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Corona-Variante B.1.1.529

B.1.1.529: Was über die Omikron-Variante aus dem Süden Afrikas bekannt ist

Eine neue Corona-Variante aus dem südlichen Afrika löst international Besorgnis aus. Ist Omikron noch ansteckender? Wirken die Impfstoffe nicht mehr? Ein Experte gibt seine Einschätzung. Im Clip: Fakten-Check zu bisherigen Corona-Mutationen.
B.1.1.529: Was über die Omikron-Variante aus dem Süden Afrikas bekannt ist
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Das Wichtigste zur Omikron-Variante B.1.1.529

  • Seit ihrem Aufkommen dominiert die Delta-Variante des Corona-Virus das internationale Infektionsgeschehen.

  • Womöglich steht nun ein weiterer Pandemie-Wendepunkt bevor: Vom Süden Afrikas aus verbreitet sich die Corona-Variante B.1.1.529, genannt Omikron. Die WHO stufte sie als "besorgniserregend" mit einem "sehr hohen" globalen Risiko ein.

  • Weltweit verbreitet sich die neue Variante rasant. Laut WHO wurde sie in mindestens 57 Ländern nachgewiesen. Auch in Deutschland häufen sich die Fälle.

  • Eine vollständige wissenschaftliche Risiko-Bewertung steht noch aus. Allerdings weist die Variante sehr viele Mutationen auf und bereitet darum Fachleuten Unbehagen. Auch Charité-Virologe Christian Drosten ist wegen der Variante "ziemlich besorgt". Warum, liest du gleich.

Virologe Christian Drosten zeigt sich "ziemlich besorgt" über die neue Omikron-Variante

Südafrikas Gesundheitsminister Joe Phaahla vermutet, dass diese Variante die Ursache für die dort zuletzt stark zunehmende Zahl der Neu-Infektionen mit Covid-19 ist.

Charité-Virologe Christian Drosten sagte nach der Entdeckung der Variante Ende November im ZDF "heute-journal", er sei über die neue Variante "ziemlich besorgt". Man wisse nicht allzu viel über sie. Berichte über milde Verläufe wären angesichts von bisher nur rund 1.000 weltweit registrierten Fällen wenig aussagekräftig. Kürzlich warnte er, dass wir ab Januar "ernste Probleme" durch die neue Variante bekämen.

In Südafrika infizieren sich laut Drosten häufig junge Menschen mit der Omikron-Variante - unter ihnen auch Genesene, die bereits eine Covid-Infektion hinter sich haben. Deshalb äußerte er seine Sorge, dass wir es hier mit einer "Immunflucht-Mutante" zu tun haben. Auch die Wirkung der Impfstoffe könnte gegen die neue Variante schwächer ausfallen. Drosten betonte aber: "Das Einzige, was man wirklich mit Sicherheit sagen kann, ist: Es ist besser, wenn man geimpft ist. Es ist noch besser, wenn man geboostert ist."

Was sind Immunflucht-Mutanten?

Diese Varianten werden auch "Escape-Mutanten" genannt. Durch Mutationen können die Virus-Varianten besser vor der Immunantwort unseres Körpers "flüchten" und uns trotz Genesung oder Impfungen infizieren. Noch ist aber nicht geklärt, ob es sich bei der Omikron-Variante tatsächlich um so eine Mutante handelt.

Prof. Dr. Bernd Salzberger, wie schätzen Sie das Risiko der Omikron-Variante ein?

  • 👨‍🔬

    Prof. Dr. Bernd Salzberger ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und Bereichsleiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg. Er sagt:

  • 💬

    Die Ausbreitung in allen europäischen Ländern geht weiter, am schnellsten in England, etwas langsamer bei uns. Vermutlich werden wir Ende Dezember bis Anfang Januar dann mehr Omikron- als Delta-Fälle haben.

  • 💬

    Über die Auswirkungen, beziehungsweise die Krankheitsschwere von Omikron können wir noch nicht viel sagen - die Zahl bei älteren Infizierten ist noch recht klein.

  • 💬

    Mittlerweile wissen wir aber: Der "normale" Impfschutz (2-mal geimpft) ist vermutlich nicht sehr hoch. Mit einem Booster schätzen wir die Schutzwirkung auf circa 70 Prozent.

  • 💬

    Das ist etwas niedriger als mit 2 Impfungen bei Delta und deutlich niedriger als mit einem Booster bei Delta.

  • 💬

    Die Mutationen haben aber keinen so großen Einfluss auf die zelluläre Immun-Antwort. Das lässt hoffen, dass Impfungen und Boostern weiterhin gegen schwere Verläufe schützen.

Omikron - daher kommt der Name

  • Neu auftretende Corona-Varianten, die die WHO als "von Interesse" oder "besorgniserregend" einstuft, werden nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt. Aber warum heißt die neue Variante dann "Omikron" und nicht "Ny" oder "Xi"? Das wären die Buchstaben, die im Alphabet jetzt an der Reihe wären. Die Erklärung der WHO: "Ny" klingt zu sehr nach "new" (neu) und "Xi" ist ein häufiger Name in China (auch der des chinesischen Staatschefs Xi Jinping). Man wolle so Missverständnisse und Stigmatisierungen vermeiden.

Die WHO unterteilt Corona-Varianten in 3 Stufen

  • 1️⃣

    Variance of interest, also "von Interesse": Gemeint sind alle Virus-Stämme, bei denen Mutationen häufiger auftreten.

  • 2️⃣

    Variance of concern, also "besorgniserregende" Varianten: Sie treten häufig auf und bereiten in der Diagnostik oder Therapie Schwierigkeiten. Die Delta-Variante zählt auch zu dieser Klassifizierung, denn sie ist weitaus ansteckender als etwa die Alpha-Variante des Corona-Virus.

  • 3️⃣

    Variance of high consequence: Mutationen dieser Einstufung hätten für das Infektionsgeschehen sehr dramatische Konsequenzen.

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Reisebeschränkungen für Südafrika

Um die Ausbreitung der Omikron-Variante möglichst einzudämmen, haben viele Länder neue Reise-Regelungen eingeführt.

Deutschland erklärte Südafrika zum Virusvariantengebiet. Fluggesellschaften dürfen nur noch deutsche Staatsbürger:innen nach Deutschland befördern. Alle Einreisenden müssen zudem in eine 14-tägige Quarantäne - auch vollständig Geimpfte.

Jens Spahn appellierte darüber hinaus an Rückkehrer:innen aus Südafrika, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben und einen PCR-Test zu machen.

Auch andere Länder wie Großbritannien, die Niederlande, Österreich, Italien, Tschechien und Japan beschlossen ähnliche Maßnahmen.

Gibt es bald angepasste Impfstoffe?

Die genaue Gefahr der neuen Corona-Variante ist noch unklar. Auf der Grundlage bisheriger Daten untersuchen Expert:innen derzeit die mögliche Bedrohung durch Omikron.

Vor allem die Vielfalt der Variante bereitet Fachleuten Kopfschmerzen: Über 50 Mutationen verglichen zum Wild-Typ weist B.1.1.529 auf, weshalb die Corona-Variante noch ansteckender sein und auch die Schutzwirkung von Impfungen durchbrechen könnte.

Impfstoff-Hersteller Biontech gab bereits bekannt, die Wirksamkeit seines Impfstoffs "Comirnaty" mit Blick auf Omikron zu prüfen. Gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer seien die Entwickler:innen grundsätzlich auf mögliche Impfstoff-Anpassungen vorbereitet. Und auch Moderna arbeitet nach eigenen Angaben an einem Update.

Solange die wissenschaftliche Bewertung der neuen Corona-Variante noch aussteht, warnen Expert:innen vor übermäßiger Alarm-Stimmung. Unabhängig von der neuen Corona-Variante sei es wichtig, die Impfquote weltweit weiter zu erhöhen und bestehende Hygiene-Schutzmaßnahmen zu beachten.

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Veröffentlicht: 15.12.2021 / Autor: Galileo