Spielsucht

Spielsucht: Wie du sie erkennst und was Betroffenen hilft

Über 200.000 Menschen in Deutschland spielen Schätzungen zufolge zwanghaft Glücksspiele. Ab wann Spielverhalten als krankhaft gilt und wo Betroffene und Angehörige Hilfe finden, erfährst du auf dieser Seite.
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Das Wichtigste zum Thema Spielsucht

  • Zwanghaftes Glücksspielen ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Betroffene und Angehörige sollten bei Anzeichen schnell Hilfsangebote von Beratungsstellen, Ärzten oder auch Suchtkliniken wahrnehmen.

  • In Deutschland gelten je nach Studie und methodischem Verfahren zwischen 0,2 und 1,5 Prozent der Erwachsenen als problematisch oder krankhaft Glücksspiel-süchtig.

  • Womöglich liegt die Zahl der Betroffenen aufgrund der schwer abschätzbaren Dunkelziffer noch höher: Häufig werden Spielsüchtige erst erfasst, wenn sie Hilfe suchen.

  • Was Kennzeichen einer Spielsucht sind, woran du sie erkennst und wie Betroffene und Angehörige Hilfe finden, siehst du in den nächsten Abschnitten.

Wenn Spielen zum Zwang wird

Unter Spielsucht wird wiederkehrendes, krankhaftes Spielverhalten in Bezug auf Glücksspiele verstanden. Kleine Gewinne zwischendurch ermutigen Spieler, weiter vom Hauptgewinn zu träumen. Letztendlich gewinnt aber nur einer sicher: der Anbieter.

Zu Glücksspielen zählen alle Spiele, bei denen vollständig oder größtenteils der Zufall über Sieg oder Niederlage entscheidet. Dazu gehören etwa Lotterien oder Spielautomaten in Casinos. Aber auch Sportwetten oder Poker sind Glücksspiele. Auf Endergebnisse oder das Blatt haben selbst die besten Spieler keinen Einfluss.

Glücks-Spielsucht in Deutschland

Ab wann gilt Spielverhalten als Spielsucht?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weist in ihrer 2019er-Umfrage zum Glücksspielverhalten in Deutschland anhand der Fachliteratur 9 Kriterien aus. Erfüllt ein Spieler mindestens 4 davon, handelt es sich um krankhafte Spielsucht.

Liegen weniger Kennzeichen in schwächerem Ausmaß vor, sprechen Experten von problematischem oder auffälligem Spielverhalten. Indirekt kannst du dir Spielsucht daher als einen teils langfristigen Prozess vorstellen: von leichter Abhängigkeit bis zur schweren Sucht.

Bei rund 229.000 Menschen in Deutschland spricht man von einem "problematischen" Spielverhalten, als "krankhaft" gilt das Spielverhalten von etwa 200.000 Menschen. Männer sind knapp sechs mal anfälliger für Spielsucht als Frauen.

 

An diesen Kennzeichen erkennst du eine Spielsucht

  • 1️⃣

    Drang zum Glücksspielen mit stetig steigenden Einsätzen

  • 2️⃣

    Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, weniger zu spielen

  • 3️⃣

    Immer wieder erfolglose Versuche, das Glücksspielen unter Kontrolle zu bringen

  • 4️⃣

    Ständiges Denken ans Glücksspielen

  • 5️⃣

    Regelmäßiges Glücksspielen gerade auch in schlechten Gemütszuständen

  • 6️⃣

    Glücksspielen, um erlittene Verluste wieder reinzuholen

  • 7️⃣

    Verharmlosen des Glücksspielens durch falsche Angaben zur Häufigkeit oder Dauer

  • 8️⃣

    Gefährdung einer wichtigen Beziehung oder des Jobs

  • 9️⃣

    Geld von anderen nutzen, um eine finanzielle Notlage aufgrund des Glücksspielens auszugleichen

Diagnose und Behandlung einer Spielsucht

Eine erste Orientierung kann ein Online-Selbsttest sein.

Stellst du bei dir oder bei Bekannten Anzeichen fest, suche Ansprechpartner wie die kostenlose und anonyme BZgA-Telefonberatung (0800 - 1 37 27 00) auf. Oder wende dich an die Online-Beratung "Check dein Spiel", einem Projekt der BZgA.

Ein Selbst-Test ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnose eines Spezialisten. Bei Verdacht auf Spielsucht solltest du unbedingt einen Spezialisten aufsuchen.

Tipps für Angehörige

Wie geht man am besten mit Spielsucht im Angehörigenkreis um?

Auf https://www.check-dein-spiel.de/hilfe-fuer-angehoerige/tipps-im-umgang/ bekommst du wertvolle Tipps und weiterführende Hilfe.

 

 

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Veröffentlicht: 02.12.2020 / Autor: Alexander Duebbert