzulassen, ist jedoch ungesund, also toxisch, denn auch sie haben eine Funktion für unsere Psyche.

  • Besonders auf Social Media ist dir Toxic Positivity vielleicht schon begegnet. Hier ist der Hashtag #goodvibesonly ein weitverbreitetes Phänomen bei Happiness-Gurus und Co.

Was ist Toxic Positivity?

Du suchst nach einer Definition für Toxic Positivity? Es ist eine ungesunde Art, alles im Leben ins Positive zu drehen und negative Gefühle zu unterdrücken. Der Begriff hat seinen Ursprung in den USA, wo Positivität tief verankert ist.

Wenn etwa jemand nach einer Trennung zu dir sagt "Ach, da kommt sicher was Besseres" wird deine natürliche Trauer nicht anerkannt. Auch Sätze wie "Anderen geht es doch viel schlechter" oder "Es hat alles immer einen Sinn" helfen in schwierigen Situationen nicht weiter und sind typische Beispiele für Toxic Positivity.

Negative Emotionen sind zwar unangenehm, aber für die Verarbeitung bestimmter Lebensereignisse wichtig. Es ist belegt, dass sie sogar verstärkt werden, wenn wir sie nicht beachten. Eine Untersuchung der Uni Jena aus dem Jahr 2012 zeigte etwa, dass emotionale Verdrängung zu erhöhtem Blutdruck und Folgeerkrankungen führen kann.

Wie zeigt sich Toxic Positivity?

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    Du versuchst die negativen Empfindungen deiner Mitmenschen kleinzureden.

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    Du schämst dich selbst dafür, wenn du traurig, wütend oder verärgert bist.

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    Du versuchst deine wahren Gefühle zu überspielen und immer gut gelaunt zu wirken.

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    Du kannst nicht nachempfinden, wieso andere Menschen nicht immer das Beste aus ihrer Situation machen und nicht einfach nach vorne schauen.

Toxic Positivity: Mit negativen Emotionen umgehen

  • Nimm deine Gefühle wahr und schreibe sie auf. Wie fühlst du dich gerade? Alle Gefühle sind erlaubt.

  • Vielleicht fühlst du sowohl negative als auch positive Emotionen gleichzeitig. Auch das ist okay. Manches im Leben ist komplex.

  • Wut, Traurigkeit oder etwa Angst können Wegweiser sein, die uns darauf aufmerksam machen, etwas im Leben zu verändern. Gib dir keine Schuld dafür, dass du dich gerade fühlst, wie du dich fühlst.

  • Wenn dich die negativen Emotionen überwältigen, drücke sie nicht weg, sondern versuche ihnen mit Selbstmitgefühl und Selbstfürsorge zu begegnen.

  • Vertrauen sich andere dir mit ihren Problemen an, nehme sie ernst und versuche nicht, in allem etwas Gutes zu sehen. Stattdessen höre zu und versichere der Person, dass du für sie da bist.

Optimismus oder Toxic Positivity?

Der Unterschied zwischen Optimismus und Toxic Positivity liegt darin, dass man auch optimistisch sein kann, wenn man seine negativen Gefühle ehrlich anerkennt. Bei Toxic Positivity gibt man dem aber gar keinen Raum. Dabei geht es darum, Gefühle ohne Wertung anzunehmen und zu akzeptieren – ohne sie gut finden zu müssen.

Veröffentlicht: 01.08.2022 / Autorin: Bianca Leppert