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Lange Zutatenliste und viel Fett? Fleischersatz wie Veggie-Burger im Check

Fast täglich kommen neue Fleischalternativen auf den Markt. Für den guten Geschmack sorgt meist eine lange Zutatenliste - inklusive viel Salz, Fett und Zusatzstoffen. In Zukunft soll sich dies jedoch ändern.
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Das Wichtigste zum Thema Fleischalternativen

  • In den Supermärkten gibt es immer mehr pflanzliche Fake-Fleisch-Produkte. Und die landen zuhauf in den Einkaufswägen der 8 Millionen Vegetarier, 1,3 Millionen Veganern und selbst von Fleischessern: 2018 lag der Umsatz bei 141 Millionen Euro.

  • Als Fleischersatz werden Produkte bezeichnet, die von ihrem Geschmack, ihrer Haptik und dem Proteingehalt Fleisch ähneln. Veganer Fleischersatz besteht meist aus Erbsen, Soja oder Weizen. Vegetarische Variante enthält oft noch Eier und Milch.

  • Viele Fleischalternativen enthalten viel Salz, Zucker, Fett und Zusatzstoffe wie Methylcellulose. Der neue Trend: Gesunde Ersatzprodukte mit wenigen und besonders hochwertigen Zutaten.

  • Methylcellulose steckt auch in Tapetenkleister. Das Verdickungsmittel sorgt für eine fleischartige Struktur. Klingt unappetitlich, gesundheitsschädlich ist der Stoff aber nicht. Er wird einfach wieder ausgeschieden.

  • Wie gefragt Fleischersatz ist, zeigt der Mega-Erfolg von Beyond Meat. Die Burger-Pattys kommen einem echten Rinder-Patty im Geschmack wirklich nahe. Auf der Inhaltsliste finden sich allerdings über 20 Zutaten - und einiges an Fett.

Super gesunde Fleisch-Alternativen - zumindest in der puren Variante

Ist doch (nicht) Wurst! Trotzdem: Der Veggie-Burger wird nicht umgetauft

Einen Veggy-Burger, bitte! So eine Bestellung kannst du auch künftig noch aufgeben. Das EU-Parlament stimmte über die Namensgebung von Fleischersatzprodukten ab. Zur Diskussion stand, ob die Produkte Bezeichnungen wie Schnitzel, Wurst oder Burger enthalten dürfen - obwohl darin ja kein Fleisch ist.

Der Agrar-Lobby war die Bezeichnung ganz und gar nicht Wurst. Sie meinte der Begriff Veggie-Burger sei Verbrauchertäuschung - und klagte. Ohne Erfolg. Die EU-Politiker glauben daran, dass Kunden so clever sind und einen Veggie-Burger als fleischlose Variante einordnen können.

Veggie-Burger Streit um den Namen


Das EU-Parlament diskutierte darüber, ob der Veggie-Burger weiterhin so heißen darf.
© Getty Images

Darauf kannst du beim Kauf von Fleischersatz achten

  • 🚦

    Der neue Nutri-Score auf Verpackungen kennzeichnet, wie gut der Nährwert eines Produktes ist. Er ist fünfstufig: A (dunkelgrün) steht für die günstigste und E (rot) für die ungünstigste Nährwertbilanz.

  • 🛒

    Setze auf gute Inhaltsstoffe: Oft wird Soja-Schrot als Grundlage für Fleischimitat verwendet. Das wird meist in früherem Regenwaldgebiet angebaut. Regionale Grundzutaten sind nachhaltiger.

  • 🥚

    Greif zu vegan statt veggie: Bei vegetarische Fleischalternativen ist Eiweiß häufig der Hauptbestandteil. Das Problem: Bei verarbeiteten Eiern muss nicht angegeben werden, wie die Hühner gehalten wurden.

  • 🍔

    Verzichte auf Fertiggerichte: Die haben in der Regel einen hohen Salzgehalt und enthalten viele Zusatzstoffe. Um das Inhaltsstoffe-Labyrinth zu umgehen, bereitet man die fleischlose Bolognese oder die Burger-Pattys lieber selbst zu.

  • 🕵

    Orientiere dich im Siegel-Dschungel: Das "V-Label" ist international anerkannt und garantiert bestimmte Qualitätsstandards. Die "Veganblume" ziert Produkte, die frei von tierischen Zutaten sind und nicht in Tierversuchen getestet wurden.

Kein Tier, aber echter Geschmack? Kein Problem dank Beyond Meat

Der Verzicht auf tierische Produkte ist kein neuer Trend. Vegan und vegetarisch zu leben, spiegelt auch einen Lifestyle wieder. Der geht weg vom Öko-Hippie hin zum hippen Start-up-Yuppie und zur gesundheitsbewussten Influencerin.

Die Firma "Beyond Meat" nutzt den Hype und begeistert mit verblüffend echt aussehenden Burger-Pattys aus Erbsenstärke.

Beyond Meat Burger

© Steve Helber/AP/dpa

 

Im Mai 2019 ging das Unternehmen an die Börse - und zwar so erfolgreich wie keine andere Firma in diesem Jahrhundert. Am ersten Tag stieg der Kurs um 163 Prozent.

Bald muss man den Pflanzen-Burger nicht mal mehr selbst zubereiten. Fast-Food-Ketten wie Kentucky Fried Chicken oder Subway hatten die fleischlosen Pattys schon im Sortiment. Mc Donald's will 2021 in Kooperation mit Beyond Meat ihren veganen McPlant auf den Markt bringen.

Discounter wie Aldi oder Lidl sind auf den Zug aufgesprungen und haben den "Wonder Burger" und "Next Level Burger" herausgebracht.

Isst du öfter Fleischersatz-Produkte?

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3 dringende Fragen an das Pflanzen-Patty

Für ein Rindfleisch-Patty kann man ...

... 100-mal duschen

Wasserverbrauch pro Rindfleisch-Patty (aus Südamerika): circa 3.000 Liter

Vergleich: Erbsen-Patty: circa 20 Liter

... 320 km mit dem Auto fahren

CO2-Ausstoß pro Rindfleisch-Patty (aus Brasilien): circa 67 kg

Vergleich: Erbsen-Patty: circa 23 g

... 1 1/2 Tischtennisplatten aufstellen

Flächenverbrauch pro Rindfleisch-Patty: circa 6,7 m²

Vergleich: Erbsen-Patty: circa 0,5 m²

Veröffentlicht: 13.11.2020 / Autor: Franziska Schosser