So läuft eine OP im Weltall ab
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So läuft eine OP im Weltall ab

vor 2 Wochen

Wir kennen das Phänomen der Schwerelosigkeit: Alles schwebt durch den Raum. Deswegen kann ein einfacher Gang zur Toilette schon zum Problem werden. Und jetzt stellt euch mal vor, wie es sein muss, wenn es dort oben zu einem medizinischen Notfall kommt und ein Mensch operiert werden muss. Auf diesen Ernstfall bereitet sich die NASA schon seit längerer Zeit vor.

Vor über 50 Jahren flog der erste Mensch ins All. Seitdem gab es zahlreiche Missionen um den Weltraum zu erforschen. Dabei ist es schon öfter vorgekommen, dass Astronauten medizinische oder gesundheitliche Probleme hatten – unter diesen Extrembedingungen kein Wunder.

Operiert werden musste allerdings bisher im All noch niemand. Dass das aber irgendwann passiert, ist laut James Antaki, Professor für Biomedizin an der Carnegie Mellon University in Pennsylvania, sehr wahrscheinlich. Deswegen laufen die medizinischen Forschungen auf Hochtouren – und es gibt bereits erste interessante Lösungsansätze.

Wenn man eine längere Zeit im Weltall verbringt, hat das starke Auswirkungen auf den Körper. Er stellt immer weniger rote Blutkörperchen her und die Blutgefäße sind nicht mehr so dehnbar. Das Immunsystem und die Hormone spielen verrückt und die Wundheilung funktioniert nicht mehr so wie gewohnt. Knochen werden brüchiger und wachsen – wenn überhaupt – nur sehr langsam wieder zusammen.

Sollte sich ein Astronaut so schwer verletzen, dass er ohne Notoperation nicht weiterleben kann, bleibt also keine Zeit, um ihn zurück auf die Erde zu schicken. Abgesehen davon kann nicht mal garantiert werden, dass er dort überhaupt ankommt. Also muss schnell gehandelt werden – und das vor Ort.

Wenn es sogar schon eine riesige Herausforderung ist, sich im Weltall die Haare zu waschen, wie muss das dann erst bei einer chirurgischen Operation sein? Genauso kompliziert wie es klingt. Denn sobald eine offene Wunde vorliegt, würden das Blut und andere Körperflüssigkeiten, die nicht mehr von der Schwerkraft zusammengehalten werden, in Blasenform durch den ganzen Raum fliegen.

Damit das nicht passiert, haben Forscher der University of Louisville eine Art durchsichtige Blase aus elastischem Kunststoff entwickelt, die mit einer sterilen Kochsalzlösung gefüllt ist. Sie soll die Wunde wasserdicht umschließen, sodass das Blut nicht mehr austreten kann.

Darüber hinaus ist es möglich, mit winzigen chirurgischen Instrumenten durch die Blase hindurch, direkt an der Wunde, zu operieren. Das Projekt nennt sich „Aqueous Immersion Surgery System“ (kurz AISS).

Auch Infusionen wären im All problematisch. Hierfür braucht man spezielle Pumpsysteme, damit die Flüssigkeit da bleibt, wo sie sein soll. Schwierig ist auch, dass die traditionellen medizinischen Geräte einfach zu groß sind, um sie mit ins All zu nehmen. Deswegen entwickelt die NASA aktuell kompaktere, kleinere Geräte.

Dass es aber nicht unmöglich ist, in einem schwerelosen Raum eine OP durchzuführen, haben französische Ärzte bewiesen: Vor einigen Jahren haben sie zu Forschungszwecken die erste Operation in der Schwerelosigkeit durchgeführt – mit Erfolg. Allerdings nicht im All, sondern während eines dreistündigen Parabelfluges in einem extra dafür umgebauten Flugzeug. Hierbei wurde einem 46-jährigen Patienten ein Tumor am Arm entfernt. Dazu muss man sagen, dass der Patient als professioneller Bungeespringer  bereites Erfahrungen mit ungewöhnlichen Schwerkraft-Situationen hatte.

Im Weltall ist alles anders. Nicht nur der Gang zur Toilette und das Verhalten bei medizinischen Notfällen. Auch das Essen. Wir haben uns mal genauer angeschaut, was Astronauten zu sich nehmen. Spoiler: Besonders lecker sieht es nicht aus. Aber wie schmeckt es? Das erfahrt ihr im Video:

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