Antibiotika-Resistenz: So entstehen die Superkeime

Immer mehr Antibiotika sind wirkungslos. Was das für Folgen hat, warum resistente Superkeime überhaupt entstehen und wie du dich schützen kannst.
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Antibiotikaresistenz: Das Wichtigste zum Thema

  • Antibiotika töten krankmachende Bakterien im Körper direkt ab oder hemmen ihre Vermehrung so stark, sodass dein Immunsystem die Infektion selbst in den Griff bekommt.

  • Antibiotika bekommst du etwa bei einer Blasenentzündung, Wundinfektion ebenso bei einer lebensgefährlichen Lungenentzündung oder Blutvergiftung. Auch größere Operationen wären ohne sie nicht möglich. Antibiotika retten jeden Tag unzählige Leben.

  • Problem: Immer mehr Antibiotika verlieren ihre Wirkung, weil die Bakterien dagegen Abwehrmechanismen entwickeln, sogenannte Resistenzen. Häufig ist ein Keim sogar gegen mehrere Wirkstoffe gewappnet: Er ist multiresistent. Mit welchen Tricks die Bakterien Antibiotika abwehren, siehst du im Video.

  • Infektionen mit resistenten Bakterien können lebensgefährlich sein, da sie nur schwer oder gar nicht behandelbar sind. Jedes Jahr infizieren sich über 54.000 Deutsche mit multiresistenten Keimen. Mehrerer Tausend sterben daran. 2050 könnte es infolge der Antibiotikaresistenzen weltweit 10 Millionen Tote geben, schätzt die WHO.

  • Der Hauptgrund für die Resistenzen ist der übermäßige und unverantwortliche Einsatz von Antibiotika bei Menschen und in der Viehhaltung. Die falsche Anwendung hilft Bakterien nämlich, die gefährlichen Resistenzen zu entwickeln.

Gefahrenzone Nr. 1 ist das Krankenhaus

Ist dein Immunsystem gut, hält es die resistenten Bakterien meist in Schach und du wirst nicht krank. Dennoch kannst du die Keime ausscheiden und auf andere übertragen.

Befallen sie Menschen mit einem schwachen Immunsystem, Alte und Säuglinge, kann das für sie lebensgefährlich sein. Besonders gefährdet sind schwerkranke, geschwächte Krankenhaus-Patienten:innen und jene mit Operationswunden, in die die Keime einfach eindringen können.

Jedes Jahr bekommen 400.000 bis 600.000 Patienten:innen in Deutschland eine Krankenhaus-Infektion. Bei rund 35.000 sind resistente Superkeime wie der Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) dafür verantwortlich.

Die Ursachen der Antibiotikaresistenzen

💊Es wurden und werden zu viele Antibiotika leichtfertig verschrieben oder gar eigenmächtig genommen - oft sogar, wenn sie gar nicht wirken, etwa bei Grippe oder Erkältung. Hier verursachen fast immer Viren die Krankheit. Auch bei milden Corona-Verläufen rät die WHO gänzlich von einer Antibiotikagabe ab.

👉Lösung: ein gezielter Antibiotikaeinsatz - und zwar nur bei bakteriellen Infektionen. Statt Breitbandantibiotika, die gegen verschiedene Bakterien wirken, sollten spezifische Antibiotika verschrieben werden. Sie verursachen weniger Resistenzen und helfen genauso gut, wenn der Erreger bekannt ist.

📆Antibiotika werden oft falsch dosiert und zu kurz oder zu lang geschluckt. Dadurch können sich die Erreger an den Wirkstoff anpassen.

👉Lösung: korrekte Einnahme. Wie lange und wie oft die Einnahme erfolgen soll, entscheidet heute immer die Ärztin oder der Arzt abhängig von der Infektion und dem Präparat.

Halte dich an die Anordnung. 3-mal täglich bedeutet alle 8, 2-mal täglich alle 12 und einmal täglich alle 24 Stunden. Nimm die Tablette mit Wasser und wie besprochen vor, zu oder nach dem Essen. Setzte die Mittel nicht ohne Rücksprache ab.

🏥Kliniken sind der Hauptübertragungsort von resistenten Keimen. Hier tummeln sich zahlreiche Varianten. Die haben bei den geschwächten Patienten:innen leichtes Spiel.

👉Lösung: Verbreitung stoppen. Das Krankenhauspersonal muss sich gut die Hände desinfizieren. Beim Putz-Team ist Gründlichkeit angesagt. Neue Patienten:innen sollten auf resistente Keime untersucht und Risiko-Kandidat:innen isoliert werden. Jede Klinik sollte ein Antibiotic Stewardship-Team besitzen. Dieses besteht aus Ärzten:innen, die eine Fortbildung zum Thema Antibiotikaresistenzen gemacht haben.

🐷Nutzvieh bekommt massenhaft Antibiotika, um Krankheiten vorzubeugen und das Wachstum zu fördern. Mit dem Schnitzel gelangen die Keime auch auf deinen Teller. In der Tiermast werden oft sogar Reserveantibiotika verwendet. Diese sind eigentlich für Menschen gedacht, die mit multiresistenten Keimen infiziert sind und um ihr Leben kämpfen.

👉Lösung: weniger Antibiotika in der Tiermast und keine Gabe von Reserveantibiotika.

🌊Über Gülle, Stall- und Krankenhaus-Abwasser gelangen die resistenten Erreger in die Umwelt, vermehren sich dort und geben ihre Resistenzen an bisher harmlose Bakterien weiter.

👉Lösung: Antibiotika und Superkeime dürfen nicht in die Umwelt gelangen. Bessere Kläranlagen und weniger Gülle auf den Feldern, wären ein Anfang. Übrig gebliebene Tabletten solltest du nicht ins Klo werfen.

❗❗❗Die einzige Rettung lautet also: Ein geringerer und gezielterer Antibiotika-Einsatz und neue Antibiotika, gegen die die Bakterien noch nicht resistent sind. Die Suche läuft auf Hochtouren - und zwar nicht nur im Labor, sondern draußen in der Natur. Mehr dazu unten.

Der Kampf gegen die Krankenhauskeime

Die Holländer gelten als Vorreiter, wenn es um Keimbekämpfung in Krankenhäusern geht. Doch was machen sie anders?

So kannst du dich vor Superkeimen schützen!

  • 💧

    Wasche dir regelmäßig und gründlich mit Seife die Hände.

  • ⛹️‍♀️

    Stärke dein Immunsystem: treibe Sport, ernähre dich gesund, schlafe ausreichend, reduziere deinen Stress, verzichte auf Alkohol und Tabak.

  • 🥩

    Erhitze Fleisch bei 70 Grad mindestens für 2 Minuten, spüle das benutze Messer/Schneidebrett mit heißem Wasser und Spülmittel ab. Kaufe Bio-Fleisch - die Tiere bekommen nur wenig Antibiotikum.

  • 👨‍⚕️

    Geh bei einer Infektion frühzeitig zu deiner Ärztin oder deinem Arzt und nimm das Antibiotikum immer nach ihrer Anweisung ein - auch, wenn es dir schon besser geht oder Tabletten übrig bleiben.

  • 👋

    Halte beim Krankenbesuch Abstand - vor allem in der Klinik. Desinfiziere dir danach (und für die anderen auch vorher) die Hände.

  • 🏥

    Wenn du im Krankenhaus liegst, frage das medizinische Personal, ob sie sich die Hände gewaschen und desinfiziert haben. Lasse offene Wunden nie ohne Handschuhe anfassen.

Durch Faultier-Kämmen die Menschheit retten

Im Fell von Faultieren finden sich Mikroorganismen, aus denen sich möglicherweise neue Antibiotika herstellen lassen. Wir haben die Tiere und das Forschungs-Team im Regenwald besucht.

Bakterien, Pilze und Tiere sind mögliche Antibiotika-Quellen

Wie Bakterien Antibiotika abwehren

Bakterien entwickeln verschiedene Abwehrmechanismen gegen Antibiotika. Sie verändern beispielsweise ihre Hülle, sodass Antibiotika sie nicht mehr erkennen oder nicht durchdringen können. Andere pumpen das Antibiotikum einfach wieder raus oder produzieren Enzyme, die das Antibiotikum spalten.

Diese Abwehrmechanismen erlangen die Bakterien durch zufällige Mutation, also willkürliche Veränderungen in der DNA, oder durch die Aufnahme von Resistenz-Genen - meist in Form von Plasmiden. Einige Bakterien besitzen nämlich zusätzlich zur normalen DNA noch Plasmide. Das sind kleine DNA-Ringe. Hier liegt die Bauanleitung für die Abwehrmechanismen gegen Antibiotika.

Die Plasmide werden bei der Zweiteilung weitergegeben, aber auch auf andere Bakterien über eine Art Brücke übertragen. Das klappt sogar zwischen verschiedenen Arten. Aus einem harmlosen Bakterium wird so ein gefährliches. Im Video ganz oben siehst du, wie das genau abläuft.

Wenn du Antibiotika einnimmst, werden außerdem die nicht resistenten Bakterien abgetötet. Die Resistenten haben so keine Konkurrenten mehr und vermehren sich rasend schnell.

Teste dein Wissen über Bakterien und Antibiotika

Veröffentlicht: 30.04.2021 / Autor: Larissa Melville