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Halbe Menge, volle Süße: Wie gut ist der neue Super-Zucker?

Wie viel Zucker ist okay für den Körper? Was passiert, wenn es zu viel wird? Welche Alternativen gibt es für alle, die nicht auf Süßes verzichten wollen? Und was ist dran am neuen Super-Zucker, den ein Start-Up bald auf den Markt bringen will? Hier kommen Antworten, die dir das Leben versüßen.

Das Wichtigste zum Thema Zucker

  • Wir Deutschen verbrauchen durchschnittlich rund 34 Kilo Zucker pro Jahr. Das macht täglich rund 93 Gramm beziehungsweise gut 20 Teelöffel oder 31 Zuckerwürfel.

  • Empfehlung der Experten: Pro Tag solltest du nicht mehr als 10 Prozent deiner Kalorien in Form von Zucker konsumieren. Bei 2.000 Kalorien pro Tag macht das etwa 50 Gramm. Die meisten Kinder essen deutlich mehr - auch wenn Studien zeigen, dass der Konsum zurückgegangen ist.

  • Weißer Kristallzucker enthält 400 Kilokalorien pro 100 Gramm, aber keine Vitamine, Mineralstoffe oder anderen gesunden Nährstoffe.

  • Zu viel Zucker fördert Übergewicht, erhöht das Risiko für Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verursacht Karies. Zudem lässt er den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen.

  • Inzwischen gibt es viele gesündere Alternativen wie beispielsweise Agaven-Sirup und eine ganze Palette an kalorienarmen Süßstoffen und Zucker-Austauschstoffen.

  • Außerdem: Ein israelisches Start-Up will einen neuen, "effizienten" Zucker auf den Markt bringen. Mehr dazu weiter unten.

Wie viel Zucker ist okay? Interview mit Dr. Ute Alexy, Ernährungswissenschaftlerin der Universität Bonn

  • Viele sehen Zucker mittlerweile als eine Art Droge. Muss man wirklich komplett auf Zucker verzichten?

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    Tatsächlich spricht Süßgeschmack - und nicht nur Zucker - das Belohnungszentrum im Gehirn ähnlich wie Drogen an. Aber Musik oder das Zusammensein mit Freunden haben auch diese Wirkung. Also nein, ein kompletter Verzicht ist nicht nötig.

  • Wie viel Zucker kann ich pro Tag essen?

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    Die Weltgesundheitsorganisation und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfehlen nicht mehr als 10 Prozent der Energiezufuhr als "freie" Zucker. Dazu zählt zugesetzter Zucker, zum Beispiel in Gebäck, Süßigkeiten oder Limonade, oder Zucker aus Säften. Zucker, wie er in Obst oder Milch vorkommt, gilt nicht.

  • Ist Fruchtzucker in Obst und Milch also weniger gefährlich als der Zucker in Gummibärchen & Co.?

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    Chemisch gesehen ist natürlicher Zucker aus Lebensmitteln mit zugesetztem Zucker identisch. Aber zum einen sind in Obst und Milch auch viele gesunde Nährstoffe enthalten, zum anderen ist der natürliche Zuckergehalt meistens niedriger.

  • In welcher Form ist Zucker besonders tückisch?

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    Bei Zucker ist nicht die Menge allein entscheidend. Für die Zähne ist es besonders schädlich, wenn immer wieder kleine Mengen gegessen werden. Zucker in Getränken, also in Limonade und Fruchtsaft, erhöht das Risiko für Übergewicht, weil er weniger satt macht als Zucker aus Lebensmitteln.

Was sind Zucker-Austauschstoffe?

Xylit, Erythrit und Sorbit sind sogenannte Zucker-Austauschstoffe. Sie schmecken süß, sind kalorienarm und lassen den Blutzuckerspiegel nicht in die Höhe schnellen. Zudem verursachen sie keine Karies.

Oft findest du sie in Kaugummi, Zahnpasta und Bonbons. Im Supermarkt gibt es sie aber auch als Pulver zum Kochen, Backen und für Kaffee.

Gewonnen werden sie aus natürlichen Rohstoffen, die chemisch oder technisch aufbereitet werden.

  • Erythrit wird aus Stärke hergestellt. Das weiße Pulver kommt auf nur 20 Kalorien pro 100 Gramm und hat die Süßkraft von 60 Prozent des Haushaltszuckers.
  • Die Süßkraft von Maltit entspricht bis zu 90 Prozent der von Zucker bei halb so vielen Kalorien. Gewonnen wird es aus Malzzucker.
  • Xylit stammt aus Birkenholz und Sorbit aus Stärke. Im Vergleich zu den anderen Zuckeraustauschstoffen bergen die 2 Stoffe noch relativ viele Kalorien: rund 250 Kilokalorien pro 100 Gramm, also etwas weniger als die Hälfte von normalem Zucker.

Diese Zucker-Alternativen sind nicht kalorienfrei, aber gesünder

Keine Kalorien, maximale Süßkraft: Süßstoff und Stevia

Süßstoffe wie Aspertam, Acesulfam und Saccharin haben keine Kalorien und verursachen auch keine Karies. Einige Forscher glauben allerdings, dass sie Heißhunger verursachen und krebserregend sind. Belegt wurde das bisher nicht.

Stevia eine gute Option für Kaloriensparer. Die in der Steviapflanze enthaltenen Steviaglycoside sind 300-mal süßer als Haushaltszucker, es reichen also winzige Mengen.

Die Stevia-Pflanze.


So sieht die Stevia-Pflanze aus.
© picture alliance / blickwinkel

Bald neu auf dem Markt kommt ein nachhaltiger, 100 Prozent natürlicher und auch noch kalorienfreier Süßstoff aus Birnen und Äpfeln: der Fooditive Sweetener. Hierfür werden die Früchte mit Hilfe von Hefe und Wasser fermentiert.

Dabei wird die Fructose extrahiert. Danach wird das Gemisch zum Trocknen in dünnen Schichten auf eine Oberfläche aufgesprüht.

Dieser Super-Zucker könnte bald auf deinem Teller landen

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    Einen anderen Ansatz verfolgt das israelische Start-Up DouxMatok. Sein neu entwickelter Superzucker heißt Incredo und wird demnächst auch in Deutschland produziert.

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    Incredo ist kein Zucker-Ersatz. Hier wurden Zucker-Kristalle so verändert, dass man für den gleichen Süßungs-Effekt nur noch etwa die Hälfte der Menge braucht. Das wären für eine Flasche Cola statt 12 Zuckerwürfeln nur noch ungefähr 5 bis 6.

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    Der Trick: 99,8 Prozent herkömmlichem Zucker wird 0,2 Prozent Silizium-Dioxid beigemischt - auch Kieselsäure genannt. Die ist in vielen Lebensmitteln wie Getreide, Obst, Gemüse und Mineralwasser enthalten und gilt als gesundheitlich unbedenklich.

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    Bei der Herstellung arbeitet DouxMatok auch mit Europas größtem Zuckerproduzenten zusammen. Südzucker im rheinland-pfälzischen Offstein soll Incredo produzieren und auch an Lebensmittelhersteller liefern.

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    Kleinere Unternehmen nutzen ihn bereits - vor allem in Kuchen und Süßigkeiten. Der Superzucker lässt sich jedoch vorerst nur in festen Lebensmitteln einsetzen. An einer Lösung für süße Limonaden wird noch getüftelt.

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    Incredo könnte auch die Rettung für die Lebensmittelindustrie sein. Immerhin soll sie ja auch den Zucker-Gehalt in Fertiggerichten senken.

Das kann der neue Super-Zucker

Neuer Super-Zucker: Gesünder und effizienter im Geschmack?

Das kann der neue Super-Zucker

Ein israelisches Start-Up hat normalen Zucker chemikalisch so verändert, dass er mehr Süßungskraft besitzt und man daher weniger davon verwenden muss. Mehr dazu im Clip.

Nicht nur Schoki & Gummibärchen: Heimliche Zuckerfallen

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    Salatdressing. Je nach Hersteller und Sorte sind in einer Portion von 30 Milliliter (etwa 2 Esslöffel), 1 bis 2 Zuckerwürfel enthalten. Vor allem Light-Dressings haben es oft in sich.

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    Tiefkühl-Pizza. Mit einer Pizza nimmst du schnell mal das Äquivalent von 6 Stücken Würfelzucker zu dir.

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    Tomatensoße. Ein Glas Fertigsoße enthält bis zu 24 Gramm Zucker, also 8 Stück Würfelzucker. In einer Flasche Ketchup stecken mehr als 30 Stück Würfelzucker.

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    Sekt. Ein 0,1 l-Glas schlägt mit bis zu 10 Gramm Zucker zu Buche. Bei einem Softdrink sind es zwischen 4 und 16 Gramm pro 100 Milliliter.

  • Instant-Cappuccino. Aromatisiertes Instant-Cappuccino-Pulver besteht meist zur Hälfte aus Zucker. Lieber zu schwarzem Kaffee oder Espresso greifen.

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    Auf der Zutatenliste findest du für Zucker oft eine andere Bezeichnung, viele davon enden auf -ose wie Glucose, Saccharose, Dextrose, Fructose oder Laktose.

Wie gut kennst du dich mit Zucker aus? Teste dein Wissen

Veröffentlicht: 05.10.2020 / Autor: Ischta Lehmann