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Frau mit Depression

Depression: Wie man sie erkennt und was dagegen hilft

Eine Depression ist nicht nur eine kurze Phase von Traurigkeit. Es ist eine schwere psychische Erkrankung, aus der man ohne Behandlung kaum herauskommt. Wie sich eine Depression zeigt, was dagegen hilft und wo du als Betroffener oder Angehöriger Hilfe findest.
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Depression: Das Wichtigste zum Thema

  • Menschen mit Depressionen sind niedergeschlagen, antriebslos, erschöpft, verlieren ihre Interessen und ziehen sich sozial zurück. Je nach Schweregrad der Symptome unterscheidet man zwischen leichter, mittelschwerer und schwerer Depression.

  • Eine Depression verschwindet nicht einfach nach ein paar Wochen wieder. Die meisten schaffen es nur mit professioneller Unterstützung in Form von Psychotherapie und Antidepressiva aus der Depression heraus.

  • Die Behandlung sollte möglichst schnell erfolgen, denn mit der Zeit verschlimmert sich die Krankheit und kann chronisch werden. 10 bis 15 Prozent der Betroffenen begehen Selbstmord. Die richtige Therapie kann viele davor bewahren.

  • Über 5 Millionen Deutsche leiden an einer Depression. Die kann in jedem Alter auftreten. Etwa jede 4. Frau und jeder 8. Mann ist in seinem Leben betroffen. Frauen erkranken daran doppelt so oft wie Männer.

  • Oft leiden Menschen mit Depressionen gleichzeitig an Angst-, Ess-, Zwangs- und Persönlichkeits-Störungen oder haben ein Alkoholproblem. Die Wirkung von Alkohol auf Körper und Gehirn ist dabei gravierend, wenn das sogenannte risikoarme Limit überschritten wird.

Hol dir Hilfe!

  • 📞

    Wenn du selbst an Selbstmord denkst oder Suizid-Gedanken bei einem Angehörigen vermutest, suche sofort Hilfe.

  • 📱

    Rufe die Telefonseelsorge an unter 0800-1110111, 0800-1110222 oder 116123. Dort kannst du anonym, kostenlos und rund um die Uhr anrufen.

  • 🚨

    Im Notfall scheue dich auch nicht und wähle die 112.

Depression erkennen: Das sind die 3 Haupt-Symptome

1: starke Niedergeschlagenheit/gedrückte Stimmung, teils auch innere Leere und Gefühls-Leere.

2: Antriebsmangel und geistige/körperliche Erschöpfung - selbst Aufstehen, Anziehen oder Einkaufen ist für Betroffene kaum zu schaffen.

3: Verlust von Interesse und Freude - Freunde treffen, Tanzen gehen, Lesen oder Sex macht den Betroffenen keinen Spaß mehr, ist für sie nur anstrengend - und sie meiden es.

Diese Neben-Symptome sind bei Depressionen häufig

  • 😴

    hohes Schlafbedürfnis, Schlafstörungen

  • 🥴

    **verminderte Konzentration** und Aufmerksamkeit, innere Unruhe

  • 🥺

    vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle

  • 😟

    Hoffnungslosigkeit, pessimistische Zukunftsperspektive

  • 😔

    Suizidgedanken oder -handlungen

  • 😕

    Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme

  • 😒

    Kopf- und Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder andere körperliche Beschwerden, die nicht direkt auf eine organische Krankheit zurückzuführen sind

Andere Symptome bei Männern

Männer mit Depressionen sind zum Teil leicht reizbar, aggressiv, können sich schlecht kontrollieren und machen anderen Vorwürfe. Auch neigen sie eher zu risikoreichem Verhalten wie schnellem Autofahren und zu einem erhöhten Alkohol- und Tabakkonsum.

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Raus aus der Depression! Diese Behandlungen helfen

  • 👉

    Psychotherapie und Antidepressiva helfen bei Depressionen am besten. Oft kommt beides zum Einsatz.

  • 📆

    Dabei gilt: Je eher eine Depression behandelt wird, desto besser. Die Krankheit kann nämlich mit der Zeit chronisch werden, die Betroffenen leiden sehr und im schlimmsten Fall begehen sie Selbstmord.

  • 👨‍⚕️

    Bei leichter bis mittelschwerer Depression reicht eine ambulante Behandlung in vielen Fällen aus.

  • 🏥

    Bei schwerer Depression ist ein stationärer Klinik-Aufenthalt sinnvoll. Dort wird der Betroffene intensiv betreut, lernt seinen Tag wieder zu strukturieren und profitiert vom vielfältigen Therapie-Angebot.

  • Gut zu wissen: Bei hohem Suizid-Risiko können Betroffene gegen ihren Willen in eine Klinik eingewiesen werden.

Bewährte Psycho-Therapien bei Depression

Von der Krankenkasse übernommen werden die Kosten für ...

  • tiefenpsychologisch fundierte Psycho-Therapie
  • Psycho-Analyse
  • systemische Therapie
  • kognitive Verhaltens-Therapie

Darüber hinaus können andere Therapien und Angebote die Genesung unterstützen - darunter die Gruppen-, Familien-, Gestalt-, Kunst-, Körper-, Bewegungs- und Ergo-Therapie sowie Entspannungs-Übungen.

⛹🏋🚴‍♀️ Auch Sport reduziert die Beschwerden merklich. Er bessert die Stimmung, baut Stress ab, stärkt das Selbstwertgefühl, gibt Struktur und mindert die Antriebslosigkeit.

Medikamente gegen Depression: Antidepressiva

Antidepressiva können die Symptome einer mittelschweren und schweren Depression stark reduzieren und helfen vielen Betroffenen sehr. Allerdings dauert es ein paar Wochen, bis ihre Wirkung einsetzt, Nebenwirkungen sind möglich und bei rund einem Drittel Patienten wirken bestimmte Mittel nicht so gut.

Am häufigsten verschrieben werden heute selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI), da sie relativ wenig Nebenwirkungen haben. Möglich sind etwa Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und sexuelle Funktions-Störungen.

Trizyklische Antidepressiva und Monoaminoxidase-Hemmer wirken ebenfalls gut, haben aber stärkere Nebenwirkungen, zum Beispiel Müdigkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit, Zittern oder Herzbeschwerden.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Depression

  • 💻

    Oft muss man lange auf einen Therapieplatz warten. Um diese Zeit zu überbrücken oder auch generell bei leichten Depressionen bieten sich professionelle Online-Angebote an. Mithilfe von Programmen, Apps und Infomaterial lernen Betroffene sich besser zurechtzufinden. Einige Angebote umfassen auch E-Mails und Telefonate mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten.

  • 🌻

    Bei leichter bis mäßiger Depression können Johanniskraut-Präparate helfen. Die mindern jedoch unter anderem die Wirkung der Pille und von Blutverdünnern. Bevor du die Mittel nimmst, rede mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

  • 🥱

    Die Wachtherapie ist kurzzeitig sehr hilfreich. Dabei bleiben die Betroffenen die zweite Nachthälfte oder die ganze Nacht wach. Das verbessert ihre Stimmung enorm, macht ihnen Hoffnung auf ein besseres Leben und gibt ihnen Kraft, um ihre anderen Therapien fortzusetzen.

  • 💊

    Lithium kann die Ärztin oder der Arzt zusätzlich zu Antidepressiva verordnen, wenn die nicht ausreichend wirken. Es stabilisiert die Stimmung und soll vor Selbstmord bewahren.

  • Helfen Psycho-Therapie und Medikamente nicht, kann man es mit Elektrokrampf-Therapie versuchen. Dabei wird unter Narkose mit Strom-Impulsen ein kurzer "epileptischer Anfall" ausgelöst. Bei der sogenannten repetitiven transkraniellen Magnet-Stimulation dagegen werden Gehirnbereiche durch Magnetfelder angeregt.

Die Ursachen für Depressionen

Warum jemand depressiv wird, ist noch nicht genau geklärt. Es spielen dabei aber stets verschiedene Faktoren eine Rolle. Darunter ...

  • genetische Veranlagung
  • Stress, fehlende Stress-Regulation
  • gestörter Botenstoff-Haushalt im Gehirn
  • Anfälligkeit für seelische Störungen
  • traumatische Erlebnisse
  • schwere Erkrankungen
  • negative Lebenseinstellung
  • Drogenkonsum
  • Medikamente wie die Pille, Kortison oder Betablocker

Wie kann ich depressiven Angehörigen helfen?

Wenn du glaubst, jemand in der Familie oder im Freundeskreis hat Depressionen, rede zeitnah mit ihm. Depressionen müssen immer ernst genommen werden. Sie verschwinden nicht von allein, sondern verschlimmern sich.

Ermutige die Person, sich Hilfe zu suchen und mit einem Arzt zu sprechen. Es kann sehr nützlich sein, wenn du den Termin organisierst und die Person eventuell sogar dorthin begleitest. Durch den mangelnden Antrieb schaffen es viele nicht von allein.

Spiele die Probleme des Betroffenen nicht herunter und meide Ratschläge wie "gib dir Mühe". Mache der Person Mut und lobe auch noch so kleine Fortschritte.

Wichtig: Achte auch auf dich!

Oft leiden nicht nur Betroffene, sondern auch die Angehörigen. Es ist belastend zu sehen, wie schlecht es jemandem geht. Oft fühlt man sich sogar dafür schuldig, auch, weil man den- oder diejenige nicht aufheitern kann. Oft muss man auch Aufgaben für ihn oder sie übernehmen und kommt selbst viel zu kurz. Das strengt an und macht wütend. Suche dir Hilfe bei einer Beratungsstelle, Therapeut:in oder Selbsthilfegruppe für Angehörige.

Informiere dich zudem ausführlich über die Krankheit. Dann kannst du besser verstehen, wieso der Depressive so unzugänglich ist und wie du dich am besten verhältst.

Veröffentlicht: 26.04.2021 / Autor: Larissa Melville