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Symbolbild digitale Gesundheitsakte

Die elektronische Patientenakte kommt - das sind die Vor- und Nachteile

Welche Blutgruppe hat der Verletzte - und hat er Allergien? Die elektronische Patientenakte kann im Notfall Leben retten, ist aber auch umstritten. Seit Januar läuft die Testphase. Wir zeigen dir die Vor- und Nachteile des neuen Systems.
Symbolbild digitale Gesundheitsakte

Was ist die elektronische Patientenakte?

Die elektronische Patientenakte (kurz: ePA) ist ein digitales System, in dem Patienten-Daten - wie Befunde, Blutwerte, Röntgenbilder, ärztliche Überweisungen, Rezepte, etc. übersichtlich gespeichert und verwaltet werden können.

All diese Daten müssen dann nicht mehr in Papierform bei den jeweiligen Ärzten hinterlegt werden, sondern sind jederzeit online abrufbar.

Das soll Zeit und Aufwand sparen - zum Beispiel musst du dein Rezept, deinen Überweisungsschein oder dein Röntgenbild dann nicht mehr bei deinem Hausarzt abholen, sondern Apotheker und Fachärzte finden alle nötigen Infos nun digital, in deiner Gesundheitsakte.

Das Wichtigste zum Thema Elektronische Patientenakte (ePA)

  • Zeit wird's? In einigen anderen Ländern wie Schweden, Estland, Dänemark, Kanada oder Spanien ist ein elektronisches Patienten-System längst Alltag.

  • Aufhol-Bedarf: In einer Studie über digitalen Fortschritt im Gesundheitswesen der Bertelsmann-Stiftung belegte Deutschland 2018 vor Polen den vorletzten Platz. 17 Länder nahmen teil.

  • Geplant ist die ePA in Deutschland schon lange - genauer gesagt seit 2003. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzte sich für eine möglichst baldige Einführung der ePA ein.

  • Die Testphase läuft bereits seit Januar 2021. Einige Praxen und Krankenhäuser benutzen das System schon. Zum 1. Juli 2021 sind dann alle Ärzte verpflichtet, sich an das Netz der ePA anzuschließen. Ab 1. Januar 2022 gilt das auch für die Krankenhäuser.

  • Muss ich das? Nein: Für dich als Patient ist die ePA freiwillig. Wenn du nicht möchtest, brauchst du die elektronische Patientenakte nicht nutzen.

  • Die Patienten entscheiden, welche Dokumente hochgeladen werden - und welche nicht. Bevor ein Arzt Daten ins System lädt, muss er das also mit dir absprechen.

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Wo finde ich meine elektronische Patientenakte?

Die Krankenkassen bieten per App den Zugang zur ePA an. Teils gibt es dafür eigene Apps (wie "AOK Mein Leben" "ePA BKK"), teils (wie bei der TK) werden die App-Funktionen der bestehenden Krankenkassen-Apps ergänzt.

Ab 1. Juli 2021 hast du auch ohne App, mit deiner Gesundheitskarte, Zugriff zur ePA. Deine Krankenkasse schickt dir hierfür einen PIN zu, den du beim Arzt eingibst.

Hierfür muss deine Gesundheitskarte NFC-fähig sein, also einen Chip für Karten-Lese-Geräte haben. Hat deine Karte das noch nicht, kann deine Krankenkasse dir eine neue zuschicken.

Mehr Infos dazu findest du auf der Webseite deiner Krankenkasse.

Diese Vorteile bringt dir die ePA

  • ⏱️

    Sie spart Zeit und Aufwand - dir und den Ärzten. Papierkram ist Vergangenheit, und so müssen auch keine Dokumente mehr per Post verschickt oder abgeholt werden.

  • 🚑

    Extremfall: Du hast einen Unfall und der Rettungswagen kommt. Bist du bewusstlos, können die Sanitäter dank der ePA herausfinden, welche Blutgruppe du hast oder ob Allergien bestehen - und so besser handeln.

  • 👩‍⚕️

    Wechselst du mal deinen Arzt, musst du dem neuen Mediziner nicht deine ganze Kranken-Geschichte erzählen, sondern er hat mit wenigen Klicks einen Überblick über deine Gesundheit.

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Diese Punkte sind umstritten

  • Kritiker - darunter mehrere Ärzte-Verbände - bemängeln, dass Spahn das neue System unter großem Druck und Zeitmangel umsetzen würde.

  • 🖥️

    Trotz Verschlüsselung ist die Sicherheit der Daten umstritten. IT-Sicherheitsexperten entdeckten laut Recherchen des BR und NDR "gravierende Sicherheitslücken" in der Test-Version: In mehreren Fällen konnten sie die Patienten-Akten mit "trivialen Methoden" hacken und hatten vollen Zugriff auf intime Daten.

  • ☝️

    Ulrich Kelber, Bundesbeauftragter für Datenschutz, sagte nach einer System-Prüfung im November 2020: "Ich komme zu dem Ergebnis, dass dieser Vorgang tatsächlich ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung ist."

  • 🤔

    Weiterer Kritikpunkt: Aus technischen Gründen haben Patienten erst zu einem späteren Zeitpunkt - voraussichtlich 2022 - das volle "Zugriffsrecht" auf ihre Daten. Bis dahin haben sie keinen Einfluss darauf, welche hochgeladenen Dokumente für die einzelnen Ärzte einsehbar sind.

  • 📝

    Das System wird nun kontinuierlich verbessert und die Krankenkassen sollen dafür sorgen, dass die Patienten über die Datenschutz-Verordnung aufgeklärt sind - mit einem rund 20 Seiten langen Schreiben.

Wie stehst du zur elektronischen Patientenakte?

Fazit: Eine große Chance, die noch in den Kinderschuhen steckt

Im Klartext: Du hast im ersten Jahr keine Kontrolle darüber, ob zum Beispiel dein Zahnarzt intime Diagnosen des Urologen, Frauenarztes oder Psychotherapeuten sieht - aber du kannst entscheiden, welche Dokumente digital hochgeladen werden, und welche nicht.

Andere Länder nutzen bereits seit Jahren digitale Patientenakten und betrachten das System als großen Fortschritt. Die ePA hat also großes Potenzial, wenn sie vollständig entwickelt ist.

Mehr Infos zu dem Thema findest du auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums.

Veröffentlicht: 09.01.2021 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau