Galileo WM CopyCreated with Sketch.
  1. Galileo WM CopyCreated with Sketch.Galileo
  2. Gesundheit

Das E-Rezept: Was ist das, was bringt es dir und wann kommt es?

Das E-Rezept sollte schon zum Jahresbeginn 2022 den rosafarbenen Zettel ablösen. Nach langer Verzögerung geht die Einführung jetzt wieder voran. Welche Vorteile das elektronische Rezept hat und ab wann du es nutzen kannst. Im Clip: digitale Alternativen zum Arztbesuch.
Das E-Rezept: Was ist das, was bringt es dir und wann kommt es?
0

Das Wichtigste zum Thema E-Rezepte

  • Der Begriff E-Rezept steht für elektronisches Rezept. Statt mit dem Zettel von der Praxis zur Apotheke zu rennen, sollen Verschreibungen zukünftig schneller und papierlos ablaufen.

  • Das E-Rezept ist ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung des Gesundheitssystems - auch wenn das nur schleppend passiert.

  • Theoretisch sollte das E-Rezept allen gesetzlich Versicherten seit 1. Januar 2022 zur Verfügung stehen. Nach einer wackligen Testphase in Berlin-Brandenburg wurde der Start aber noch einmal auf unbestimmte Zeit verschoben.

  • Jetzt geht es weiter voran: Ab dem 1. September 2022 sind Apotheken dazu verpflichtet, die digitalen Rezepte anzunehmen. Für Arztpraxen und Kliniken gilt das allerdings noch nicht.

  • Wie das E-Rezept funktioniert und welche Vorteile es dir bringt, erfährst du weiter unten.

Das E-Rezept kommt - aber wann?

Seit 20 Jahren steht das elektronische Rezept auf der politischen Agenda. Nach mehreren Anlauf-Schwierigkeiten sollte die Umstellung von Zettelwirtschaft auf Digital am 1. Januar 2022 endgültig losgehen. Gesundheits-Minister Karl Lauterbach ruderte allerdings kurz vor Weihnachten nochmal zurück.

In der Testphase in Berlin-Brandenburg sei deutlich geworden, dass „die erforderlichen technischen Systeme noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen", hieß es aus dem Gesundheits-Ministerium. Lauterbach verschob den Startschuss - zunächst auf unbestimmte Zeit.

Im Frühsommer haben sich die Vertreter des Gesundheitswesens auf einen neuen Zeitplan geeinigt. Ab dem 1. September sind Apotheken bundesweit verpflichtet, die digitalen Verschreibungen anzunehmen. Für Arztpraxen und Kliniken gilt hingegen erst einmal ein Stufenplan mit regionalen Pilot-Projekten.

Den Anfang machen Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe. Dort soll das E-Rezept ab September verstärkt ausgestellt und ab Dezember zur Pflicht werden. Erst danach werden flächendeckend immer mehr Regionen und Bundesländer eingebunden. Wann das E-Rezept also bundesweit den rosafarbenen Schein ablösen wird, kann auch der zuständige Gesellschafter Gematik aktuell noch nicht sicher sagen.

Verschreibung à la carte: So soll das E-Rezept funktionieren

Bisher hat eine Ärztin oder ein Arzt dir für apotheken- oder verschreibungspflichtige Medikamente eine Verschreibung ausgedruckt. Diese Zettelwirtschaft wird bald vorbei sein. Von der Verordnung bis zum E-Rezept geht's in drei Schritten.

  1. In der Arztpraxis werden die Rezeptdaten elektronisch über das Praxis-Verwaltungssystem erfasst und gespeichert. Auch die Unterschrift, also die Signatur, erfolgt elektronisch.
  2. Dann erhältst du auf deinem Smartphone oder Tablet das E-Rezept mit einem individuellen QR-Code, der in der Praxis erstellt wurde. Das E-Rezept ist nun auf dich individualisiert.
  3. Du kannst dein Rezept mit einer speziellen E-Rezept-App aufrufen, verwalten, an deine Apotheke schicken oder es dort mittels des QR-Codes vorzeigen. Wenn du die App nicht nutzen möchtest oder kannst, wird dir das E-Rezept in der Praxis noch eine gewisse Zeit in Papierform, als so genannter Token-Ausdruck, zur Verfügung gestellt.

Diese Vorteile bringt das E-Rezept mit sich

  • 📑

    Keine Zettelwirtschaft mehr in der Arztpraxis und bei Patient:innen.

  • Zeitersparnis für Ärzt:innen, da sie händisch keine Rezepte mehr ausdrucken und unterschreiben müssen.

  • 👆

    Mehr Klarheit und Übersicht über Verordnungen.

  • 👍

    Mehr Komfort für Patient:innen, da in bis zu drei Apotheken unverbindlich angefragt werden kann, ob das Medikament vorrätig ist bzw. ab wann.

  • 🤒

    Dann kann das Medikament mit einem Klick bestellt und auch geliefert werden. So entfallen lästige Wartezeiten sowie unnötige oder anstrengende Wege, etwa wenn man krank ist.

  • 💊

    Mehr Sicherheit und Transparenz über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

  • 👩‍⚕️

    Weniger Arztbesuche, da keiner mehr für Folgerezepte in die Praxis muss.

  • 🌳

    Mehr Umweltschutz durch weniger Papierverbrauch.

Darum sorgt das E-Rezept für mehr Patienten-Sicherheit

Viele Daten, wenig Vernetzung – das ist das Problem des deutschen Gesundheitssystems. Und dies kann zu Lasten der Sicherheit gehen.

Denn bei Medikamenten kann es Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln geben.

Das gilt auch für freiverkäufliche und rein pflanzliche Präparate.

Zudem gibt es ungute Reaktionen mit bestimmten Lebensmitteln, zum Beispiel:

🥛& 💊: Milchprodukte und Antibiotika sowie Schilddrüsen-Medikamente

☕ & 😔: Kaffee und Tee und Anti-Depressiva sowie Eisen-Tabletten

🍋 & 🩸: Zitrusfrüchte und Blutdruck-Senker sowie Blut-Verdünnern

📱Mit der E-Rezept-App werden alle Rezepte an einem Ort verwaltet und sind für alle Beteiligten auf einem Blick sichtbar. So können Ärzt:innen und Apotheker:innen besser auf Wechsel- und Nebenwirkungen hinweisen.

Bunte Rezepte aus der Arztpraxis: Wofür sie stehen

Bunte Rezepte aus der Arztpraxis: Wofür sie stehen

Von wegen nur rosa! Rezepte haben ganz viele verschiedene Farben. Wir erklären dir, wofür welche Farbe steht!

  • ⁉️

    Wann kommt das E-Rezept?

    Seit dem 1. Oktober 2021 können alle niedergelassenen Praxen und Apotheken das E-Rezept freiwillig anbieten. Ab September 2022 sind Apotheken in ganz Deutschland dazu verpflichtet, das digitale Rezept anzunehmen. Erst ab Dezember 2022 soll die Einführung des E-Rezepts in Praxen und Kliniken in mehreren Bundesländern starten.

  • ⁉️

    Wird das E-Rezept Pflicht?

    Ab dem 1. September 2022 sind Apotheken in der Pflicht, deutschlandweit das digitale Rezept anzunehmen. Für Ärzte und Ärztinnen gilt das noch nicht. Hier ist ein Stufenmodell geplant, die Praxen und Kliniken regional nach und nach einbinden.

  • ⁉️

    Welche App brauche ich für ein E-Rezept?

    Es gibt unterschiedliche Unternehmen, die E-Rezept-Apps anbieten, darunter auch Krankenkassen und Apotheken.

  • ⁉️

    Was ist ein Token-Ausdruck?

    Wer das E-Rezept nutzen möchte, es aber auf einem mobilen Endgerät, also seinem Smartphone oder dem Tablet, nicht empfangen kann oder möchte, hat die Möglichkeit, sich einen Token-Ausdruck geben zu lassen. Das ist einfach das E-Rezept in Papierform. Langfristig wird es aber keine Ausdrucke mehr geben, da dies auch den Vorteil der Digitalisierung untergräbt.

  • ⁉️

    Sind Videosprechstunde und E-Rezept kombinierbar?

    Ja. Genau darauf zielt die Digitalisierung unter anderem ab. Unkomplizierte Videosprechstunden ohne Wartezeit und lange Wege, in denen Behandler:innen zum Schluss ein elektronisches Rezept verschicken.

  • ⁉️

    Sollen auch Hilfs- und Heilmittel per E-Rezept verschrieben werden können?

    Ja. Langfristig sollen auch alle weiteren Leistungen wie Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege elektronisch verordnet werden. Und auch freiverkäufliche Arzneimittel sollen der E-Rezept-App hinzugefügt werden können.

  • ⁉️

    Wie sieht die Zukunft des E-Rezeptes aus?

    Das papierlose, komplett vernetzte Gesundheitssystem – das ist das Ziel. Demnächst sollen auch Heil- und Hilfsmittel sowie häusliche Krankenpflege mit dem E-Rezept organisiert werden. Zudem sollen auch freiverkäufliche Medikamente damit einfach zu bestellen und zu verwalten sein.

  • ⁉️

    Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

    Die Sorge, dass sensible Informationen über die eigene Gesundheit abgefangen und missbraucht werden, ist groß. Auch im Falle des E-Rezepts müssen Arztpraxen und Apotheken umfangreiche Vorbereitungen treffen, um diesen Service anbieten zu können. Dazu zählen mehrere Authentifizierungs-Maßnahmen sowie eine spezielle Hard- und Software und PINS von der Krankenkasse.

Veröffentlicht: 10.06.2022 / Autor: Stephanie Arndt