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Tempo 30 in Städten: Bist du dafür oder dagegen?

Tempo 30 in Städten: Was dafür und was dagegen spricht

7 deutsche Großstädte wollen ein großflächiges Tempolimit von 30 km/h testen. Es soll mit Ausnahme weniger Hauptverkehrs-Straßen im gesamten Stadtgebiet gelten und die Lebensqualität in Ballungsräumen verbessern. Bist du dafür oder dagegen? Weiter unten erfährst du, wie die Galileo-User abgestimmt haben!
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Das Wichtigste zum Thema Tempo 30

  • In Deutschland gilt seit 1957 eine generelle Geschwindigkeits-Beschränkung von 50 km/h innerorts - festgelegt in der Straßenverkehrsordnung (StVO). In besonderen Fällen kann ein davon abweichendes Tempolimit angeordnet werden.

  • 7 deutsche Städte beteiligen sich nun an der "Städte-Initiative Tempo 30". Das sind Aachen, Augsburg, Freiburg, Hannover, Leipzig, Münster und Ulm. Auch Bonn möchte sich anschließen. Der Deutsche Städtetag in Berlin unterstützt das Projekt.

  • Geplant ist ein Mix: Tempo 50 auf vielbefahrenen Straßen - und überall sonst Tempo 30. Der Bund muss diesem Plan aber noch zustimmen.

  • Aktuell erlaubt Paragraph 45 der StVO nämlich eine Umgestaltung des Straßenraums nur dann, wenn die Kommunen eine konkrete Gefährdung nachweisen können. Die Städte hoffen nun, dass es nach der Bundestagswahl schnell zu einer Gesetzesänderung kommt, die es den Kommunen ermöglicht, selbständig über angemessene Geschwindigkeits-Begrenzungen zu entscheiden.

  • Ziel des Projekts ist es, die Lebensqualität in den Städten zu verbessern, den Verkehrslärm und die Luftbelastung zu reduzieren - und das ohne den Verkehr einzuschränken. Wie stehst du dazu: Bist du dafür oder dagegen?

So haben die Galileo-User in der App abgestimmt

Eindeutiges Ergebnis: 82 Prozent der Zusehenden sind gegen ein Tempolimit von 30 km/h in Städten. 18 Prozent sind dafür.

Eindeutiges Ergebnis: 82 Prozent der Zusehenden sind gegen ein Tempolimit von 30 km/h in Städten. 18 Prozent sind dafür.

Tempo 30 in Städten: Das sagen die Befürwörter:innen

  • 🦺

    Sicherheit: Laut einer Studie des Umweltbundesamts benötigen Autofahrende bei Tempo 50 doppelt so lange, um anzuhalten wie bei Tempo 30. Auch Unfälle zwischen Autos und zu Fuß Gehenden oder Rad Fahrenden enden häufiger tödlich.

  • Bei ähnlicher Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmenden würden weniger Unfälle passieren, sagt Philipp Kosok von der "AGORA Verkehswende".

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    Geringere Verletzungsgefahr bei Unfällen: Untersuchungen ergaben, dass der Zusammenprall eines Fahrzeugs mit Tempo 50 mit einem zu Fuß Gehenden einem Sturz aus 10 Metern Höhe entspricht. Die Überlebens-Chancen liegen hier bei gerade einmal 30 Prozent. Bei Tempo 30 würde eine Kollision einem Sturz aus 3,5 Metern entsprechen. Die Überlebens-Chancen steigen auf 90 Prozent.

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    Reduzierung des Verkehrslärms auf den Straßen: Mit Tempo 30 würde weniger Lärm verursacht. Laut Untersuchungen senkt Tempo 30 innerorts den Verkehrslärm um 1 bis 3 Dezibel gegenüber Tempo 50.

  • 🌳

    Verbesserung des Klimas: Mehr als 163 Millionen Tonnen CO2 geben deutsche PKW jedes Jahr in die Umwelt ab. Die Befürworter:innen sind sich sicher: Mit Tempo 30 ließen sich 40 bis 50 Prozent der Schadstoffe einsparen. Je mehr Straßen mit einem Tempolimit von 30 km/h versehen sind, desto attraktiver werden zudem Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel.

  • 🚘

    Tempo 30 könnte den Verkehrsfluss verbessern: Wenn alle gleichmäßig fahren und dabei weniger bremsen und beschleunigen, könnte dies Staus reduzieren.

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    Der Schilderwald könnte gelichtet werden: Ein generelles Tempolimit von 30 km/h in Städten würde die Regeln einfacher und nachvollziehbarer machen.

Anhalteweg bei Tempo 30 vs. Tempo 50

Innerhalb von Ortschaften passieren etwa doppelt so viele Unfälle wie außerhalb. Kommt es zu Kollisionen zwischen Autos und Fußgängern, ist ein Aufprall bei Tempo 50 3 Mal so oft tödlich wie Tempo 30.

Innerhalb von Ortschaften passieren etwa doppelt so viele Unfälle wie außerhalb. Kommt es zu Kollisionen zwischen Autos und Fußgängern, ist ein Aufprall bei Tempo 50 3 Mal so oft tödlich wie bei Tempo 30.

Tempo 30: Das sagen die Kritiker:innen

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    Vertreter:innen vom ADAC sind gegen ein grundsätzliches Tempolimit von 30 in Ortschaften. Sie sagen, die Unfallzahl hänge von mehreren Faktoren ab, etwa auch der Verkehrsmenge oder der Vorfahrt-Regelung. Eine reine Begrenzung der zulässigen Geschwindigkeit hätte nicht zwangsläufig eine Reduzierung von Unfällen zur Folge.

  • Längere Reisezeiten: Mit Tempo 30 benötigt man für die gleiche Strecke grundsätzlich länger als mit Tempo 50.

  • Verkehrsverlagerung: Auf den Hauptverkehs-Straßen könnten mit Tempo 30 vermehrt Staus entstehen. Womöglich suchen sich Autofahrende dann neue Strecken und weichen auf Nebenstraßen - häufig in Wohngebieten - aus. Doch da soll der Verkehr nicht hin.

  • 🔉

    Der Lärm reduziert sich kaum hörbar: Eine Lärmreduktion von 1 bis 3 Dezibel würde vom menschlichen Gehör kaum wahrgenommen. Zudem seien im Stadtverkehr vor allem hohe Drehzahlen für den Lärm verantwortlich. Diese könnten durch ein Tempolimit von 30 km/h kaum verhindert werden, da entsprechende Drehzahlen auch in niedrigen Gängen erreicht werden.

  • 🚘

    Zum Thema Klimaschutz sagt auch der ADAC: Optimal ist der Betrieb eines Fahrzeugs bei niedriger Drehzahl in einem hohen Gang. Bei gleichmäßiger Fahrt mit Tempo 50 sei deshalb die Schadstoff-Emission sogar geringer als bei Tempo 30.

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    Hohe Kosten: Eine verstärkte Ausweisung von Tempo 30, insbesondere auf Hauptverkehrsstraßen, wäre mit erheblichem Aufwand und höheren Kosten verbunden.

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    Die meisten Unfälle passieren an Kreuzungen oder Einmündungen mit Lichtsignalanlagen. Eine Verbesserung der Verkehrssicherheit ließe sich also mit einfacheren Mitteln erreichen - wie bessere Koordinierung von Ampeln oder indem Sichthindernisse beseitigt werden.

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Weitere Fakten rund um Tempo 30

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    Das erste Tempo-30-Pilotprojekt wurde bereits 1983 im norddeutschen Städtchen Buxtehude ins Leben gerufen.

  • Als in Deutschland 30er-Zonen eingeführt wurden, wechselten die Autofahrer 12 Prozent weniger häufig den Gang, bremsten 14 Prozent seltener und verbrauchten 12 Prozent weniger Treibstoff.*

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    71 Prozent der Autofahrer fahren in der Regel etwas schneller als es die zulässige Höchstgeschwindigkeit erlaubt. Genau das kann zu einer erhöhten Unfallgefahr führen.

  • 😲

    Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen aufgrund von Verkehrslärm europaweit jedes Jahr über eine Millionen gesunde Lebensjahre verloren. Außerdem leiden in Europa durch Verkehrslärm jährlich durchschnittlich 245.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 50.000 sterben. Dabei ist es unerheblich, ob man den Lärm bewusst wahrnimmt oder nicht.

*"An illustrated guide to traffic calming" von Dr. Carmen Hass-Klau (1990)

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