via flickr / University of Washington / CC BY 2.0

Hier ist in vier Tagen ein ganzer Fluss verschwunden

vor 2 Wochen

Das gab es noch nie: Innerhalb von wenigen Tag verschwand in Kanada ein ganzer Fluss. Und das durch ein Naturphänomen, das normalerweise tausende Jahre dauert. Wir erklären, was dahintersteckt und wieso das in Zukunft häufiger passieren könnte.

Der kanadische Fluss Slims speiste sich seit Jahrhunderten aus dem Schmelzwasser des Gletschers Kaskawulsh. Doch im Mai letzten Jahres passierte etwas Ungwöhnliches mit dem Fluss, der an manchen Stellen bis zu 150 Meter breit war. Innerhalb weniger Tage verschwand er wie von Geisterhand. Das Wasser aus dem Gletscher floss plötzlich in ein anderes Gewässer und der Slims trocknete aus. Normalerweise würde das Wasser des Slims bis in den Kluane Lake weiterfließen. Doch auch dort bleibt es nun aus. Deshalb ist der See teils ausgetrocknet und sieht so aus:

Der Kluane Lake
Der Slims ist einer der beiden Zuflüsse des Kluane-Sees, doch er trocknete innerhalb weniger Tage aus.
© via flickr / University of Washington / CC BY 2.0

Forscher der University of Washington waren schockiert. Zwar war bereits bekannt, dass so etwas vorkommen kann – dass es so schnell passierte, war völlig unerwartet. Hinter dem Ganzen steckt nämlich ein Naturphänomen namens „Flusspiraterie“. Dieses Phänomen entwickelt sich normalerweise über mehrere Jahrtausende hinweg. Das Verschwinden des Slims ist der erste bekannte Fall, in dem ein Fluss innerhalb von wenigen Tagen verloren ging.

Flusspiraterie bedeutet allgemein, dass das Wasser eines Flusses einen neuen Weg nimmt und fortan in ein anderes Gewässer fließt. Der erste Fluss trocknet also aus. Für diesen Prozess kann es unterschiedliche Gründe geben, beispielsweise ein Erdbeben. 

Beim Slims lief es folgendermaßen ab: Im Mai 2016 schmolz ein unerwartet großer Teil des Gletschers Kaskawulsh. Zuvor floss das Schmelzwasser immer in zwei Richtungen ab, und zwar in die beiden Flüsse Slims und Alsek. Doch diesmal war es anders. Die Wassermassen waren so groß, dass sie sich einen neuen Weg bahnten. Dieser führte geradewegs zum Fluss Alsek, welcher fortan das gesamte Wasser mitführte statt nur einem Teil. Während er immer weiter anwuchs, blieb im Slims der Nachschub aus und der Fluss wurde immer kleiner. Hier sieht man die Ausläufe des Gletschers, durch die das Wasser in den Alsek fließt:

Der Gletscher Kaskawulsh
Durch Wasserläufe wie diese gelangt das Schmelzwasser in den Fluss Alsek.
© via flickr / University of Washington / CC BY 2.0

Man weiß also immerhin, weshalb der Fluss verschwand. Warum es aber so schnell ging, darüber sind sich die Forscher noch nicht einig. Ihnen scheint am wahrscheinlichsten, dass die Klimaerwärmung dafür verantwortlich ist. Die erhöhten Temperaturen führten dazu, dass so viel Schmelzwasser frei wurde. Nur deshalb änderte es die Richtung und floss nicht mehr in den Slims.

Nun stellt sich die Frage, was in Zukunft mit den anderen Flüssen passiert, die sich aus Gletschern speisen. Womöglich wird sich das Verschwinden des Slims mit anderen Flüssen wiederholen.

Die Folgen der Klimaerwärmung sieht man mittlerweile in der ganzen Welt. Doch wie genau ist Deutschland davon betroffen? Hier erfahrt ihr mehr:

Facebook WhatsApp

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen: