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Corona-Erkrankungen: Darum unterscheiden sich die Fallzahlen

Wie viele Menschen haben aktuell Corona? Die Fallzahlen der Institute schwanken. Wieso das so ist.
Corona-Karte der Johns Hopkins Universität.

Robert Koch-Institut (RKI)

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    Ärzte und Labore in Deutschland melden Informationen und Zahlen zu bestätigten Covid-19-Fällen an die rund 400 Gesundheitsämter.

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    Die Gesundheitsämter überprüfen die Informationen, stellen sie zusammen und ermitteln auch noch selbst, um fehlende Angaben zu ergänzen.

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    Dann vermitteln sie die Daten gesammelt an die zuständigen Landesgesundheitsbehörden. Das passiert mindestens einmal täglich.

  • 📃

    Die Landesgesundheitsbehörden verschicken einen Lagebericht an ihr zuständiges Ministerium und an das RKI, das die Fallzahlen dann täglich um 10 Uhr veröffentlicht. Die Zahlen beziehen sich auf den Datenstand von Mitternacht.

  • Diese Vorgehensweise braucht Zeit, die Fallzahlen sind aber stets mit amtlich bestätigten Daten untermauert.

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

  • 📨

    Das RKI schickt seine Daten an die WHO, die auch die Daten von anderen Gesundheitsbehörden in der Welt erhält.

  • 🗺

    Die WHO veröffentlicht eine Übersicht über die weltweiten Corona-Fälle sowie tägliche Lageberichte. Die Zahlen beziehen sich auf den Datenstand von 10 Uhr Mitteleuropäischer Zeit.

  • Die weltweiten Fallzahlen der WHO hinken der realen Entwicklung also hinterher, sind aber ebenfalls auf Grundlage von amtlich bestätigten Fällen berechnet worden.

Johns Hopkins Universität (JHU)

  • 🗺

    Die JHU zeigt auf einer Karte die weltweiten Corona-Fallzahlen - und das nahezu in Echtzeit.

  • 💻

    Anders als das RKI bezieht die JHU die Daten nicht von offiziellen Quellen. Die Forscher nutzen ein selbstentwickeltes Tool, das täglich auf Daten im Internet zugreift und daraus Zahlen generiert.

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    So ergeben sich verschiedene Quellen: US-Zentren für Seuchen und Prävention, EU-Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten, WHO, Nationale Gesundheitskommission der Volksrepublik China, DXY (Ärzte-Online-Community), aber auch Internetseiten von Behörden, Twitter-Accounts und lokale Medienberichte.

  • Das heißt, die JHU hat zwar die aktuellsten Zahlen, bezieht sich aber auch nicht nur auf amtlich bestätigte Fälle.

Der Vergleich

  • Das RKI meldet für Deutschland am 7. September insgesamt 252.298 Covid-19-Fälle (Stand: Mitternacht).
  • Die WHO meldet zu der Zeit 250.799 Fälle.
  • Auf der Karte der Johns Hopkins Universität beträgt die Gesamtzahl der Fälle in Deutschland 253.626.

Die Zahlen des RKI und der WHO hinken den Zahlen der JHU hinterher. Wieso ist das so ist, fassen wir hier noch einmal kurz zusammen.

 

Das sind die Gründe für die unterschiedlichen Fallzahlen

  • Das RKI aktualisiert die Daten auf seiner Internetseite nur einmal täglich. Die JHU aktualisiert die Daten dagegen in Echtzeit und hat keine offizielle Stelle, auf deren Informationen sie täglich warten muss.

  • Außerdem ist die Meldekette des RKI länger. Bis ein positiver Test als Fall beim RKI ankommt, können 2 Tage vergehen, zum Beispiel am Wochenende.

  • Das RKI ist zwar nicht schnell, aber zuverlässig und transparent. Bei der JHU ist dagegen nicht absolut klar, woher die finalen Zahlen genau kommen.

Quellen: ZDF, Tagesschau, RKI

Das sind die Quellen der Corona-Fallzahlen

Wieso eigentlich die Johns Hopkins Universität?

Die Johns Hopkins Universität besteht seit 1876 und zählt zu den renommiertesten Hochschulen in den USA.

Dass die JHU die Welt nun mit Zahlen zu Covid-19-Fällen versorgt, liegt aber nicht an ihrer Geschichte, sondern an einer Frau: Lauren Gardner.

Lauren Gardner, die Erfinderin der Echtzeit-Tracking-Map für Covid-19-Fälle.


Lauren Gardner, die Erfinderin der Echtzeit-Tracking-Map für Covid-19-Fälle.

 

Als im Dezember die ersten Fälle des Corona-Virus in Wuhan bekannt wurden, hat die Co-Direktorin des Zentrums für Systemwissenschaft und -technik an der JHU sofort angefangen, an der Echtzeit-Erfassung und Veranschaulichung der Fälle zu arbeiten.

Am Anfang hat das Forscher-Team die Zahlen noch manuell eingegeben. Doch mit dem rasanten Anstieg der Neuinfektionen ist es auf Data-Streaming umgestiegen.

Heute zählt die Online-Plattform täglich über 1,2 Milliarden Aufrufe.

RKI - was ist das genau?

  • Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention.

  • Es bewertet, analysiert und erforscht Krankheiten von hoher Gefährlichkeit, weitem Verbreitungsgrad oder großer öffentlicher oder gesundheitspolitischer Bedeutung, wie aktuell im Fall von Covid-19.

  • Es berät die Bundesministerien, insbesondere das Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Auch uns, die Öffentlichkeit, berät und informiert das RKI. Bei gesundheitlichen Gefährdungen und Risiken nimmt es eine zentrale "Antennenfunktion" ein - warnt uns also so früh wie möglich vor.

#flattenthecurve: Was bedeutet das?

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Der Hashtag ist nach wie vor wichtig. Doch was steckt eigentlich dahinter?

Veröffentlicht: 02.09.2020 / Autor: Viviane Osswald