Forscher erschuf versehentlich Killer-Bienen - und ließ sie entkommen
via Wikipedia / Jeffrey W. Lotz, Florida Department of Agriculture and Consumer Services

Forscher erschuf versehentlich Killer-Bienen – und ließ sie entkommen

vor 5 Monaten

Es klingt wie in einem typischen Horrofilm – Wissenschaftler führen ein Experiment durch und erschaffen dabei versehentlich ein Killer-Geschöpf. Dabei ist das nicht nur Stoff fiktionaler Geschichten. Denn ein Forscher hat tatsächlich schon einmal versehentlich Killer-Bienen erschaffen – und sie dann auch noch entkommen lassen.

Alles fing mit dem brasilianischen Genetiker und Insektenkundler Dr. Warwick Kerr in den 50er Jahren an. Das brasilianische Agrarministerium beauftragte ihn, Bienen zu erschaffen, die auch im tropischen Klima Brasiliens viel Honig produzierten – also gut an das Klima angepasst waren. Denn die spanische Honigbiene, die zuvor dort gehalten wurde, war in der Hitze nicht sonderlich produktiv.

Also lag für Kerr die Lösung nahe, die europäischen Honigbienen mit afrikanischen Tropenbienen zu kreuzen, in der Hoffnung, dadurch eine optimale Bienenart für die Wetterverhältnisse in Brasilien zu schaffen. Er brachte etwa 120 afrikanische (und ziemlich aggressive) Bienenköniginnen nach Brasilien, um diese mit der eher friedliebenden europäischen Honigbiene zu kreuzen.

Und siehe da – Kerrs Experiment war erfolgreich! Die Bienen produzierten deutlich mehr Honig als zuvor. Wäre da nicht ein Problem gewesen: Die Gene der afrikanischen Biene setzten sich stärker durch als die der europäischen – und damit auch ihr Hang zur Aggressivität. Kam der Kolonie also jemand zu nahe, wurde nicht lange gefackelt, sondern direkt zugestochen. Das Besondere dieses Bienenvolks: Nicht nur die Wächterbienen verteidigen die Kolonie, wie es normalerweise bei Bienen üblich ist, sondern meist das ganze Volk. Dabei sind sie ziemlich hartnäckig und verfolgen ihren Angreifer auch über weite Distanzen – was ihnen den Namen der Killer-Bienen einbrachte.

Das war das erste, was nicht ganz so gelang, wie Kerr es sich vorgestellt hatte. Aber das allein wäre ja kein Problem gewesen – wenn die Killer-Bienen dann nicht auch noch aus dem Labor entkommen wären. Wie genau das passiert ist, ist umstritten. Einige gehen davon aus, dass einer der Mitarbeiter des Projekts falsch informiert worden war und daher die Gitterwände entfernte, die eigentlich das Ausreißen der Bienen verhindern sollten. So konnten schließlich 26 Bienenschwärme entkommen.

Wer jetzt Angst hat, direkt an einem Stich einer solchen Killer-Biene zu sterben, den können wir beruhigen (außer vielleicht, ihr habt eine Allergie gegen Bienen). Denn das Gift der Killer-Biene ist nicht schlimmer als das der europäischen Honigbiene und es gibt sie nur in Ländern wie Brasilien oder den südlichen Staaten der USA. Und 2012 konnte in einer Studie sogar festgestellt werden, dass sie mittlerweile nicht mehr so aggressiv ist wie zu Zeiten ihrer Entstehung.

Trotzdem zeigt dieses Experiment, dass es seine Tücken hat, so drastisch in die Natur einzugreifen – und diese von uns gemachten Kreaturen dann auch noch entwischen zu lassen. Aber das wissen wir ja eigentlich schon längst…

Wer schon einmal von einer Biene gestochen wurde, weiß, wie schmerzhaft das ist. Dass dieses Gift aber auch echt hilfreich sein kann, zeigen wir euch in diesem Video:

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