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Moderna, Biontech und Co.: So wirken die Impfstoffe

Nach dem Biontech-Impfstoff darf in der EU künftig auch das Vakzin von Moderna genutzt werden. Als nächstes könnte das Präparat von Astrazeneca an der Reihe sein. Wie wirken die Präparate - und was unterscheidet sie? Im Clip: Welche Zweifel gibt es am Impfstoff - und sind sie berechtigt?
Teaserbild: Moderna, Biontech und Co.: So wirken die Impfstoffe

Das Wichtigste zum Thema Corona-Impfstoff

  • In Deutschland wird bislang der Corona-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer eingesetzt.

  • Nachdem die EU-Kommission für dieses Jahr 300 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer bestellt hatte, wurde nun ein Vertrag über weitere bis zu 300 Millionen Dosen abgeschlossen. Davon sollen 75 Millionen bereits im 2. Quartal 2021 zur Verfügung stehen.

  • Auf Empfehlung der Arzneimittelbehörde EMA hat die EU-Kommission nun auch dem Mittel des US-Herstellers Moderna eine reguläre, bedingte Marktzulassung in der Europäischen Union erteilt.

  • "Bedingt" heißt, dass der Hersteller verpflichtet ist, auch nach Beginn der Impfungen Daten etwa zur Langzeitwirkung an die EMA zu übermitteln.

  • Außerhalb der EU wird bereits der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca gespritzt. Deutschland hat bereits Impfdosen bestellt - die Zulassung in der EU ist aber noch nicht erfolgt.

  • Die Mittel von Biontech und Moderna basieren auf künstlich hergestellter mRNA und wirken auf die gleiche Weise. Wie, erfährst du weiter unten.

  • Das Präparat von AstraZeneca hingegen basiert auf der abgeschwächten Version eines Erkältungs-Virus bei Schimpansen. Was genau das bedeutet? Einfach runter scrollen!

  • Wer finanziert den Impfstoff, wie lange dauert eine Zulassung - und wer wird zuerst geimpft? Wir klären wichtige Fragen am Ende der Seite.

Moderna, Biontech/Pfizer und Astrazeneca: 3 Impfstoffe im Vergleich.

Der Impfstoff von Moderna

  • Der Corona-Impfstoff mRNA-1273 des US-Biotechkonzerns Moderna schützt nach Angaben des Unternehmens zu 94,5 Prozent vor Covid-19 - gemessen 14 Tage nach der 2. Dosis. Die Zahlen beziehen sich auf die bisher durchgeführten Phase-3-Studien.

  • Zur Immunisierung sind 2 Impfungen nötig - im Abstand von rund 4 Wochen. Vorteil von Moderna gegenüber Biontech/Pfizer: Der Impfstoff wird schon gebrauchsfertig geliefert und enthält mit 100 Mikrogramm rund 3 Mal mehr Impfstoff pro Dosis. Gespritzt wird in den Oberarm-Muskel.

  • Weiterer Vorteil des Impfstoffs von Moderna: Er hält sich 30 Tage lang bei normalen Kühlschrank-Temperaturen von 2 bis 8 Grad , der von Biontech nur 5 Tage. Bei minus 20 Grad ist der Moderna-Impfstoff sogar 6 Monate lagerbar und bei Raumtemperatur 12 Stunden lang stabil. Eine Flasche reicht bei Moderna für 10 Dosen.

  • Moderna will 2021 etwa 600 Millionen Impfdosen produzieren, die EU hat sich derzeit davon 160 Millionen gesichert. Deutschland erhalte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zufolge 2 Millionen Dosen im 1. Quartal 2021 und insgesamt 50 Millionen im Gesamtjahr.

  • Die belgische Staatssekretärin Eva De Bleeker veröffentlichte die bisher geheim gehaltenen Preise zeitweise auf Twitter. Demnach soll eine Dosis des Moderna-Impfstoffs umgerechnet rund 15 Euro kosten.

Der Impfstoff von Biontech

  • Die Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech und Pfizer BNT162b2 liegt laut eigenen Angaben bei 95 Prozent - gemessen 7 Tage nach der 2. Dosis.

  • Die Impfung erfordert ebenfalls 2 Wirkstoff-Gaben, die hier im Abstand von etwa 3 Wochen verabreicht werden. Jede Dosis enthält 30 Mikrogramm Impfstoff. Vor dem Spritzen muss er mit einer Natriumchlorid-Lösung verdünnt werden. Gespritzt wird in den Oberarm-Muskel.

  • Zunächst hieß es, der Impfstoff müsse bei minus 70 Grad gelagert werden - zuletzt erläuterte Spahn jedoch, dass er nur bei minus 20 Grad gekühlt werden müsse. In speziell entwickelten Versand-Boxen soll das Präparat bis zu 15 Tage transportiert werden können. Wird es im Kühlschrank gelagert, muss es innerhalb von 5 Tagen aufgebraucht werden, nach Erstnutzung innerhalb von 6 Stunden. Eine Flasche reicht für 5 bis maximal 6 Dosen.

  • Zunächst hatte die EU-Kommission für 2021 300 Millionen Dosen bestellt. Davon bekommt Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium über 85 Millionen Impfdosen. Nun wurde ein Vertrag über weitere bis zu 300 Millionen Dosen abgeschlossen. Davon sollen 75 Millionen bereits im 2. Quartal 2021 zur Verfügung stehen.

  • Dem Tweet von Eva De Bleeker zufolge soll eine Dosis des Impfstoffs von Biontech/Pfizer umgerechnet 12 Euro kosten.

So wirken die Impfstoffe von Biontech und Moderna

Seit Mitte Januar 2020 entwickeln die Mainzer Firma Biontech und das US-Pharma-Unternehmen Pfizer den Impfstoff BNT162b2 im Projekt "Lightspeed" (Lichtgeschwindigkeit).

Rheinland-Pfalz, Mainz: Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech beraten sich im Labor.


Rheinland-Pfalz, Mainz: Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech beraten sich im Labor.
© Stefan Albrecht/Biontech/dpa

Der US Pharmakonzern Moderna arbeitet ebenfalls seit dem Frühjahr an seinem Impfstoffkandidaten mRNA-1273. Mitte März startete das Unternehmen als erstes weltweit mit Tests an Menschen.

Der Impfstoff von Astrazeneca

  • Die zugelassenen Impfstoffe von Biontech und Moderna dürften die aktuelle Knappheit kurzfristig nicht beseitigen. Als nächstes könnte das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca an der Reihe sein. Die Zulassung in der EU (400 Millionen Dosen) wäre aus Sicht von Experten ein großer Schritt nach vorn.

  • Das Vakzin habe eine Wirksamkeit von 70 Prozent gegen Covid-19. Das teilte das Unternehmen auf Basis von Zwischen-Ergebnissen aus der wichtigen Testphase 3 mit. Berücksichtigt wurden sowohl Daten bei einmaliger als auch zweifacher Impfung.

  • Das Mittel mit dem Namen AZD1222 bot angeblich einen 90-prozentigen-Schutz, wenn Teilnehmende zunächst eine halbe Dosis erhielten und einen Monat später eine ganze. Dagegen lag die Wirksamkeit nur bei 62 Prozent, wenn die Probanden 2 Mal eine volle Dosis gespritzt bekamen, berichtet AstraZeneca.

  • Der gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelte Wirkstoff kann den Angaben zufolge bei Kühlschrank-Temperaturen von 2 bis 8 Grad für mindestens 6 Monate gelagert werden.

  • Der Astra-Zeneca-Impfstoff ist der günstigste: Eine Dosis soll umgerechnet rund nur 1,78 Euro kosten.

So wirkt der Impfstoff von AstraZeneca

Der Wirkstoff AZD1222 beruht nicht auf mRNA, sondern auf einer abgeschwächten Version eines Erkältungs-Virus von Schimpansen, das gentechnisch verändert wurde - ein sogenannter Vektor-Impfstoff. Er enthält genetisches Material eines Oberflächen-Proteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt.

Das Mittel wirkt 2-fach: Es soll die Bildung von spezifischen Antikörpern und T-Zellen fördern - beide sind für die Immunabwehr wichtig.

Die Oxford-Forscher hatten im Fachmagazin "The Lancet" berichtet, dass ihr Impfstoff in klinischen Tests der Phase 2 auch bei Älteren gut wirkt und von ihnen sogar besser vertragen worden sei als von Jüngeren. Den Angaben zufolge waren rund 240 der 560 gesunden Studien-Teilnehmer über 70 Jahre alt.

Wie läuft die Phase-3-Studie ab? Am Beispiel Biontech

  • 👨‍🔬

    Pfizer und Biontech haben die Wirksamkeit ihres Impfstoffs an mehr als 43.500 Menschen untersucht. Etwa die Hälfte davon erhielt ein wirkungsloses Placebo.

  • 📅

    Die Impfung erfolgte zweimal im Abstand von 3 Wochen. Nach Angaben von Biontech und Pfitzer wird ein Impfschutz eine Woche nach der 2. Injektion erreicht.

  • 👨‍🏫

    Wie gut die Impfung funktioniert, lässt sich abschätzen, indem die Zahl der Covid-19-Erkrankungen unter den Geimpften mit der Zahl der Erkrankungen in der Placebo-Gruppe verglichen wird.

  • 👨‍💻

    Auswertungen zeigen: Der Biontech-Impfstoff bietet einen 95-prozentigen Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung.

  • 👩‍🔬

    Eine unabhängige Expertengruppe, das sogenannte Data Monitoring Commitee (DMC), überwacht die Studie. Sie habe "keine ernsthaften Sicherheitsbedenken" gemeldet.

Was sagen Experten?

Viele laufende Impfstudien zu Covid-19 setzen lediglich eine Erfolgsquote von mindestens 50 Prozent voraus. Daher sind die Zwischenergebnisse der Phase-3-Studien Experten zufolge insgesamt vielversprechend. Ob die Zahlen auch bei einem massenhaften Einsatz der Impfstoffe zu erreichen sind, wird sich in einigen Monaten zeigen.

Unklar ist auch, wie lange die Impfungen genau schützen und ob der Geimpfte das Virus noch weitergeben kann. Optimistisch sind Experten, dass die Impfungen auch bei der Coronavirus-Variante B.1.1.7 funktionieren, die in Großbritannien entdeckt wurde und als besonders ansteckend gilt.

Gerd Fätkenheuer von der Uniklinik Köln erklärte zu den Ergebnissen des AstraZeneca-Impfstoffs, dass die "sehr vorläufigen Daten" schwer zu interpretieren seien - etwa das Ergebnis, dass mit einer geringeren Impfdosis eine größere Erfolgsrate zu erzielen war als mit einer höheren. "Das ist zunächst nicht einleuchtend, und es müssen weitere Daten abgewartet werden, bis man das besser einschätzen kann."

Bestimmte Werte sprächen dafür, dass der AstraZeneca-Impfstoff etwas weniger effektiv sein könnte als die beiden mRNA-Präparate. "Insgesamt ist es jedoch sehr erfreulich, dass jetzt bereits ein dritter Impfstoff kurz vor der Einführung steht."

Was bedeutet klinische Phase, Phase-1, Phase-2 und Phase-3-Studie?

In der klinischen Phase wird der Impfstoff an Menschen getestet. So will man herausfinden, wie gut er wirkt, welche Dosis nötig ist und ob Nebenwirkungen auftreten.

  • In Phase 1 erhält eine kleine Gruppe Freiwilliger den Impfstoff,
  • in Phase 2 sind es schon mehrere hundert Probanden und ...
  • in Phase 3 dann bis zu 20.000 oder mehr.

Erst in Phase 3 wird der Impfstoff in der Regel auch an Senioren getestet.

Welche Phasen ein Impfstoff noch durchlaufen muss bis er auf den Markt kommt, kannst du hier nachlesen.

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Wichtige Fragen zum Corona-Impfstoff

  • ⁉️

    Wie lange dauert eine Impfstoff-Zulassung?

    Eigentlich Jahre, in der Pandemie gibt es aber in Europa ein beschleunigtes Zulassungsverfahren bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA. Pharmafirmen können ihren Impfstoff-Kandidaten noch während der Phase der klinischen Studien bei der EMA melden. Dazu werden Daten fortlaufend eingereicht und von der EMA bewertet (Rolling-Review-Verfahren) - im direkten Austausch. Das heißt aber nicht, dass weniger Daten eingereicht werden müssen.

  • ⁉️

    Wieso werden schon vor einer Zulassung Lieferverträge ausgehandelt?

    Um früh mit dem begehrten Impfstoff versorgt zu sein, schließt die EU schon vor einer Zulassung Lieferverträge mit Pharmakonzernen. Einige Firmen - darunter auch Biontech - gingen auch schon vor der Zulassung in die Produktion. Aber: Die Mengen können den Bedarf am Anfang bei weitem nicht abdecken.

  • ⁉️

    Wird es genug Impfstoff für alle geben?

    Nach Kritik am schleppenden Impfstart sagte Gesundheitsminister Jens Spahn: "Wir haben mehr als genug Impfstoff für alle bestellt - und zwar von mehreren Herstellern." Er hofft, dass Biontech wie geplant im Februar an einem neuen Standort im hessischen Marburg die Produktion startet. "Das führt zu früheren Lieferungen bestellter Dosen." Es handele sich um einen Rekord beim Aufbau einer solchen Produktionsstätte. Der Staat will größere Produktionskapazitäten auch bei anderen Herstellern unterstützen.

  • ⁉️

    Wer wird zuerst geimpft?

    Pflegebedürftige und Ältere sollen zuerst geimpft werden. Ziel bis Mitte Februar ist es, dass alle Bewohner von Alten- und Pflegeheimen geimpft sind. Der Hintergrund: Das Sterblichkeitsrisiko für Covid-19-Kranke steigt mit dem Alter stark an. "Wenn das geschafft ist [...], dann verliert diese Pandemie schon einen großen Teil ihres Schreckens", so Spahn.

  • ⁉️

    Ist die Infrastruktur für eine schnelle Impfung vorhanden?

    Die Deutsche Post sieht sich für die Verteilung eines Corona-Impfstoffs gerüstet. Man könne auch Impfstoffe transportieren, die extrem gekühlt werden müssten. Um die weltweite Versorgung mit Corona-Impfstoffen sicherzustellen, könnten laut einer DHL-Studie rund 200.000 Paletten-Transporte, 15 Millionen Lieferungen in Kühlboxen sowie 15.000 Flüge unter besonderen Temperaturanforderungen erforderlich sein.

  • ⁉️

    Wer finanziert den Impfstoff?

    Anfang November hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert. Die Länder kümmern sich um das notwendige Zubehör und richten eigenverantwortlich Impf-Zentren ein. Insgesamt wird derzeit von bis zu 60 Standorten ausgegangen.

  • ⁉️

    Wann können wir auf Maske und Abstand verzichten?

    Bis ganz Deutschland bis zu einer "Herden-Immunität" durchgeimpft ist, vergeht nach Einschätzung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mindestens ein Jahr. Erst danach könne man darüber reden, auf Maske und Abstand zu verzichten. Spahn zeigte sich allerdings optimistisch, dass es nicht bis Ende 2021 dauern werde, bis alle Bevölkerungsgruppen durchgeimpft sind. So benötige man für viele der voraussichtlichen Impfstoffe keine extreme Kühlung. Sie könnten in normalen Arztpraxen gegeben werden. "Und dann geht es schnell: Vergessen wir nicht, dass jährlich in wenigen Wochen bis zu 20 Millionen Menschen gegen Grippe geimpft werden", sagte er.

Würdest du dich sofort impfen lassen?

Veröffentlicht: 07.01.2021 / Autor: Viviane Osswald