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Blutplasma-Therapie in den USA: Wie sie Corona-Patienten helfen soll

Blutplasma von genesenen Covid-19-Patienten könnte an Corona Erkrankten helfen, denn darin befinden sich die schützenden Antikörper. Weltweit laufen dazu Studien. In den USA wurde die Therapie trotzdem schon zugelassen. Zu früh?
Blutplasmaspende

Das Wichtigste zum Thema Blutplasma-Therapie bei Corona

  • Blutplasma von Menschen, die bereits Covid-19 hatten, enthält zumindest für eine Weile Antikörper gegen das Corona-Virus. Das Plasma könnte deswegen bei akuten Corona-Erkrankungen helfen oder gar präventiv eingesetzt werden.

  • Die Idee dahinter: Die gespritzten Antikörper unterstützen das Immunsystem und fangen die Corona-Viren ab, bevor sie weitere Körperzellen infizieren und sich mit deren Hilfe vermehren. Man spricht auch von passiver Immunisierung, da der Patient die Antikörper nicht selbst herstellt.

  • Daten aus China machten schon im Frühjahr Hoffnung: Nachdem Covid-19-Patienten Blutplasma von Genesenen bekommen hatten, sank ihr Fieber, die Zahl der Viren im Körper ging zurück und ihr Zustand verbesserte sich. Allerdings wurden nur wenige Patienten so behandelt und es gab keine Kontrollgruppen.

  • Weltweit wird die Blutplasma-Therapie aktuell bei Covid-19-Patienten mit sehr schlechtem Gesundheitszustand in Studien getestet. Ehemalige Corona-Erkrankte werden daher aufgerufen, ihr Plasma zu spenden. Vor allem solange es keine Medikamente gegen Covid-19 gibt, könnte dies eine Alternative sein. Klinische Studien zur Wirksamkeit fehlen allerdings bis heute.

  • Auch in Deutschland laufen mehrere Studien wie die "RECOVER" mit rund 170 Risiko-Corona-Patienten (Senioren, Krebskranke, etc.). Ein Teil der Probanden erhält sofort zweimal Spender-Plasma, die Kontrollgruppe dagegen nicht. Verbessert sich der Zustand der Kontrollpatienten nach 10 Tagen nicht, erhalten auch sie Plasma.

  • US-Bürger mit schwerer Covid-19-Erkrankung können in Zukunft noch leichter das Blutplasma von genesenen Corona-Patienten erhalten - die Therapie wurde nun per Notfall-Genehmigung erlaubt.

Was ist eigentlich Blutplasma?

Plasma ist der flüssige, zellfreie Teil des Bluts. Es besteht aus Wasser (circa 90 Prozent) und gelösten Stoffen wie Elektrolyten oder Glukose. Zudem enthält es Gerinnungsfaktoren - und eben Antikörper. Plasma ist übrigens nicht rot, sondern gelb.

Nur ein Wahlkampf-Trumpf?

US-Präsident Donald Trump nannte die von ihm durchgesetzte Notfall-Genehmigung der Blutplasma-Therapie einen "historischen Durchbruch", der viele Leben retten würde.

Die zuständige Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) betont den möglichen Nutzen für die Patienten, der größer sei als die Nebenwirkungen.

Laut US-Gesundheitsminister Alex Azar erhöht die Blutplasma-Therapie die Überlebensrate der bisher so behandelten Covid-19-Patienten (laut FDA etwa 70.000), um 35 Prozent im Vergleich zu anderen Patienten. Doch die klinischen Studien dazu sind noch nicht abgeschlossen. Ergebnisse werden in den kommenden Monaten erwartet.

Die meisten Experten sind daher noch sehr zurückhaltend: So wisse man zum Beispiel nicht, wie viel Plasma optimal für eine Behandlung ist. Andere warnen sogar vor starken Nebenwirkungen.

Wie fremdes Blutplasma helfen kann: die passive Immunisierung

Hat sich eine Person mit Corona infiziert, wehrt sich der Körper mit spezifischen Antikörpern gegen das Virus. Diese binden an die Virus-Oberfläche und sorgen dafür, dass sich die Viren nicht mehr vermehren können und sie vom Immunsystem vernichtet werden. Antikörper neutralisieren sozusagen die schädlichen Viren.

Bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem wie Senioren oder Patienten mit Vorerkrankungen wie Krebs bildet der Körper bei einer Corona-Infektion zu spät oder zu wenige Antikörper - er ist zu schwach und kann sich nicht ausreichend gegen die Viren wehren. Dies ist die oft erwähnte Risikogruppe. Jene Menschen könnten durch das Blutplasma ehemals Infizierter vor einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf geschützt werden.

Die Hoffnung der Forscher: Die "fremden" Antikörper fangen die Viren im Körper der Kranken ab, bevor die weitere Körperzellen infizieren, sich vermehren und es zu schweren Entzündungs-Reaktionen mit vielleicht lebensbedrohlichen Schäden kommt.

Denkbar wäre diese passive Immunisierung auch bei leicht Erkrankten oder gesunden Menschen, die aber zu einer Risikogruppe gehören. Es schützt sie jedoch nur maximal 3 Monate, da die Antikörper abgebaut werden.

Ein generelles Problem: Blutplasma von Genesenen ist rar.

Blutplasma-Spende - so läuft sie ab

  • Je nach Gewicht und Größe werden bis zu 850 Milliliter Plasma entnommen. Hierfür läuft das Blut durch ein Gerät, das das Plasma von den anderen Blutbestandteilen, wie den roten Blutkörperchen, trennt. Das übrige Blut wird dem Patienten wieder zugeführt. Das Ganze dauert 45 Minuten. Innerhalb von 2 Tagen ersetzt der Körper das Plasma, daher kann eine Person häufiger Plasma spenden.

  • Plasma-Transfusionen kommen täglich bei Menschen zum Einsatz, die viel Blut verloren haben. Zuvor müssen die Spenden aber 4 Monate bei minus 40 Grad in die Gefriertruhe, um die Übertragung anderer Erkrankungen auszuschließen.

  • Im Falle Covid-19 soll diese Zeit auf wenige Wochen verkürzt werden. Wichtig: Die Blutgruppen müssen auch beim Plasma-Transfer von Spender und Empfänger zusammenpassen. Mehr dazu erfährst du hier..

  • In einigen Studien kommt kein "normales" Blutplasma, sondern sogenanntes Hyperimmun-Serum zum Einsatz. Es wird aus dem Plasma gewonnen und enthält besonders viele Antikörper.

Blutplasma-Transfer: keine neue Erfindung

Auch bei anderen Krankheiten nutzten Ärzte die passive Immunisierung bereits erfolgreich. So bekamen Patienten schon bei der Spanischen Grippe vor rund 100 Jahren eine Blut-Infusion von Genesenen verabreicht - ebenso bei Diphtherie, Masern und Ebola. Und auch bei SARS und MERS, die ebenfalls von Corona-Viren ausgelöst wurden, kamen Blutplasma-Spenden zum Einsatz.

Das Verfahren wird oft angewandt, wenn eine Person bereits infiziert ist und für eine Impfung (aktive Immunisierung) keine Zeit mehr ist oder es - wie im Fall von Corona - noch keine gibt.

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Veröffentlicht: 25.08.2020 / Autor: Larissa Melville