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Corona und Grippe - warum es jetzt auf dein Immunsystem ankommt

Corona und Grippe haben eine Gemeinsamkeit: ein fittes Immunsystem scheint einen milderen Verlauf zu begünstigen. Ob sich eine Grippe-Impfung jetzt noch lohnt, wie du deine Abwehr stärkst und welche Hausmittel wirken, falls die Erkältung dich doch erwischt. Im Clip: 3 gängige Tipps für ein starkes Immunsystem im Fakten-Check.

Das Wichtigste zum Thema Erkältung und Grippe

  • Jeder Deutsche leidet im Durchschnitt mehrmals im Jahr an einer Erkältung (grippaler Infekt). Gehäuft tritt sie in den Wintermonaten auf.

  • In diesem Jahr kommt als zusätzliche Herausforderung noch das Corona-Virus auf unser Immunsystem zu.

  • Marktprognose: Laut Statista werden 2020 1.746 Millionen Euro für Erkältungs- und Husten-Mittel ausgegeben werden. Das sind fast 21 Euro pro Kopf.

  • Hilfe, die Nase läuft! Was dann zur Hand sein muss: Taschentücher. Rund 55 Packungen verbraucht jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr.

  • Eine bekannte Faustregel lautet: Eine Erkältung dauert mit Arzt eine Woche und ohne 7 Tage. Welche Hausmittel deine Beschwerden lindern können, liest du am Ende der Seite.

  • Eine Grippe verläuft deutlich schwerer und braucht auch länger, bis sie komplett ausgeheilt ist. Aktuell steigt die Zahl der Grippe-Kranken stark an. Ob du dich jetzt noch gegen Grippe impfen lassen kannst und warum die Impfung gerade in Corona-Zeiten sinnvoll ist, erfährst du weiter unten.

Sind wir im Winter wirklich häufiger krank?

Ja, sagt Dr. med Kathrin Hamann*, Fachärztin für Allgemein- und Innere Medizin in München. Der Grund ist zum einen die Kälte - wie der Name Erkältung schon sagt.

Und: Die Ansteckungsgefahr ist tatsächlich höher. Bei sehr kaltem Wetter halten wir uns länger in geschlossenen Räumen auf, wo die Heizungsluft die Schleimhäute der Atemwege trockener und damit infektanfälliger macht.

"Die Schleimhäute sind unsere erste Barriere gegen Viren, Bakterien und Keime", so Dr. Hamann. "Sind sie nicht befeuchtet, haben Krankheitserreger leichtes Spiel."

Auch können die Tröpfchen mit den Erregern, die von Erkrankten ausgehustet werden, lange Zeit in der trockenen Raumluft schweben und damit über größere Distanzen auf deine Atemschleimhäute gelangen.

Das gilt auch für SARS-CoV-2-Viren. So fand ein deutsch-indisches Forscher-Team heraus: Corona-Viren breiten sich bei niedriger Luftfeuchtigkeit in schlecht gelüfteten Räumen schneller aus. Ratschlag der Wissenschaftler: regelmäßig lüften und auf eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 40 Prozent achten! Mehr zu dem Thema erfährst du hier.

* Auf ihrer Website www.praxisdrhamann.de bietet die Fachärztin gratis den Kurs "Erkältung" an.

So beugst du Erkältungen vor, stärkst dein Immunsystem und kannst Krankheitsverläufe abmildern

  • 🌬

    Gutes Raumklima schaffen: Vermeide zu warme Räume, lüfte regelmäßig und befeuchte die Zimmerluft. Aber Achtung: Raumbefeuchter regelmäßig reinigen, sonst entsteht Schimmel.

  • 🤝

    Hände waschen! Das minimiert dein Ansteckungsrisiko, vor allem wenn du viel unter Menschen bist. Eine gute Hand-Hygiene ist auch bei Corona das A und O. Über 99 Prozent aller Krankheitserreger können durch Händewaschen eliminiert werden - auch SARS-CoV-2-Viren. Wie dramatisch schnell sich Viren verbreiten, kannst du hier nachlesen.

  • 💂

    Warmhalten. Warme Winterkleidung ist ein Erkältungs-Schutz, also immer an Mütze, Handschuhe und Co. denken.

  • 🍋

    Vitaminreich essen. Iss viel Obst und frisches Gemüse. Zink und Vitamin C (etwa in Zitrone und Ingwer) stärken dein Immunsystem.

  • 🍵

    Viel trinken. Das befeuchtet die Schleimhäute, eine wichtige Immun-Barriere. Aber Finger weg von Alkohol, wenn du angeschlagen bist.

  • 😅

    Schwitzen. Regelmäßige Saunagänge heizen auf und trainieren die Blutgefäße. Ebenso gut: Anschließendes Runterkühlen im Eisbad oder unter der kalten Dusche.

  • Kalt duschen hilft ohnehin. Einmal pro Tag - das härtet ab.

  • 💪

    Regelmäßige Bewegung kann zwar keine Infektion mit Erkältungs- und SARS-CoV-2-Viren verhindern. Aber: Unter anderem das Sportmedizinische Instiut der Universität Paderborn weist darauf hin, dass bei körperlich fitten Menschen die Verläufe vermutlich milder sind: Der Körper kann besser auf Infektionen reagieren.

  • 🌞

    Vitamin D tanken: Bei Spaziergängen (30 Minuten täglich gelten als optimal), im Winter auch in Tablettenform ergänzbar.

Was ist der Unterschied zwischen Grippe und Erkältung?

Beide Erkrankungen fühlen sich ähnlich an, haben aber unterschiedliche Auslöser: Während die Grippe durch ganz bestimmte Viren ausgelöst wird, die sogenannten Influenza-Viren (deutsch: Grippe-Viren), können hinter einer Erkältung über 100 verschiedene Viren stecken.

Symptome wie Reizhusten und Halsschmerzen hast du sowohl bei einer Grippe als auch bei der Erkältung. Aber so erkennst du, was Sache ist:

  • Von Null auf 100: eine echte Grippe beginnt meist plötzlich, bei der Erkältung schleichen sich die Symptome eher nach und nach an.
  • Fieber ist bei einer Erkältung eher selten, kann bei der Grippe aber schnell über 38,5 klettern. Von Fieber spricht man ab 38,5 Grad Celsius.
  • Kopf- und Gliederschmerzen deuten eher auf eine Grippe hin. Zudem bist du deutlich erschöpfter als bei einer normalen Erkältung.
  • Dauer: Nach ein paar Tagen fühlst du dich bei einer Erkältung meist besser. Die Grippe dagegen kann dich 5 bis 7 Tage ans Bett fesseln und auch dann noch nicht ausgestanden sein.

Und wenn der Arzt bei dir einen grippalen Infekt diagnostiziert? Dann meint er eine Erkältung.

Kann ich mich jetzt noch gegen Grippe impfen lassen?

"Auf jeden Fall", sagt Dr. med. Kathrin Hamann, Fachärztin für Allgemein- und Innere Medizin. Sie empfiehlt es, denn: "Bis Ostern ist Grippezeit."

Wichtig, wenn du die Impfung machen willst: Du musst mindestens 2 Wochen lang vorher gesund gewesen sein, sonst bringt sie nichts. Auch können durchgemachte Infekte wieder ausbrechen, weil sie einfach noch nicht ausgeheilt sind.

Diverse Berufsverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI), die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) raten dieses Jahr sogar ausdrücklich dazu, dass sich wegen Corona auch gesunde Menschen gegen Grippe impfen lassen. Warum, erfährst du hier.

Hilfe, überall Keime

Wenn es dich doch erwischt: Diese Hausmittel helfen

  • 🌡

    Warm bleiben, ob im Bett, in der Badewanne oder mit Wärmflasche. Auch sanfte Sauna-Gänge können gut tun, wenn es dich noch nicht völlig erwischt hat.

  • 🍵

    Abwarten und Tee trinken. So befeuchtest du die Schleimhäute und wehrst Bakterien ab. Wenn du Zitrone oder Ingwer hinzugeben willst: bitte erst bei unter 40 Grad Celsius, sonst killt die Hitze die Vitamine.

  • 🍯

    Honig stärkt das Immunsystem und beruhigt den gereizten Hals. Die Powerstoffe stecken aber nur im echten Honig vom Imker, nicht in Kunsthonig.

  • 🌊

    Gurgeln oder Nasenspülung mit Salzwasser. Die optimale Mischung ist laut Frau Dr. Hamann: 1/2 Teelöffel normales Salz auf ein Glas Wasser (200 bis 250 Milliliter).

  • 🐓

    Selbstgemachte Hühnersuppe liefert jede Menge Mineralien und wärmt von innen. Dass sie gesundheitsfördernd wirkt, haben Forscher der Universität von Nebraska sogar mit Studien belegt.

  • 💧

    Ätherische Öle können bei verstopfter Nase helfen. Vor allem Eukalyptus und Minze lösen den Schleim und befreien deine Atemwege.

  • 🍋

    Vitamine tanken, etwa mit diesem Immun-Booster: Eine Zitrone und eine Orange auspressen, 100 Gramm Ingwer schälen, einen Apfel entkernen und alles zusammen im Mixer pürieren.

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Veröffentlicht: 06.10.2020 / Autor: Ischta Lehmann