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Ich, ich, ich: Ab wann Narzissmus krankhaft wird

Für manche ist Noch-US-Präsident Donald Trump der berühmteste Narzisst der Welt. Aber kann man das wirklich von ihm behaupten? Wir erklären, was hinter der krankhaften Persönlichkeitsstörung steckt und woran sie zu erkennen ist. Im Clip: 10 Fragen an einen Narzissten.
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Das Wichtigste zum Thema Narzissmus

  • Der Begriff Narzissmus geht auf den antiken Mythos vom schönen Narziss zurück. Eines Tages verliebt er sich in sein eigenes Spiegelbild, das er im Wasser erblickt. Beim Versuch, es zu küssen, stürzt er ins Wasser und ertrinkt.

  • Narzissmus wird oft mit Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung gleichgesetzt. Dabei geht es nicht um ein gesundes Maß an Selbstliebe, das nicht schädlich ist für einen selbst oder die Mitmenschen.

  • Hier geht es um die tiefgreifende und krankhafte, narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS). Hinweise dafür sind: Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, mangelnde Empathie und gesteigerter Drang nach Anerkennung.

  • Schätzungen zufolge hat etwas weniger als ein Prozent der Deutschen eine solche Persönlichkeitsstörung. Etwa 75 Prozent der Betroffenen sind Männer und nur 25 Prozent Frauen.

Wie verhalten sich Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung?

Die American Psychiatric Associationen hat 9 Kriterien für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung festgelegt. Mindestens 5 von ihnen müssen erfüllt sein.

Betroffene…

  • haben ein übersteigertes Gefühl der eigenen Wichtigkeit und übertreiben die eigenen Talente und Leistungen.
  • fantasieren stark von grenzenlosem Erfolg, Macht, Schönheit oder idealer Liebe.
  • glauben von sich, besonders und einzigartig zu sein und auch nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen verstanden zu werden. Nur mit ihnen wollen sie sich auch umgeben.
  • verlangen nach übermäßiger Bewunderung.
  • haben besondere Ansprüche und übertriebene Erwartung an eine bevorzugte Behandlung.
  • nutzen andere Personen aus, um die eigenen Ziele zu erreichen.
  • zeigen einen Mangel an Empathie. Sie sind also nicht dazu bereit, Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren.
  • sind häufig neidisch auf andere oder glauben, dass andere neidisch auf sie sind.
  • verhalten sich arrogant und überheblich.

Worin liegt die Ursache für eine narzisstische Störung?

  • 👀

    Meist lässt sich die Ursache auf die Kindheit und Jugend zurückführen. Dazu gibt es 2 Theorien.

  • 👎

    Entweder hat die betroffene Person als Kind zu wenig Aufmerksamkeit und Zuneigung bekommen, was sie dann mit besonders guten Leistungen oder übertriebener Selbstdarstellung zu kompensieren versucht.

  • 👏

    Die zweite Theorie geht vom Gegenteil aus: Das Kind bekommt zu viel Anerkennung und wird verhätschelt. Forschungen der Universität Amsterdam ergaben: Wenn Eltern ihre Kinder mit Lob überschütten, dann erwarten die das auch von anderen.

Lässt sich Narzissmus heilen?

Nein. Allerdings kann eine psychotherapeutische Behandlung helfen zu verstehen, wie sich solche narzisstischen Muster entwickeln konnten.

Betroffenen soll dabei geholfen werden, ihren Narzissmus im Alltag stärker wahrzunehmen und mit  Mitmenschen besser umzugehen. Die sind oft diejenigen, die stärker unter dem Narzissmus zu leiden haben.

Der Haken dabei: Die meisten Betroffenen nehmen Narzissmus gar nicht als Störung wahr und gehen häufig erst aufgrund anderer Symptome freiwillig in Behandlung. Ständige Konflikte und unerfüllte Erwartungen führen nämlich nicht selten zu Depressionen.

Eine einzige Frage kann Narzissten entlarven

  • Wissenschaftler um Brad Bushman von der Ohio State University in Columbus erkannten nach der Auswertung mehrerer Narzissmus-Studien: Manchmal offenbart eine einzige Frage, ob es sich beim Gegenüber um einen Narzissten handelt.

  • 💬

    Die Frage lautet: Auf einer Skala von 1 bis 7 - wie sehr stimmst du der Aussage zu: "Ich bin ein Narzisst?". Die Frage wirkt zwar platt und direkt, funktioniert aber aufgrund der Natur mancher Narzissten.

  • 💪

    Denn je narzisstischer eine Person ist, desto höher wird sie sich auch auf der Skala einschätzen. Oft leugnen Befragte ihren Narzissmus nicht, da sie ihn gar nicht als unerwünschtes Persönlichkeitsmerkmal ansehen.

  • Der Mini-Test kann aber natürlich nur Hinweise auf einen Narzissten liefern. Eine echte Psychoanalyse oder therapeutische Behandlung kann sie nicht ersetzen.

Veröffentlicht: 20.11.2020 / Autor: André Marston Alvarez