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Corona: Helfen Erkältungs-Sprays und Mundspülungen gegen die Viren?

Klingt zu schön, um wahr zu sein: Herkömmliche Mundspülungen sollen einen Ausbruch von Covid-19 abmildern oder stoppen, spezielle Nasen- und Rachen-Sprays eine Infektion sogar komplett verhindern. Doch was ist dran an diesen Ideen?
Teaserbild: Corona: Helfen Erkältungs-Sprays und Mundspülungen gegen die Viren?

Das Wichtigste zum Thema Corona-Behandlungen

  • Weltweit suchen Wissenschaftler mit Hochdruck nach einem Impfstoff gegen das neue Corona-Virus SARS-CoV-2.

  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von mindestens 187 Projekten. Experten hoffen, dass spätestens im Frühjahr 2021 eine verlässliche Schutzimpfung gefunden wird.

  • Bis dahin versuchen Forscher andere Methoden zu finden, wie wir uns vor Corona schützen können. Im aktuellen Fall sorgen Nasen- und Rachen-Sprays für Diskussionen, die präventiv helfen sollen.

  • Eine aktuelle Studie weist zudem darauf hin, dass Gurgeln mit medizinischen Mundspülungen Corona-Viren so stark schwächen, dass sie nicht mehr infektiös sein sollen.

  • Sind wir also im Kampf gegen Corona einen entscheidenden Schritt weitergekommen? Alle Antworten im Überblick.

Was hinter den möglichen Behandlungsformen steckt

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    Das SARS-CoV-2-Virus wird hauptsächlich über Tröpfcheninfektion beim Niesen und Husten übertragen.

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    Auch über sogenannten Aeorsole, also kleinste, in der Luft schwebende Partikel, können die Krankheitserreger beim Atmen, Sprechen, Singen oder Schreien weitergeben werden. Welche spezielle Rolle so genannte Superspreader spielen, erfährst du hier.

  • 👃

    Als Eintrittspforten für das Virus gelten laut Robert Koch-Institut (RKI) in erster Linie die Nase und der Mund. Für eine Infektion über die Augen sieht das RKI derzeit keinen Beleg.

  • Da liegt die Idee nahe, die Mund- und Nasen-Bereiche verstärkt vor dem Eindringen von Viren zu schützen, bis ein Impfstoff gefunden wird.

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    Solche Lösungen könnten bequem und hilfreich sein, zum Beispiel wenn Mund-Nasen-Bedeckungen knapp werden oder Menschen keine Maske tragen können, zum Beispiel wegen Atemwegserkrankungen.

Lösung 1: Nasen-Sprays machen immun gegen Corona

Wissenschaftler aus den USA und Österreich haben jeweils ein Nasenspray entwickelt, das vorbeugend gegen das Corona-Virus helfen soll.

🇦🇹 Die Österreicher bauen dabei auf eine physikalische Barriere, indem sich durch ihr Spray ein Film auf den Zellen der Nasenschleimhaut bildet. So sollen Viren sofort gestoppt werden, bevor sie in die Schleimhaut eindringen können, um dort eine Infektion auszulösen.

Der Wirkstoff Carragelose wird aus Rotalgen gewonnen und zeigte in 4 klinischen Studien mit Corona-Infizierten positive Effekte, so der Hersteller.

Das Nasenspray soll schon bald rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen sein.

 

🇺🇲 Die US-Forscher setzen bei ihrem Präventions-Spray dagegen auf die Macht der Moleküle.

Dafür entwickelte ein Team der University of California San Francisco um den deutschen Biochemiker Peter Walter künstliche Eiweiß-Moleküle.

Diese antikörper-ähnlichen Proteine sollen sich auf die kronenförmige Oberfläche des SARS-CoV-2-Virus setzen und es so unschädlich machen, weil es nicht mehr im Körper andocken kann.

Durch die Vernebelung der Moleküle können die gut in den Körper gelangen, bevor sich das Virus im Organismus ausbreitet, so die Hoffnung der Forscher. Sie sehen das Nasenspray als wichtige Notlösung, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, und führen bereits Gespräche mit Herstellern über die Produktion.

Lösung 2: Rachen-Spray deaktiviert Viren

Die 2. Variante ist ein bereits vorhandenes Rachenspray, das in der Mundhöhle aufgebracht wird.

In einer Studie zeigte sich, dass der Wirkstoff-Mix SARS-CoV-2-Viren um bis zu 98,3 Prozent deaktivieren kann.

Bei dem Versuch handelte es sich allerdings um eine In-vitro-Studie. Die Untersuchungen fanden also künstlich außerhalb eines lebenden Organismus in einem Reagenz-Gefäß statt.

Das Unternehmen will nun in weiteren klinischen Studien klären, ob der Effekt auch bei Lebewesen funktioniert.

Lösung 3: Mundspülungen hemmen oder stoppen die Infektion

Ein Team aus Wissenschaftlern der Ruhr-Uni Bochum untersuchte, welchen Einfluss das Gurgeln mit handelsüblichen Mundspülungen auf das Corona-Virus hat. 8 Produkte wurden getestet.

Ergebnis: Alle desinfizierenden Spülungen senkten die Viruslast, also die Menge von Viren im Mund-Rachen-Raum. 3 davon eliminierten nach 30 Sekunden Einwirkzeit sogar alle Viren, so dass in diesem Moment keine Ansteckungsgefahr mehr bestand.

Die Befürworter der Methode erhoffen sich, dass so kaum noch infektiöse Viren tiefer in die Lunge eindringen.

Der Haken: Dieser Test fand mit Zellkulturen, nicht mit Menschen statt. Ob die Ergebnisse daher übertragbar sind, muss noch überprüft werden.

Kritiker bemängeln diese Punkte:

Viren werden nicht nur durch den Mund, sondern auch durch die Nase eingeatmet. Diese bleiben beim Gurgeln unberührt.

Das Corona-Virus dringt innerhalb von 15 Minuten tiefer in Schleimhäute ein. Auch dann hat eine Spülung keinen Effekt mehr.

Dauerndes Spülen mit aggressiven, antiseptischen, desinfizierenden Substanzen kann die Mundschleimhaut reizen. Produkte mit Chlorhexidin sollen daher auch nur begrenzt eingesetzt werden, zum Beispiel bei einer Behandlung gegen Zahnfleischentzündungen.

Wichtig zu wissen:

  • 👩‍🔬

    Sprays könnten eine Lösung sein, sofern sie sich durch umfangreiche Studien als zuverlässig gegen SARS-CoV-2 erweisen, für den deutschen Markt zugelassen und hier erhältlich sind.

  • Derzeit gibt es Carragelose-Produkte als Pastillen und Rachen-Spray, die Zulassung für das spezielle Nasen-Spray läuft derzeit.

  • 👄

    Mundspülungen sorgen für frischen Atem. Ob sie Corona-Viren bekämpfen, ist durch den Test nicht erwiesen. Zudem kann ein häufiger Einsatz von aggressiven Produkten die Mundflora schädigen.

Veröffentlicht: 14.10.2020 / Autor: Stephanie Arndt