Sibiriens "Tor zur Unterwelt" wird immer größer und zeigt uns eine längst vergessene Welt
Research Institute of Applied Ecology of the North/Alexander Gabyshev

Sibiriens „Tor zur Unterwelt“ wird immer größer und zeigt uns eine längst vergessene Welt

vor 7 Monaten

Das „Tor zur Unterwelt“ ist ein riesiger Krater in Sibirien, der immer größer wird – durch schmelzenden Permafrost. Mittlerweile ist er so groß, dass er uralte Wälder zutage befördert. Und die können uns erzählen, wie es vor 200.000 Jahren auf der Erde aussah.

Permafrostboden ist in Sibirien normal. Das ist Boden, der das ganze Jahr über Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aufweist. In Sibirien reicht der Permafrost bis in eine Tiefe von 1.500 Metern.

Aber er wird dünner. Dadurch entstehen große Erdlöcher. Und eines von ihnen ist mittlerweile so groß, dass es von den Einheimischen das „Tor zur Unterwelt“ genannt wird: einen Kilometer lang, 83 Meter tief. Es wächst stetig und das, was da zum Vorschein kommt, sind Zeugen vergangener Tage: verschüttete Wälder, Kadaver und Klimadaten aus 200.000 Jahren Erdgeschichte. Offiziell heißt der Krater Batagaika. Er entstand in den 1960er Jahren, nachdem in dem Gebiet eine Menge Wald gerodet wurde.

In der Wissenschaft bezeichnet man diesen Prozess als Megaslump oder Thermokarst. Diese Krater entstehen, wenn das im Permafrostboden enthaltene Eis beginnt, zu schmelzen. Der Boden sinkt ab. Das konnte dort passieren, da die Schatten spendenden Bäume im Sommer nicht mehr da waren. Das Eis schmolz. Zusätzlich kamen Überschwemmungen, die zu einer Vergrößerung des Erdlochs führten.

Batagaika liegt etwa 660 Kilometer nordöstlich der Republikhauptstadt Jakutsk mitten in Sibirien. Obwohl es dort viele solcher Krater gibt, ist Batagaika etwas Besonderes. Denn er wächst unglaublich schnell. Eine Studie aus dem letzten Jahr veranschaulicht, dass er in den vergangenen zehn Jahren jährlich um zehn Meter gewachsen ist. In wärmeren Jahren sogar um 30 Meter.

Krater

Batagaika-Krater
Aus der Luft sieht er aus wie eine Kaulquappe.
© Google Earth

Eine Seite des Kraters könnte in den kommenden Monaten auf ein Tal treffen – und dann würde noch mehr Land kollabieren. Je größer der Krater wird, umso tiefer wird er auch. Experten befürchten, dass darunter liegende Karbongase freigesetzt werden könnten, die den Treibhauseffekt noch weiter anheizen.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Eine neue Studie zeigt nämlich, was dadurch zum Vorschein kommt. Und das ist für die Wissenschaftswelt ziemlich spannend: Klimadaten der vergangenen 200.000 Jahre. Dazu kommen verborgene Wälder, historische Pollenproben, gefrorene Überreste eines Moschusochsen und eines 4.400 Jahre alten Pferdes.

All diese Funde lassen nicht nur darauf schließen, wie sich das Klima in der Vergangenheit dort verändert hat, sondern auch, wie es das in Zukunft tun wird. Denn über das sibirische Klima in den letzten 200.000 Jahren weiß man nicht viel. Das letzte Mal, dass sich der Permafrost so extrem geändert hat, war vor etwa 10.000 Jahren, als die letzte Eiszeit endete. Wenn wir anhand der Funde herausfinden können, was damals passiert ist, können wir vorhersagen, wie es dieses Mal ablaufen wird.

Aber das dauert noch. Denn wie alt die Überbleibsel in Batagaika genau sind, weiß man noch nicht. Es benötigt weitere Forschung. Aber da sind die Wissenschaftler schon dran.

Wir haben solche riesigen Erdlöcher in Russland auch schon besucht. Gerade um die Stadt Breznik tun sich immer wieder neue kreisrunde Krater auf. Wir sind auf Spurensuche gegangen:

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